Analysen
(Foto: picture alliance / dpa)

Börsen völlig irrational: Fakten zählen, nicht Prognosen

Ein Gastbeitrag von Mark-Uwe Falkenhain

Anleger wetten gerne auf Kursziele. Doch diese Zukunftsprognosen sind äußerst spekulativ. Aussichtsreicher ist es, sich an Fakten zu orientieren. Die spiegeln sich in den aktuellen Kursen wider.

Wie irrational sich die Finanzmärkte verhalten, lässt sich gut am Öl demonstrieren. Noch bis Ende des vergangenen Jahres begrüßten die Anleger den niedrigen Preis für das schwarze Gold als weltweites Konjunkturprogramm, das auch noch kostenlos war. Ende 2015 notierte ein Barrel der Sorte Brent bei 37 US-Dollar. Und der Dax bewegte sich bequem im Bereich von 10.700 Punkten. Als dann Anfang dieses Jahres der Ölpreis weiter fiel, kippte die Stimmung.

Plötzlich galt der Preis als große Gefahr, weil Öl produzierende Firmen und Staaten unter Einnahmeverlusten litten und weniger Waren im Westen kaufen konnten. Rezessionsängste wurden beschworen, von konjunktureller Unterstützung war nicht mehr die Rede. Als Öl im Tief Ende Februar weniger als 28 US-Dollar kostete, notierte der Dax bei 8753 Zählern. Das waren fast 20 Prozent weniger als zum Jahreswechsel, obwohl der deutsche Standardwerteindex überhaupt keine Ölaktien enthält.

Von wegen Vollbeschäftigung

Mark-Uwe Falkenhain verfügt über insgesamt 30 Jahre Berufserfahrung bei der Beratung vermögender Privat- und Geschäftskunden. Nach verschiedenen Stationen bei deutschen und internationalen Großbanken ist er bei Geneon seit neun Jahren als Vorstand tätig.
Mark-Uwe Falkenhain verfügt über insgesamt 30 Jahre Berufserfahrung bei der Beratung vermögender Privat- und Geschäftskunden. Nach verschiedenen Stationen bei deutschen und internationalen Großbanken ist er bei Geneon seit neun Jahren als Vorstand tätig.

Die Irrationalität der Börsen lässt sich auch an den amerikanischen Arbeitsmarktdaten zeigen. Im April lag die saisonbereinigten Arbeitslosenquote in den USA bei fünf Prozent. Vor diesem Hintergrund erwägt die US-Notenbank Fed im Juni einen zweiten Zinsschritt, vor dem die Börsianer zittern. Wir reden hier jedoch erstens von einer Zinserhöhung von 0,25 auf 0,5 Prozent, die in der Realwirtschaft kaum zu spüren sein dürfte. Und zweitens weiß jeder, der sich etwas eingehender mit den amerikanischen Statistiken beschäftigt, dass diese nahezu nach Belieben manipuliert werden.

Mehr als 45 Millionen Amerikaner erhalten so genannte food stamps. Das bedeutet, jeder siebte US-Bürger ist auf Lebensmittelmarken angewiesen. Von der offiziell verkündeten Vollbeschäftigung kann kaum die Rede sein. Selbst die staatliche Statistikbehörde beziffert die Arbeitslosenquote in der Abgrenzung U-6, die auch demoralisierte Menschen mitzählt, die die Arbeitssuche aufgegeben haben, auf fast zehn Prozent. Ob die Fed trotzdem die Zinsen erhöht? Keiner kann es sagen.

Auch beim Goldpreis werden dieselben Fakten völlig unterschiedlich bewertet. Einerseits heißt es, die niedrigen Zinsen seien gut für Gold. Es gilt das Motto: Wenn es keine Zinsen mehr gibt, geht dem Anleger beim zinslosen Edelmetall auch nichts verloren. Andererseits sind die niedrigen Zinsen maßgeblich eine Folge der geringen Geldentwertung. Wenn es keine Inflation gibt, braucht man eigentlich auch keinen Schutz vor Inflation, den Gold bietet. Sind jetzt die niedrigen Zinsen gut oder schlecht für den Goldpreis? Auch das wissen offensichtlich nicht nur wir nicht.

"Echte" Kurse besser als Kursprognosen

So irrational die Finanzmärkte funktionieren, so spekulativ sind Kursprognosen. Denn diese beruhen in erster Linie auf den Interpretationen von Marktteilnehmern. Sie können sich jederzeit ändern. In den aktuellen Kursen kommen dagegen alle derzeitigen Marktdaten sowie deren augenblickliche Bewertung durch die Marktteilnehmer zum Ausdruck. Deshalb bilden sich ja gerade diese Kurse. Das heißt, Anleger sollten sich nicht an irrationalen Kursfantasien orientieren, sondern besser an den "nüchternen" Kursen von heute. Diese sollten die Grundlage für die Kauf- oder Verkaufsentscheidung bilden.

Hilfreich sind feste Regeln, die Signale wie sie beispielsweise die Charttechnik liefert, generieren. Solche Signale zu Handelsbewegungen folgen keinen Meinungen oder Prognosen, sondern ausschließlich der gegenwärtigen Situation. Im Idealfall erfolgt der Ein- und Ausstieg in die Wertpapiermärkte dabei dann nicht digital, sondern schrittweise – beispielsweise in Zehn-Prozent-Schritten. Bei starken Kursbewegungen sind auch mehrere Schritte an einem Handelstag möglich.

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Quelle: n-tv.de

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