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Obacht! Erst die Temperatur prüfen.
Obacht! Erst die Temperatur prüfen.(Foto: imago stock&people)
Samstag, 02. April 2016

10.000 Punkte im Blick: Aktienklima: Vorsichtige Kaufsignale

Ein Gastbeitrag von Chartanalyst Ralf Goerke.

Das Aktienklima befindet sich in keiner überragenden Verfassung. Im Dax sollte das nachhaltige Überwinden der 10.000 Punkte abgewartet werden.

Das erste Quartal 2016 ist vorüber. Insgesamt beträgt die durchschnittliche Jahresperformance der 50 wichtigsten Börsenindizes nach den ersten drei Monaten noch minus 1,0 Prozent. Auffallend ist dabei in jüngster Zeit die Stärke der Börsen aus den Schwellenländern.

"Noch keine Entwarnung", lautete die Überschrift an dieser Stelle zu meiner letzten Analyse des allgemeinen Börsenklimas vor fünf Wochen. Damals war das Fazit, dass trendfolgende Anleger mit mittelfristigem Anlagehorizont weiter liquide bleiben sollten. Seither stieg das Kursniveau weltweit im Mittel um 5,5 Prozent.

Daran waren insbesondere Börsen aus dem Bereich der Emerging Markets beteiligt: Der Bovespa Brasilien (+20,5%), der Polish Traded Index (+16,5%) und der Moskauer RTX (+16,9%) waren seit der letzten Analyse die drei besten Indizes weltweit. Für die deutschen Börsenindizes sieht das Fazit wie folgt aus: Dax (+4,75%), TecDax (+1,4%), MDax (+6,2%) und der SDax (+6,7%). In Deutschland sind es also derzeit die Small- und Mid Cap-Indizes, die den deutschen Leitindex und auch gerade den TecDax deutlich abhängen.

Aktienklima-Indikator über 3 Jahre.
Aktienklima-Indikator über 3 Jahre.

 

Der Aktienklima-Indikator, der das Momentum (Schwungkraft) der wichtigsten Börsenindizes weltweit im Durchschnitt darstellt, hat sich seit der Besprechung vor fünf Wochen (s. schwarzer Seitwärtspfeil) deutlich verbessert (Bild 1). In seiner ungeglätteten Form konnte der Indikator vor wenigen Tagen seinen Schwellenwert (1,0) bereits überwinden (A). Dies gilt als ein schwaches Kaufsignal. Da diese Börsenampel auch mitunter Fehlsignale generiert (s. Punkt B Ende November letzten Jahres), wird der gleitende Durchschnitt (blaue Linie) als Signallinie genommen. Ein Durchbruch auch dieser Linie durch den Schwellenwert könnte bei anhaltendem Aufwärtstrend in etwa zwei Wochen erfolgen. Das ergäbe dann ein stärkeres Kaufsignal, da diese Durchbrüche durch die Mittellinie seltener, dafür aber nachhaltiger sind.

Bewertung ausgesuchter Märkte hinsichtlich ihrer technischen Qualität.
Bewertung ausgesuchter Märkte hinsichtlich ihrer technischen Qualität.

Die zweite Grafik zeigt Ihnen eine Komplettübersicht über die aktuelle Trendverfassung 24 ausgesuchter Märkte (Bild 2). Dies geschieht nach unserem deutschen Schulnotensystem. Der Durchschnitt aller hier aufgeführten Sektoren liegt bei 3,4. Das bedeutet, dass derzeit die allgemeine Verfassung an den Börsen weltweit zwischen "befriedigend" und "ausreichend" liegt – also nichts Besonderes. Drei Bereiche stechen dabei durch eine aktuell etwas bessere technische Trendverfassung hervor: MDax (Note 2,9), Dow Jones Index (Note 2,7) und Goldminen (Note 2,4). Schlecht laufen dagegen japanische Aktien (Note 4,5) und seit einiger Zeit auch schon US-Biotechnologie-Werte (Note 4,3). Der Vorteil einer solchen Übersicht: Sie können sich als Anleger selbst ein Bild von der Trendqualität unterschiedlicher Märkte machen, und zwar auf der Grundlage eines Ihnen bekannten Wertesystems.

Trendbarometer Internationale Indizes.
Trendbarometer Internationale Indizes.

