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Es gibt Momente, die für schlechte Laune sorgen.
Es gibt Momente, die für schlechte Laune sorgen.(Foto: REUTERS)

Was sagen die Charts?: Das Börsenjahr beginnt unerfreulich

Konjunktursorgen in China belasten die Stimmung an Asiens Börsen und sorgen auch in Deutschland für einen schwachen Start in das neue Jahr. Der vorsichtige Anleger sollte abwarten, bis sich das Aktienklima gebessert hat, meint Chartanalyst Ralf Goerke.

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"Börsen wieder auf Erholungskurs" lautete die Überschrift zu meiner letzten Analyse Ende November. Vorangegangen waren zwei Monate (Oktober und November) mit einer ausgesprochen positiven Tendenz an den Börsen (Jahresendrally). In diesen beiden Monaten stieg das weltweite Kursniveau um durchschnittlich 7,4 Prozent. Damals lautete das Fazit, dass die technischen Indikatoren ein gemischtes Bild zeigen, der Grundton jedoch positiv bleibe. Der Dezember konnte dann allerdings die Erwartungen an eine Fortsetzung dieser Jahresendrally bei weitem nicht erfüllen. Insgesamt fiel im letzten Monat des Jahres das internationale Kursniveau im Durchschnitt um 2,3 Prozent.

Alles in allem kann für das abgelaufene Börsenjahr eine positive Bilanz gezogen werden. Die Kurse stiegen 2015 rund um den Globus im Mittel um 3,4 Prozent. Wie immer gab es dabei sowohl gute wie auch schlecht performende Indizes, die von diesem Mittelwert stark abweichen.

Mit einem Plus von 43,8 Prozent war der ungarische BUX der beste Aktienindex. Ihm folgen der KFX Dänemark (+36,2%) und der argentinische Merval-Index (+36,1%) auf den weiteren Plätzen. Immerhin landete der TecDax mit einem Plus von 33,5 Prozent auf dem vierten Platz von insgesamt fünfzig internationalen Indizes. Für den Dax endete das Jahr mit einem Plus von 9,6 Prozent.

Bis auf wenige Ausnahmen tendierten die mittel- und südamerikanischen Börsen 2015 im Allgemeinen eher schwach. Dies ist gut am FTSE Latibex All Share-Index abzulesen, der 39,2 Prozent verlor und damit der schwächste Index war. Ihm folgen der Polish Traded Index (-26,4%) und der Dow Jones Transportation-Index (-17,9%).

Wie stellt sich nun die allgemeine Situation an den Börsen zu Beginn des neuen Jahres dar? Ein Blick auf den Aktienklima-Indikator, der die Schwungkraft an den internationalen Börsen widerspiegelt, zeigt uns die "vorgezogene Jahresendrally" von Ende September bis Anfang Dezember (Bild 1).

Aktienklima-Indikator über 2½ Jahre
Aktienklima-Indikator über 2½ Jahre(Foto: Ralf Goerke)

 

In diesem Zeitraum stieg der Indikator von 0,9 auf knapp über 1,0 Punkte. Die Schwäche in der ersten Dezemberhälfte ließ dann diese Börsenampel wieder auf 0,95 Punkte zurückfallen. Aktuell befindet sich der Indikator auf der Höhe seines gleitenden Durchschnitts (blaue Linie) knapp unterhalb seines Schwellenwertes (1,0). Dies war auch Ende 2014 in ähnlicher Weise der Fall. Damals schaffte es das Barometer in der zweiten Januarhälfte, die Mittellinie nach oben zu überwinden. Der gleitende Durchschnitt folgte dann zwei Wochen später Anfang Februar. Dies war nach der Interpretation dieses Modells der Beginn einer allgemeinen Haussephase an den Börsen (s. blauer Aufwärtspfeil). In der Folge kam es zur gewinnträchtigsten Phase des vergangenen Jahres, innerhalb der der Dax bis Mitte April um 16 Prozent anstieg!

Vorsichtige Anleger warten nach diesem Modell noch mit Neuinvestments, bis die Voraussetzungen für eine nächste Haussephase (Bruch der Mittellinie bei 1,0) gegeben sind. Wann dies nach den jüngsten Belastungen der Fall sein wird, muss einfach abgewartet werden.

Wie das aktuelle Kräfteverhältnis zwischen Bullen und Bären in den einzelnen deutschen Indizes zum Jahresende aussah, zeigt uns die folgende Grafik (Bild 2).

