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Gemeinsam ist man stärker.
Gemeinsam ist man stärker.(Foto: REUTERS)
Mittwoch, 25. November 2015

Eigner besser als Manager: Firmen profitieren von starken Familien

Ein Gastbeitrag von Marco Garzetti

Der Abgasskandal von VW hat das Familienunternehmen in Verruf gebracht. Trotzdem gilt weiterhin, dass die meisten inhaberdominierten Gesellschaften gut performen. Die Aktionäre profitieren.

Der Abgasskandal von VW hat die Aktie rund ein Drittel ihres Werts gekostet – macht insgesamt mehr als 25 Milliarden Euro. Der größte Teil geht zu Lasten der beiden Familienclans Porsche und Piëch, die mehr als die Hälfte der stimmberechtigten Stammaktien halten. Dennoch gilt: Die meisten Familienunternehmen stehen für eine nachhaltige Entwicklung und Werterhalt. Davon profitieren auch Aktionäre, die nicht zur Gründerfamilie gehören.

Am Start jedes Unternehmens hat immer ein visionärer Gründer gestanden, der versuchte, eine Idee gewinnbringend umzusetzen. Das bedingte hohes Engagement, Mut und unternehmerisches Können. Diese Eigenschaften finden sich regelmäßig auch noch Jahrzehnte später in der DNA von Familienunternehmen.

Unternehmenslenker, die umfangreich Anteile halten, agieren außerdem in der Regel nachhaltiger als angestellte Manager. Auf längere Sicht zahlt sich das aus. So richten familiendominierte Unternehmen ihre Geschäftspolitik meistens auf lange Sicht aus und nicht an kurzfristigen Quartalsergebnissen. Außerdem sind sie häufig bereit, Fehlentscheidungen rasch zu korrigieren. Beispielsweise hat sich der von der Quandt-Familie dominierte BMW-Konzern viel schneller vom Fehlinvestment Rover getrennt als Daimler von Chrysler. Familienunternehmen verfügen zudem regelmäßig über eine hohe Ausstattung mit Eigenkapital und ein fokussiertes Geschäftsmodell.

Die weltweit größte Gesellschaft in Familienbesitz ist Walmart. Hier hat die Familie Walton das Sagen. Der Einzelhandelskonzern hat alleine in den zurückliegenden fünf Jahren den Umsatz von 401 auf 467 Milliarden US-Dollar gesteigert.

In der Schweiz ist der Pharmariese Roche das größte inhaberdominierte Unternehmen. An Roche sind die Familien Hoffmann und Oeri umfangreich beteiligt. Die Großaktionäre machen ihren Einfluss als Vertreter des Aktionärspools im Verwaltungsrat geltend, mischen sich aber nicht in das operative Geschäft ein. Roche ist führend in der Onkologie, betreibt intensiv Forschung und hat eine gute Produktepipeline. Die Titel gehören in jedes langfristig orientierte Aktien-Portfolio.

Schweizer "Familienperlen"

Marco Garzetti verfügt über 15 Jahre Erfahrung als Investmentberater und Vermögensverwalter. Er ist Gründer und CEO der Swiss Fund Management AG und managt seit 2008 den flexiblen Mischfonds "Swiss Strategie – dynamisch".
Marco Garzetti verfügt über 15 Jahre Erfahrung als Investmentberater und Vermögensverwalter. Er ist Gründer und CEO der Swiss Fund Management AG und managt seit 2008 den flexiblen Mischfonds "Swiss Strategie – dynamisch".

Ein Paradebeispiel für ein erfolgreiches inhaberdominiertes Unternehmen ist auch die Swatch-Group. Diese hat 1983 der ehemalige Unternehmensberater Nicolas Hayek gegründet und damit gleichzeitig die Schweizer Uhrenindustrie vor dem Untergang gerettet. Heute führt sein Sohn Nick Hayek das Unternehmen – und zwar ausgesprochen erfolgreich. Die Titel sind zurzeit niedrig bewertet, weil das wichtige Asiengeschäft etwas leidet. Anleger mit Langfristperspektive greifen hier zu.

Ein weiteres Beispiel: 2003 wurde Christoph Blocher in den Schweizer Bundesrat gewählt. Zuvor war der Politiker Eigentümer und CEO der äußerst erfolgreichen EMS-Chemie. Mit dem Wechsel in die Politik gab Blocher das Management an seine Tochter, Magdalena Martullo-Blocher, weiter. Sie agiert noch erfolgreicher. Der Aktienkurs hat sich den in vergangenen fünf Jahren verdreifacht. Die Titel sind mit einem KGV von 25 mittlerweile zwar teuer, der fünfeinhalb Jahre anhaltende Aufwärtstrend ist jedoch nach wie vor intakt.

Weniger erfolgreich war der ehemalige Besitzer des Bauausrüsters AFG Arbonia-Forster, Edgar Oehler. Er übernahm das Unternehmen 2003 und managte es recht unglücklich mit diversen Firmenübernahmen. Mittlerweile hat Oehler aber alle Posten wieder geräumt und seine Aktien abgegeben. Der neue starke Mann, der erfahrene Michael Pieper, hat einen substanziellen Strategiewechsel vorgenommen. Anleger, die an die erfolgversprechende Turnaround-Story glauben, können die Titel heute günstig erwerben.

Anleger können mit Familienunternehmen nachhaltig und auf lange Sicht werterhaltend investieren, wenn das Engagement der Eigentümer anhält. Wichtig ist jedoch, die Absichten der Eigner zu verfolgen. Die können sich ändern, insbesondere wenn die Erben zum Zuge kommen.

Dass es mit den Eigentümern nicht immer gut geht, zeigt das jüngste Beispiel in der Schweiz mit dem erfolgreichen und gut geführten Bauchemie-Unternehmen SIKA. Die Besitzerfamilie Burkard hat ihren Anteil von 17 Prozent samt Stimmrechtsmehrheit an die französische Saint-Gobain-Gruppe verkauft. Ein Angebot an die übrigen Aktionäre wurde unter Berufung auf die Opting-out-Klausel nicht unterbreitet. 83 Prozent haben nun das Nachsehen. Noch ist SIKA selbstständig und erfolgreich unterwegs. Aber zusammen mit Saint-Gobain?

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Quelle: n-tv.de

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