Die Grafik mit dem ebenfalls von mir entwickelten Trendbarometer zeigt Ihnen das Dilemma, in dem wir derzeit stecken (Bild 3). Wir haben in den wichtigsten Indizes eine wirklich gute mittelfristige Trendtendenz (orangefarbene Nadel). Betrachtet man sich die Charts allerdings in einem kürzeren Zeitfenster, so sieht es schon weniger gut aus (rote Nadel). Die Schwäche der letzten Monate macht sich aber bei Betrachtung der Charts unter längerfristigen Aspekten immer noch deutlich bemerkbar. Zwar konnte sich der Wert der blauen Langfrist-Nadel seit der letzten Analyse von 5,1 auf aktuell 4,7 verbessern, aber mehr auch nicht! Auch in diesem Modell kommen wir bei der Gesamtbewertung wie auch schon in der Grafik zuvor auf einen Wert zwischen "befriedigend und "ausreichend" (3,6 – grüne Nadel). Für eine nachhaltige Hausse wie wir sie zuletzt im Frühjahr letzten Jahres hatten (Jan.- April 2015), benötigen wir eine kurz- und mittelfristige Nadel im grünen Bereich und eine blaue Langfrist-Nadel, die wenigstens um den Mittelwert (3,5) tendiert.

Verhältnis bullisher u. bearisher Indikatoren bei internationalen Indizes.
Verhältnis bullisher u. bearisher Indikatoren bei internationalen Indizes.

 

Die vierte Grafik kommt zu demselben Ergebnis unter Zuhilfenahme einer differenzierten Vorgehensweise (Bild 4). Hierbei werden für jeden der 50 wichtigsten internationalen Börsenindizes positive und negative Indikatorenstände einander gegenüber gestellt. Dies geschieht von einem sehr kurzfristigen Zeithorizont (links außen) bis zu einem sehr langfristigen Zeithorizont (rechts außen). Auch hier können Sie erkennen, dass in der sehr kurzfristigen Betrachtung die Bären ein Übergewicht zeigen. In den weiteren Balken mit mittelfristigem Charakter überwiegt die bullishe Tendenz, während in der langfristigen Betrachtung (3 Balken rechts außen) wieder eine überwiegend bearishe Tendenz zum Ausdruck kommt. Auch hier ist für eine nachhaltige Haussebewegung ein in etwa gleichmäßig gutes Übergewicht der Bullen in allen Zeitbetrachtungen notwendig.

Die letzte Abbildung zeigt Ihnen das auf wöchentlicher Basis errechnete Verhältnis weltweit steigender (blau) zu den weltweit fallenden Aktien (Bild 5). Gegenüber der Betrachtung von vor fünf Wochen hat die rote (bearishe) Linie stark abgenommen. Dies ist der in den vergangenen Wochen etwas besseren Tendenz an den Börsen im Allgemeinen geschuldet. Für ein Crossover (Überkreuzung) fehlt allerdings noch ein Stück, für das die Kurse noch weiter ansteigen müssten. Das Modell zeigt sehr schön die letzte größere Aufwärtsbewegung an den Börsen in der ersten Jahreshälfte 2015 als die blaue Linie deutlich über der roten Linie lag.

Änderung wöchentlich steigender und fallender Kurse 01/2015 – 03/2016
Änderung wöchentlich steigender und fallender Kurse 01/2015 – 03/2016

 

Fazit: Alle hier vorgestellten Modelle nutzen die Bewegungen der Märkte, um daraus eine Bewertung vorzunehmen. Dabei werden die ständigen Änderungen der Kurse in visuelle Bewertungsmodelle umgewandelt, um über eine quantitative Analyse einen persönlichen Eindruck von der Güte der Märkte zu erhalten. Das Ergebnis repräsentiert dabei also nicht die Meinung des Autors, sondern basiert ausschließlich auf den neutralen Gegebenheiten der Kursveränderungen.

Alles in allem lässt sich derzeit hinsichtlich der Bewertung des internationalen Aktienklimas keine überragende, sondern nur eine befriedigende bis noch ausreichende Verfassung feststellen. Die Richtung in der Entwicklung zeigt derzeit allerdings nach oben, wie durch den Aktienklima-Indikator erkennbar ist. Es besteht also nach den schwierigen Phasen der letzten Monate eine Chance auf Besserung.

Anleger, die sich eher trendfolgend orientieren und über einen mittelfristigen Anlagehorizont verfügen, können vorsichtig und allenfalls vereinzelt Käufe in trendstarken Aktien vornehmen. Im Dax sollte das nachhaltige Überwinden der Marke von 10.000 Indexpunkten abgewartet werden. Hier scheint bei einer runden Kursmarke ein psychologischer Widerstand aufgebaut worden zu sein, den es zu knacken gilt, um wieder mehr Kaufinteresse auf sich zu ziehen.

Mehr Informationen zur Strategie von Ralf Goerke und einem ausführlichen Video zu den hier gezeigten Grafiken sowie seinem wöchentlich aktualisierten Trendbarometer finden Sie auf seiner Website unter: www.momentumstrategie.de

Zwei Vorträge mit dem Thema "Welches Aktienklima haben wir eigentlich gerade?" erfolgen auf der Anlegermesse INVEST in Stuttgart am Samstag, den 16. April von 11:30 Uhr bis 11:50 Uhr und von 15:00 Uhr bis 15:20 Uhr.

Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: n-tv.de

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