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Der Blick in die Glaskugel ist beliebt an der Börse.
Der Blick in die Glaskugel ist beliebt an der Börse.(Foto: picture alliance / dpa)

Feste Regeln versprechen mehr Erfolg: Dax-Prognosen stimmen nicht

Ein Gastbeitrag von Marc-Oliver Lux

Bankanalysten versuchen einmal mehr vorherzusagen, wo Dax & Co. in einem Jahr stehen werden. Wie immer werden die meisten von ihnen schiefliegen – und zwar kräftig. Mit festen Regeln haben Anleger mehr Erfolg.

The same procedure as every year. Chief Investment Officers, Bankanalysten und sonstige Börsenexperten geben wie immer kurz vor Weihnachten wieder ihre Tipps ab, wie sich die verschiedenen Aktien-, Anleihen- und Devisenmärkte im kommenden Jahr entwickeln werden. Tatsächlich ist die Trefferquote erbärmlich. Beispiel Dax: Es ist mittlerweile zehn Jahre her, dass die durchschnittliche Punkte-Prognose der deutschen Banken und Investmenthäuser den Index-Stand auf Sicht von zwölf Monaten halbwegs richtig lag. In den neun Jahren danach schätzten die Investmentprofis die künftige Entwicklung des Dax immer falsch ein. Das gilt sowohl für die Jahre, in denen der Index stieg, als auch für die Zeiten, in denen er nachgab. Für das Haussejahr 2013 fielen die Schätzungen für den Dax-Anstieg zum Beispiel im Durchschnitt um rund 1500 Punkte zu niedrig aus. Im Jahr 2008, als sich der Index fast halbierte, fielen die durchschnittlichen Schätzungen dagegen fast 4000 Zähler zu hoch aus. Die meisten Menschen haben beim Würfeln mehr Erfolg.

Selbst bei Trendschätzungen liegen die Finanzprofis regelmäßig daneben. Seit 2003 haben die Rentenanalysten in Deutschland nur vier Mal richtig vorhergesagt, ob die Zinsen im kommenden Jahr steigen oder fallen. Sechs Mal lagen sie daneben. Natürlich gibt es immer wieder den einen oder anderen Marktteilnehmer, der die künftige Entwicklung an den Finanzmärkten fast punktgenau prognostiziert. Dieser wird dann gerne als Guru gefeiert. Das Gros der Vorhersagen trifft aber regelmäßig nicht ein.

Falsche Prognosen sind menschlich

Marc-Oliver Lux hat 1999 zusammen mit Frank Präuner die Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner gegründet. Dort verantwortet der langjährige Börsenexperte als Geschäftsführer u.a. die Kundenbetreuung und das Marketing.
Marc-Oliver Lux hat 1999 zusammen mit Frank Präuner die Vermögensverwaltung Dr. Lux & Präuner gegründet. Dort verantwortet der langjährige Börsenexperte als Geschäftsführer u.a. die Kundenbetreuung und das Marketing.

Die mangelnde Prognose-Qualität beruht vor allem auf psychologischen Fallen, in die die Finanzprofis genauso tappen wie der gewöhnliche Privatanleger. Eine ganze Wissenschaft beschäftigt sich mittlerweile unter dem Begriff "Behavioral Finance" mit diesen Denkfehlern. So leiden beispielweise vor allem "Experten" unter Selbstüberschätzung (Overconfidence): Nur weil ein Bankanalyst viel von den Finanzmärkten versteht, kann er nicht auch deren Entwicklung vorhersagen. Umgekehrt nehmen Investoren nur noch diejenigen Informationen wahr, die sie in ihrem Investment bestärken (selektive Wahrnehmung). Und wenn das Investment oder die Vorhersage schief liegt, wird es lieber schön geredet, als sich eigene Fehler einzugestehen (kognitive Dissonanz). Der psychologische Faktor spielt deshalb eine große Rolle in der Frage, wie erfolgreich jemand an der Börse agiert.

