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(Foto: picture alliance / Oliver Berg/d)
Samstag, 12. August 2017

Als "Volksaktie" gestartet: Was macht die Telekom?

Von Egmond Haidt und Daniel Saurenz

Über die vergangenen 20 Jahre hat sich in den Depots der Deutschen viel getan. Wir blicken daher auf zehn beliebte Anlagen aus den Bereichen Aktien, Währungen, Rohstoffe und Edelmetalle. Die Deutsche Telekom macht den Anfang - mit zehn Fakten.

1. Mit Werbung auf allen Kanälen fing alles an: Wer kann sich nicht mehr an den Hype um den Börsengang der Deutschen Telekom im Jahr 1996 erinnern? In einer beispiellosen Werbekampagne war der Begriff der T-Aktie geprägt worden. Sie war damals kaum zu übersehen. Als prominente Werbefigur hatte die Telekom den Schauspieler Manfred Krug verpflichtet. Seine Botschaft: "Das ist der helle Wahnsinn, was die Telekom alles drauf hat." Konzernchef Ron Sommer fügte hinzu: "Die T-Aktie wird so sicher wie eine vererbbare Zusatzrente sein." Ganz so kam es allerdings nicht, wie Anleger in den Folgejahren schmerzhaft erfahren sollten.

2. Am 18. November 1996 hat die "Volksaktie" ihr Börsendebüt gegeben. Der Erstausgabepreis betrug 28,50 Mark (14,57 Euro). Das entsprach einem Emissionserlös von 10 Milliarden Euro. Rund 1,9 Millionen Privatanleger bekamen die Papiere mit einem Abschlag zu 14,32 Euro. Zwei weitere Platzierungen folgten zu sehr hohen Kursen: Der Bund nutzte die Börsenblase Ende der 1990er-Jahre bei Technologie-, Medien- und Telekomwerten und platzierte eine zweite Tranche Telekom-Aktien am 28. Juni 1999 zu 39,50 Euro, was dem Konzern 10,88 Milliarden Euro in die Kasse gespült hat. Am 19. Juni 2000 folgte die dritte Tranche zu einem Preis von 63,50 Euro. Die Einnahmen von 15 Milliarden Euro sind an die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) und damit mittelbar an den Bund geflossen.

3. Krug entschuldigt sich: Nach dem Verfall des Aktienkurses in den Folgejahren übte Krug in einem Interview mit dem Hamburger Magazin "Stern" im Januar 2007 Selbstkritik. "Ich entschuldige mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitmenschen, die eine von mir empfohlene Aktie gekauft haben und enttäuscht worden sind", sagte er. Die Werbespots für die T-Aktie bezeichnete er als seinen größten beruflichen Fehler.

4. Eine Tochter der Deutschen Post: Die Telekom war am 1. Januar 1995 aus dem Bereich für Telekommunikation und Fernmeldewesen der Deutschen Bundespost hervorgegangen. Damals war der Bund der alleinige Aktionär.

5. Der beste Weg, wie man  investieren konnte, waren Seitwärtsprodukte. Schließlich war die Aktientendenz in den vergangenen Jahren meist seitwärts bis leicht aufwärts gerichtet. Da die Telekom außerdem zu den dividendenstarken Aktien im DAX gehört, lassen sich damit Aktienanleihen gut finanzieren. So erzielt das Papier mit der WKN HW4AFN eine Maximalrendite von 9,8 Prozent bis zur Fälligkeit im September 2018, wenn der Basispreis von 15,50 Euro zu diesem Zeitpunkt nicht unterschritten wird.

6. Extrem hohe Ausgaben für UMTS-Lizenzen und US-Zukäufe: Am 16. Mai 1995 war Ron Sommer zum Chef der Telekom ernannt worden. Während seiner Amtszeit ersteigerte die Tochter T-Mobile im Juli/ August 2000 UMTS-Lizenzen zu einem sehr hohen Preis von 8,48 Milliarden Euro. Das stieß bei Investoren ebenso auf Kritik, wie der im Mai 2001 abgeschlossene Kauf der US-Mobilfunkfirmen Voicestream und Powertel für 39,4 Milliarden Euro, wodurch die Verschuldung der Telekom drastisch angestiegen war. Sommer musste am 16. Juli 2002 wegen der hohen Kursverluste und der massiven Verschuldung auf Drängen der Bundesregierung seinen Hut nehmen. Derzeit ist die Tochter T-Mobile US der Antriebsmotor für das Umsatz- und Gewinnwachstum der Mutter. Zuletzt lag deren Nettoverschuldung allerdings bei 55,2 Milliarden Euro.

7. Anleger verlieren viel Geld mit T-Online: Wenig Freude hatten Anleger auch mit dem Börsengang der Tochter T-Online, die am 17. April 2000 zu 27 Euro ihr Börsendebüt gegeben hatte. Als die Telekom im Oktober 2004 ihre Absicht verkündete, T-Online von der Börse nehmen zu wollen, boten die Bonner den freien T-Online-Aktionären noch 8,99 Euro je Aktie. Aktionäre, die das Angebot nicht angenommen haben, sind im Juni 2006 automatisch T-Aktionäre geworden. Für 25 T-Online-Aktien erhielten sie 13 Aktien der Telekom. Bei einem Kurs der Telekom-Aktie von 12,65 Euro entsprach das einem Gegenwert von 6,58 Euro je T-Online-Aktie. Der Börsengang von T-Online war nur für einen ein gutes Geschäft: die Telekom.

8. Himmelweiter Unterschied: Ihr Rekordhoch hatte die Telekom am 6. März 2000 bei 104,90 Euro markiert. Im Rahmen des Crashs am weltweiten Aktienmarkt im Allgemeinen und bei Technologie-, Medien- und Telekomfirmen im Besonderen, ging es in den Folgejahren allerdings kräftig abwärts. Das Rekordtief erreichte die Aktie allerdings erst am 5. Juni 2012 bei 7,71 Euro.

9. Weit hinter dem Dax: Die Telekom-Aktie ist vor allem als Dividendenaktie bekannt. Allerdings hat der Konzern nicht in jedem Jahr eine Ausschüttung vorgenommen. Im Jahr 2001 wurde die Dividende drastisch auf 0,37 Euro gekürzt, ehe sie in den beiden Folgejahren komplett gestrichen wurde. Seit 2014 ist die Ausschüttung aber deutlich gestiegen, auf 0,60 Euro für 2016. Für 2017 sagen Analysten 0,65 Euro vorher, was einer Dividendenrendite von 4,2 Prozent entspricht. Der aktuelle Kurs der T-Aktie liegt nicht weit vom Emissionspreis entfernt. Inklusive der Dividendenzahlungen seit dem 1996er-Börsengang hat die Aktie damit eine deutlich schlechtere Gesamtrendite verbucht als der Dax, in dem ebenfalls die Dividendenzahlungen enthalten sind.

10. Hohe Bewertung: Der aktuelle Vorstandschef Timotheus Höttges hat vor allem Grund wegen der guten Geschäftsentwicklung bei T-Mobile US Grund zur Freude. Umso mehr bekommt die Telekom allerdings den kräftigen Anstieg des Euro zu spüren. Zu den Übernahmespekulationen rund um T-Mobile US wollte sich Höttges zuletzt nicht äußern. Bleibt abzuwarten, ob die Seitwärtsphase bei der Telekom-Aktie anhält. Die Jahresperformance liegt derzeit bei fast null Prozent. Damit liegen die Bonner derzeit auf Platz 22 im Dax-Ranking.

Quelle: n-tv.de

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