Startseite
Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest
Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest
Donnerstag, 20. März 2014

Euro, Dollar, Charttechnik: Janet Yellen rettet Mario Draghi

Von Robert Rethfeld

US-Notenbank-Chefin Yellen kommt als Taube - und zieht sofort die Zügel an. Das kommt unerwartet für die Märkte. Aber was bedeutet der jüngst angedeutete Kurswechsel aus charttechnischer Sicht?

Auf ihrer ersten Pressekonferenz rutschte der Vorsitzenden der US-Zentralbank, Janet Yellen, ein Halbsatz heraus, der auf eine erste Zinserhöhung sechs Monate nach dem Ende von Qantitative Easing (QE) schließen lässt. Da die Staatsanleihenkäufe der Fed voraussichtlich im Herbst enden, würde die erste Zinserhöhung im Frühjahr 2015 durchgeführt werden. Damit rutschen die bisherigen Planungen um ein halbes bis ein ganzes Jahr nach vorn.

Die Marktteilnehmer stellten sich umgehend darauf ein. Sie verließen fluchtartig die Anleihen am kurzen Ende. Die Renditen bei den 2-jährigen und 5-jährigen Anleihen stiegen merklich (2 Jahre von 0,35 auf 0,45 Prozent; 5 Jahre von 1,55 auf 1,70 Prozent).

Frau Yellen kam als Taube. Jetzt zieht sie die Zügel an. Das kommt unerwartet für die Märkte. EZB-Präsident Mario Draghi dürfte ein Dankesgebet gen Himmel gerichtet haben. Denn dort, wo Zinserhöhungen anstehen, wird eine Währung attraktiver. Der US-Dollar gewann unmittelbar an Stärke. Dies bekam der Euro/Dollar negativ zu spüren.

(Foto: Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest)

Die Marke von 1,40 ist ein sensibler Widerstand. Einmal gebrochen, würde der Euro schnell auf 1,45 oder 1,50 steigen. Dies ergibt sich aus dem folgenden Langfristchart.

(Foto: Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest)

Nicht umsonst kam es vor einigen Tagen knapp unterhalb dieser Marke zu einer Verbalintervention Mario Drahgis. Was geschähe, wenn der Euro/Dollar auf das alte Hoch steigen würde? Eine solche Situation ist für das wirtschaftliche Wohlergehen der EU deutlich gefährlicher als ein Kurs unterhalb von 1,20. Die europäische Exportindustrie würde geschwächt werden. Insbesondere Deutschland wäre betroffen. Ein starker Euro würde die Importpreise rutschen lassen (Rohstoffe würden sich verbilligen) und so der Deflation Vorschub leisten. Zudem würde die Wettbewerbsfähigkeit der EU auf dem Weltmarkt in Frage gestellt werden. Die Franzosen wollen keinen starken Euro, die Deutschen als Exportnation erst recht nicht.

Saisonal betrachtet würde eine Pause im Anstieg des Euro/Dollar an dieser Stelle passen.

(Foto: Robert Rethfeld, Wellenreiter-Invest)

 

Wie der obige Chart zeigt, verfügt der Euro insbesondere im zweiten Halbjahr eines Zwischenwahljahres über eine positive Saisonalität. Würde der Euro/Dollar jetzt in seine Handelsspanne zurückfallen, würde eine gute Chance bestehen, dass er im zweiten Halbjahr nochmals Gas gibt. Ein temporär schwächerer Euro/Dollar korreliert aus Intermarketsicht gut mit einer Abwärtsbewegung an den Aktienmärkten sowie einer - möglicherweise finalen - Rohstoffschwäche.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen