Analysen
Chinas Börsen sind miserabel ins Jahr gestartet.
Chinas Börsen sind miserabel ins Jahr gestartet.(Foto: Shan he - Imaginechina)

Hohe Infektionsgefahr: China könnte Weltwirtschaftskrise auslösen

Von Egmond Haidt

Viele Analysten behaupten, der weltweite Finanzmarkt würde die Abwertung des Renminbi und den Crash an der chinesischen Börse überbewerten. Bei einem Blick auf die Fakten wird aber schnell klar: Die dortige Krise wird völlig unterschätzt.

Der Crash am weltweiten Aktienmarkt zu Beginn des Jahres ist vor allem auf die Entwicklung in China zurückzuführen. Kein Grund zur Unruhe, meinen viele Analysten. Doch die Sorgen vieler Investoren sind berechtigt. Diese fünf Gründe zeigen, warum das so ist.

Der chinesische Wirtschaftsmotor stottert

Die chinesische Wirtschaft dürfte deutlich schwächer sein, als sie auf den ersten Blick aussieht. In den ersten elf Monaten 2015 waren die Importe Chinas um 14,4 Prozent gesunken. Im gleichen Zeitraum lag der Stromverbrauch um lediglich 0,7 Prozent über dem Vorjahresniveau. Derartige Zahlen passen überhaupt nicht zu den offiziellen Daten, die ein Wirtschaftswachstum von knapp sieben Prozent ausweisen.

Chinas Unternehmen sind hoch verschuldet

Der Notenbank dürfte es selbst mit weiteren aggressiven Maßnahmen kaum gelingen, die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Denn der Konjunkturaufschwung der vergangenen Jahre basierte vor allem darauf, dass die Unternehmen massiv Schulden gemacht und ihre Kapazitäten stark ausgeweitet haben, weshalb es hohe Überkapazitäten gibt. Selbst wenn die chinesische Notenbank die Zinsen aggressiv senkt, dürften die Firmen kaum neue Investitionen tätigen.

Enorme Risiken schlummern im Bankensektor

Die Schulden der Firmen außerhalb des Finanzsektors haben sich seit Ende 2007 vervierfacht auf 107,1 Billionen Renminbi (16,2 Billionen Dollar). Das sind horrende 160 Prozent der Wirtschaftsleistung. Zum Vergleich: Die Schulden der US-Unternehmen liegen bei "nur" 80 Prozent der Wirtschaftsleistung. Die Schulden der chinesischen Firmen außerhalb des Finanzsektors und der privaten Haushalte summieren sich auf 20,1 Billionen Dollar. Laut den offiziellen Angaben beläuft sich der Anteil der faulen Kredite bei den Banken dennoch auf lediglich 1,8 Prozent des gesamten Kreditvolumens. In Krisenzeiten schießt der Anteil üblicherweise aber bis auf 10 Prozent hoch – ein enormes Risiko für die Banken und damit für die gesamte Wirtschaft.

Kräftige Abwertung des Renminbi steht bevor

Peking steuert gegen die schwache Konjunktur und hat erklärt, dass der Renminbi nicht nur gegenüber dem Dollar, sondern auch gegenüber etlichen anderen Währungen deutlich abgewertet werden soll. Damit trüben sich die Perspektiven der ausländischen Unternehmen, die in China engagiert sind, weiter ein.

Börsen-Crash hat mächtige Folgen

Anleger, deren Depot mit chinesischen Aktien auf dem Höhepunkt der Blase Mitte 2015 umgerechnet 50.000 Euro schwer war, haben nun auf dem Papier nur noch einen Wert von 30.000 Euro. Da dürfte sich der Kauf des nächsten Mercedes oder Audi ein wenig verzögern, selbst wenn die chinesischen Aktien hauptsächlich in den Händen von Privatanlegern sind.

Die Entwicklungen in China haben massive Folgen für die Weltwirtschaft. In den nächsten Monaten könnte es daher am Finanzmarkt ungemütlich bleiben.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen