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Verantwortlich für die Geldflut: Haruhiko Kuroda, Chef der Bank of Japan (BoJ).
Verantwortlich für die Geldflut: Haruhiko Kuroda, Chef der Bank of Japan (BoJ).(Foto: REUTERS)

Yen-Schwemme bedrängt Exporteure: Japan setzt Deutschland zu

Mit energischen Maßnahmen will die japanische Zentralbank die Deflationsspirale durchbrechen. Doch die Wirkung dieser Lockerungspolitik bleibt nicht auf Japan beschränkt. Experten fürchten erhebliche Folgen für den deutschen Export.

Das Geschäft der Zukunft: Jetzt geht es um Marktanteile in den Schwellenländern.
Das Geschäft der Zukunft: Jetzt geht es um Marktanteile in den Schwellenländern.(Foto: REUTERS)

Dem deutschen Exporterfolg droht neuer Gegenwind: Während die Geschäfte bislang vor allem unter der Schuldenkrise in Europa leiden, löst nun der Aufstieg eines alten Rivalen für neue, zusätzliche Sorgenfalten: Japan kehrt mit aller Macht zurück an den Weltmarkt. Unterstützung bekommen die japanischen Exporteure dabei durch die Zentralbank des Landes.

Die enorme Abwertung der heimischen Währung hilft den exportorientierten Unternehmen. Der Yen ist seit Sommer 2012 um mehr als 30 Prozent zum Euro abgerutscht, was die Preise für Waren "made in Japan" im Ausland deutlich nach unten drückt. Nutznießer sind mächtige Weltkonzerne wie Toyota, Sony und alle übrigen Unternehmen, die ihre Produkte in Japan herstellen lassen, um sie im Ausland zu verkaufen.

Der Abwertungseffekt ist durchaus gewollt. Die Regierung unter Ministerpräsident Shinzo Abe hatte die Währungshüter in Tokio wiederholt zu konjunkturstärkenden Maßnahmen aufgerufen. Die Auswirkungen dieser energischen Unterstützung bleiben allerdings nicht auf die japanische Volkswirtschaft beschränkt.

Die Abwertung des Yen heizt den Wettbewerb der beiden Export-Nationen Japan und Deutschland vor allem in den großen Schwellenländern an, wo die Geschäfte am schnellsten wachsen. "Es geht nicht darum, was mit dem japanischen Umsatz in Deutschland oder den deutschen Verkäufen in Japan passiert", sagt Artemis-Fondsmanager Simon Edelsten. "Es geht darum, wer welchen Marktanteil in den Schwellenländern abbekommt."

Deutschland ist nach China der zweitgrößte Waren-Exporteur der Welt, vor den USA und Japan. 41,5 Prozent trugen die Exporte im vergangenen Jahr zum Bruttoinlandsprodukt bei - 1992 waren es erst knapp 21 Prozent. Die 30 im Aktienindex Dax gelisteten Konzerne erlösten 2012 rund drei Viertel ihres Umsatzes im Ausland, so die Wirtschaftsberater von Ernst & Young. Ein wachsender Teil wird dabei außerhalb des rezessionsgeplagten Europas gemacht: Der Umsatz in Übersee wuchs 2012 um 15 Prozent, in Europa dagegen nur um sechs Prozent.

"Das macht einen riesigen Unterschied"

Besonders gut laufen die Geschäfte in großen Schwellenländern wie China, Brasilien und Russland. Doch genau dort ringen die deutschen Unternehmen mit ihren japanischen Konkurrenten um Marktanteile. Und die haben angesichts der Yen-Abwertung, welche die Notenbank mit einer wahren Geldschwemme ausgelöst hat, bessere Karten als zuvor.

"Diese Wechselkursbewegung macht einen riesigen Unterschied beim Kampf, wie viel vom Kuchen man abbekommt", sagt Fondsmanager Edelsten.

Deutsche und japanische Unternehmen konkurrieren in vielen Feldern um Kunden. Offensichtlich ist die Konkurrenz deutscher Autobauer wie VW, BMW und Daimler gegen die Wettbewerber aus Japan wie Toyota, Mazda oder Suzuki. Heftig um Image und Marktanteile gerungen wird auch zwischen Adidas und Puma auf der einen Seite und Asics und Mizuno auf der anderen.

Die Verkaufsschlager der Industrien auf beiden Seiten sind jedoch nicht Sportartikel, sondern Maschinen, Fahrzeuge und entsprechendes Zubehör: Fast die Hälfte der deutschen Exporte werden mit Maschinen und Transportausrüstungen gemacht, in Japan sind es sogar 58 Prozent.

Marktanteile ausbauen oder Gewinnmarge erhöhen?

Allerdings gibt es auch einige Unterschiede. Deutsche und Japaner konkurrieren vor allem in Nordamerika miteinander. In Europa erlösen die Dax-Konzerne aber ein Drittel ihres Umsatzes, während die japanischen Unternehmen viel stärker in Ostasien engagiert sind und dort besonders mit Unternehmen aus Südkorea im Wettbewerb stehen. Hinzu kommt, dass bei High-Tech-Produkten aus beiden Ländern nicht so sehr der Preis im Fokus steht, sondern vor allem die Qualität. Wechselkursschwankungen sind damit nicht das einzige Kaufargument für oder gegen ein Produkt.

Dennoch: Der Preis spielt natürlich eine wichtige Rolle. "Japanische Unternehmen können entscheiden, ob sie den Vorteil zum Ausbau der Marktanteile oder zur Steigerung der Gewinnmarge nutzen", erklärt Fondsmanager Didier Saint-Georges von Carmignac Gestion. Je nachdem, wie sie sich entscheiden, könnten Firmen aus Europa Probleme bekommen. Sollten sich die japanischen Unternehmen dafür entscheiden, ihre Gewinne zu steigern und einen Teil an ihre Aktionäre auszuschütten, könnte das auch die Binnennachfrage stützen - wovon wiederum auch die Konkurrenz aus Deutschland etwas hätte.

Skeptische Blicke zurück

Die Geschichte lehrt, dass Investoren vorsichtig sein sollten, bei Wechselkursänderungen ihre Strategie anzupassen. Vor etwa zehn Jahren hat Japan schon einmal versucht, seine Liquidität im Bankensystem zu steigern, um die hartnäckige Deflation in den Griff zu bekommen. Das hat nach Berechnungen des Analysten Dan Morris von JPMorgan Investment Management die Geldmenge in Japan zwischen 2001 und 2005 um das 1,7-Fache aufgebläht; die Notenbank könnte das Volumen des Yen mit ihren aktuellen Plänen verdoppeln. "Und was passierte damals? Erst ging es mit dem Yen bergab, dann hat er sich wieder erholt. Und Aktien liefen erst gut, dann schlecht", sagt Morris. Sein Fazit: "Vermögenswerte langfristig umzuschichten auf Grundlage dieser Notenbankpläne ist verfrüht."

Und Investoren haben Zeit für eine Entscheidung. Denn bis sich Wechselkurseffekte in der Handelsbilanz niederschlagen, vergehen erfahrungsgemäß sechs bis neun Monate. Und die japanische Notenbank hat ihre Entscheidung, die gigantische Summe von 1,4 Billionen Dollar in das Bankensystem zu pumpen, erst am 4. April getroffen.

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Quelle: n-tv.de

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