Kräfteverhältnisse zwischen Bullen und Bären zum Jahresende 2015.
Kräfteverhältnisse zwischen Bullen und Bären zum Jahresende 2015.(Foto: Ralf Goerke)

 

Diese Abbildung vermittelt Ihnen auf einen Blick in Form eines Kugeldiagramms die Kräfteverhältnisse auf kurz- bis mittelfristige Sicht in den vier wichtigsten deutschen Aktienindizes. Blauanteile stehen für Aktien mit technisch bullisher Tendenz, während rote Anteile die Anzahl schwach tendierender Aktien widerspiegelt. In allen Indizes ist ein mehr oder weniger deutlicher Überhang der bullishen Kräfte zum Jahresende erkennbar. Im Durchschnitt liegt die Verteilung der Bullen und Bären in den Indizes bei etwa Zweidrittel zu einem Drittel. Dies gilt im Übrigen ebenso für einige (hier nicht abgebildete) europäische Indizes (DJ Euro Stoxx 50, SMI, ATX), wie auch für die US-amerikanischen Indizes (Dow Jones, S&P 100 und Nasdaq 100).

Trendbarometer Internationale Indizes.
Trendbarometer Internationale Indizes.(Foto: Ralf Goerke)

 

Das von mir entwickelte Trendbarometer zeigt Ihnen die durchschnittliche Tendenz fünfzig internationaler Indizes auf unterschiedlichen Zeitebenen (kurz-, mittel- und langfristig). Dabei entspricht die Skalierung von 1 bis 6 unserem Schulnotensystem (Bild 3). Wie Sie schon durch die Abbildung 2 erkennen konnten, verfügten wir auf kurz- bis mittelfristige Sicht über eine gute Tendenz an den Börsen. Dies wird durch das Trendbarometer bestätigt. Der kurzfristige Trend an den Märkten (rote Nadel) war demnach zum Jahresende mit der Note "gut" zu bewerten.

Auch auf mittelfristiger Sicht (orangefarbene Nadel) wiesen die Börsen noch eine durchaus "befriedigende" Tendenz auf. Nur die blaue Langfrist-Nadel liegt noch im rechten (bearishen) Bereich des Barometers. Insgesamt hatte sich aber das Gesamtbild gegenüber dem von Ende November verbessert. Während zur letzten Analyse drei der vier Nadeln im rechten Bereich des Barometers gewesen waren, lagen diese jetzt zum Jahresende im linken (bullishen) Bereich des Barometers. Die Gesamttendenz kann als "befriedigend" (3,1) bezeichnet werden. Dieses Modell wird wöchentlich auf meiner Website aktualisiert.

Verhältnis bullisher u. bearisher Indikatoren bei internationalen Indizes.
Verhältnis bullisher u. bearisher Indikatoren bei internationalen Indizes.(Foto: Ralf Goerke)

 

Ein eher durchwachsenes Bild der technischen Situation an den Börsen mithilfe verschiedener technischer Indikatoren unterschiedlicher Fristigkeiten liefert uns die nächste Grafik (Bild 4). Zwar lässt sich gegenüber der letzten Bewertung Mitte Dezember auch hier eine deutliche Verbesserung feststellen (s. Zahlen am Boden der Säulen), jedoch sind es nur drei der insgesamt sieben Säulen, in denen die bullishen Kräfte (blau) stärker sind als die bearishen Kräfte (rot). Eine zum Optimismus Anlass gebende Verteilung der Kräfte an den Börsen sieht anders aus. Mehr kann aus diesem Modell an Informationen derzeit nicht herausgeholt werden, als das man auch hier zu einer nur "ausreichenden" Bewertung des internationalen Aktienklimas kommt.

Änderung steigender und fallender Kurse im 2. Halbjahr 2015.
Änderung steigender und fallender Kurse im 2. Halbjahr 2015.(Foto: Ralf Goerke)

 

Zum Jahresende 2015 hielt sich die Anzahl der Aktien mit steigenden Kursen (blau) mit denen fallender Kurse (rot) in etwa die Waage (Bild 5). Eine besondere Präferenz kann weder für die Seite der Bullen, noch für die der Bären festgestellt werden. Man könnte fast schon von einer "Pattsituation" an den Börsen sprechen. Es ist, als ob bis dato eine Art "Initialzündung" fehlte, um das Pendel in die eine bzw. andere Richtung ausschlagen zu lassen. Es könnte sein, dass dieser bisher fehlende Impuls nun aus Fernost gekommen ist.

Fazit: Die vorliegende Analyse nimmt eine Bewertung der allgemeinen Börsentendenz auf Basis der Daten zum Jahresende 2015 vor. Bis auf die positive Tendenz in kurzfristiger Hinsicht, geben die Modelle keinen Anlass, in besonderem Maße optimistisch zu sein. Der Anleger sollte warten, bis vom Aktienklima-Indikator ein eindeutiges Signal für den Beginn einer Haussephase gegeben wird. Mithilfe dieser Modelle konnte 2015 durch den Kauf und Verkauf von Dax Long- und Dax Short-ETFs eine Performance von +24,7 Prozent erzielt werden.

Mehr Informationen zur Strategie von Ralf Goerke und einem ausführlichen Video zu den hier gezeigten Grafiken sowie seinem wöchentlich aktualisierten Trendbarometer finden Sie auf seiner Website unter: www.momentumstrategie.de.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: n-tv.de

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