In einem Umfeld von rekordhohen Aktien- und Anleihenkursen, real negativer Zinsen sowie Krisen und Kriegen in der Ukraine und im Mittleren Osten weiß kein Mensch, wohin die Reise an den Finanzmärkten im kommenden Jahr geht. Der israelisch-amerikanische Psychologe und Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahnemann kam schon vor geraumer Zeit zu dem Schluss: "In einer Welt voller Unsicherheit empfiehlt es sich (eher), mit Algorithmen zu arbeiten, als auf eigene Eingebung zu vertrauen." Bei einem Algorithmus handelt es sich um eine eindeutige Handlungsvorschrift zur Lösung eines oder mehrerer Probleme. Anleger können auch an den Finanzmärkten nach festen Regeln handeln. Prognosefreie und regelbasierte Anlagestrategien versprechen zumeist bessere Erfolge als die Tipps der Bankanalysten.

Regelwerk über unterschiedliche Anlageklassen

Eine bekannte Regel an den Finanzmärkten heißt Diversifikation. Wenn Anleger ihr liquides Vermögen zum Beispiel zu jeweils einem Viertel in Anleihen mit mittlerer Restlaufzeit, Bonds mit langer Restlaufzeit sowie in Edelmetalle und Aktien investieren, erzielen sie bereits eine gute Streuung. Diese erhöht sich zusätzlich, wenn der Anleger nicht Einzelwerte, sondern Marktindizes (z.B. über ETFs) kauft. Nach einem Jahr sollte ein Rebalancing vorgenommen werden. Darunter versteht man, dass jede der vier Anlageklassen nach einem Jahr wieder mit 25 Prozent gewichtet wird. Das führt bei den Investments, die gut gelaufen sind, automatisch zu Gewinnmitnahmen, und bei schlecht gelaufenen Anlagen zu verbilligten Nachkäufen.

Ob man nur mit dem Trend investiert oder doch lieber antizyklisch, ist eine Frage der persönlichen Psyche. Beides kann Erfolg versprechend sein, sofern das einmal gewählte Regelwerk konsistent durchgezogen wird. Aus den USA stammt eine erfolgreiche Methodik unter dem Namen "Dogs of the World", die auf der Aktienseite in die Märkte investiert, die sich im abgelaufenen Jahr besonders schlecht entwickelt haben. Für 2015 stehen hier momentan die Aktienmärkte in Russland, Ungarn,  Österreich und Portugal auf der Liste - kostengünstig investierbar über die entsprechenden Länder-ETFs.

Disclaimer

Diese Publikation dient nur zu Informationszwecken und zur Nutzung durch den Empfänger. Sie stellt weder ein Angebot noch eine Aufforderung seitens oder im Auftrag der Dr. Lux & Präuner Vermögensverwaltung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren oder Investmentfonds dar. Die in der vorliegenden Publikation enthaltenen Informationen wurden aus Quellen zusammengetragen, die als zuverlässig gelten. Die Dr. Lux & Präuner Vermögensverwaltung gibt jedoch keine Gewähr hinsichtlich deren Zuverlässigkeit und Vollständigkeit und lehnt jede Haftung für Verluste ab, die sich aus der Verwendung dieser Information ergeben. www.LPVV.de

 

Die Dax-Prognosen der Analysten

 

Institut

Mitte 2015

Ende 2015

Bankhaus Lampe

10.900

10.100

BayernLB

9.800

10.500

Berenberg

10.300

10.900

Commerzbank

10.200

10.800

Deka

10.500

10.500

Deutsche Bank

11.500

 

DZ Bank

9.500

9.500

Helaba

8.900

9.800

LBBW

10.000

10.500

NordLB

10.100

10.500

Postbank

11.500

 

WGZ Bank

10.300

10.800

Mittelwert

9.955

10.660

Maximum

11.500

10.900

Minimum

8.900

9.500

Quelle: n-tv.de

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