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(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 29. Oktober 2015

Börsen in Feierstimmung: Kommt die Jahresendrally?

Die Börsen zeigen sich weltweit von ihrer Schokoladenseite. Das ist eine gute Basis für weiter steigende Kurse zum Jahresende, meint Chartanalyst Ralf Goerke.

"Börsen auf Crashkurs?" lautete die Überschrift zu meiner letzten Analyse Ende September. Damals notierte der Dax noch bei ca. 9700 Indexpunkten. Seither stieg der deutsche Leitindex um etwa 1000 Punkte an. Aber nicht nur im Dax, auch an den Börsen weltweit kann eine deutliche Besserung der technischen Verfassung festgestellt werden. Ein Indiz, dass möglicherweise das Schlimmste überstanden sein könnte…

Der China-Crash und der VW-Schock hielten die Börsianer im August und September in Atem. Die Börsen legten den Rückwärtsgang ein, und entsprechend schlecht waren dieses Jahr die traditionell schwachen Börsenmonate einmal wieder für die Aktienmärkte weltweit: August (-6,4%) und September (-3,5%). Offensichtlich scheinen die Marktteilnehmer diese beiden Schocks aber inzwischen verdaut zu haben, denn im Oktober stieg das Kursniveau rund um den Globus wieder um durchschnittlich 6,4 Prozent! Ein wirklich goldener Oktober, den wir an den Aktienmärkten erleben.

Der Aktienklima-Indikator, der das durchschnittliche Momentum, also die Schwungkraft an den internationalen Börsen widerspiegelt, erreichte zum Zeitpunkt der letzten Analyse zum zweiten Mal sein Tief bei 0,9 (Bild 1). Seither ist ein deutlicher Anstieg erkennbar (s. Pfeil). Der Indikator liegt noch im negativen Bereich, aber oberhalb seines (wieder steigenden) gleitenden Durchschnitts (blaue Linie). Nach der Interpretation dieses Modells befinden wir uns damit im Stadium einer Bearmarket-Rally.

Sollte sich der allgemeine Aufschwung in den nächsten Tagen und Wochen weiter fortsetzen, könnte es auch zum Durchbruch des Indikators durch seinen Schwellenwert (1,0) kommen. Ab dann befänden wir uns im Börsenstadium einer Erholung. Das wäre gleichbedeutend mit einem ersten, aber noch schwachen Kaufsignal. Damit würde uns diese Börsenampel ein weiteres Indiz für eine grundsätzliche Trendwende an den Börsen hin zum Besseren liefern. Bis es allerdings auch zu einem Kaufsignal durch den gleitenden Durchschnitt über den Schwellenwert kommt, dürften noch viele Wochen vergehen.

Eine deutliche Verbesserung im Trend der weltweiten Aktienmärkte zeigt uns auch das Trendbarometer (Bild 2). Ende September lagen alle vier Nadeln zwischen "5" und "5,5" – also eindeutig "mangelhaft" (s. letzte Analyse)! Aktuell zeigt sich das Bild sehr viel differenzierter. Der Anstieg an den Börsen hat die rote (kurzfristige) Nadel in den dunkelgrünen, sehr bullishen Sektor geführt (Note 1,7). Auch die mittelfristige (orangefarbene) Nadel liegt noch im Bereich der Note "gut" (Note 2,7). Nur der Stand der blauen (langfristigen) Nadel lässt noch zu wünschen übrig (Note 5,1). Insgesamt ist festzustellen, dass sich jetzt wieder drei der vier Nadeln in der linken (bullishen) Hälfte dieses Modells befinden und die Gesamtbewertung (grüne Nadel) ein "befriedigend" zulässt (Note 3,2). Eine ähnliche Konstellation der Trendnadeln im Trendbarometer fand sich übrigens auch Anfang Februar dieses Jahres, als der Aufschwung an den Börsen, der bis Mitte April dauerte, einsetzte.

Auf sehr eindrucksvolle Art und Weise zeigt uns die Gegenüberstellung positiv und negativ zu interpretierender Indikatoren in den 50 wichtigsten internationalen Aktienindizes das derzeitige Kräfteverhältnis an den weltweiten Börsen (Bild 3). Vor einem Monat waren noch die Rot-Anteile, die die Kraft der Bären widerspiegelt, in den einzelnen Balken dominierend. Inzwischen haben die Bullen wieder derart zugelegt, dass sie immerhin in fünf der sieben Balken wieder die Oberhand gewonnen haben (Blau-Anteile). Sogar bei den langfristig zu interpretierenden 200-Tage-Linien (vorletzter Balken rechts) zeigen sich in den zugrunde liegenden 50 internationalen Börsenindizes wieder weitaus mehr steigende als fallende gleitende Durchschnitte!

Schlussendlich sehen wir im Verhältnis der weltweit steigenden Aktien (blaue Linie) zu den weltweit fallenden Aktien (rote Linie), dass auch hier die Bullen wieder das Ruder übernommen haben (Bild 4). Diese Grafik zeigt darüber hinaus auch, wann dieser Wechsel stattgefunden hat. Die Überkreuzung der beiden Linien fand am 06. Oktober statt (s. Pfeil). Die beiden Linien driften aktuell stark auseinander, was für die Dynamik der gegenwärtigen Bewegung spricht. Eine ähnliche Dynamik – nur mit umgekehrten Vorzeichen – setzte auch Mitte August an den internationalen Aktienmärkten ein, als die rote Linie nach oben schoss, während gleichzeitig die blaue Linie stark abfiel. Was danach folgte, wissen wir ja inzwischen…

Fazit: Die hier verwendeten Modelle mit unterschiedlichen Fristigkeiten zeichnen ein wieder insgesamt positives Bild der allgemeinen Verfassung an den internationalen Börsen. Sollte also in den nächsten Wochen kein erneuter "VW-Skandal" o. ä. aus irgendeiner Ecke kommen, haben wir ein gutes Chance/Risiko-Verhältnis, mit den jetzigen Vorzeichen eine Jahresendrally an den Börsen zu erleben. Dies würde auch zur Jahreszeit passen. Ist doch die Jahreshälfte von November bis einschließlich April die statistisch bessere Jahreshälfte für Aktienanlagen. Anleger, die sich mit Neuinvestitionen bisher zurückgehalten haben und damit der Baisse der letzten Monate ausgewichen sind, können jetzt wieder über erste Käufe in trendstarken Qualitätsaktien nachdenken.

Mehr Informationen zur Strategie von Ralf Goerke und einem ausführlichen Video zu den hier gezeigten Grafiken sowie seinem wöchentlich aktualisierten Trendbarometer finden Sie auf seiner Website unter: www.momentumstrategie.de.

Quelle: n-tv.de

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