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Deutsche Privatanleger investieren im Vergleich zu anderen Ländern wenig in Aktien - und lieber in ihr Eigenheim.
Deutsche Privatanleger investieren im Vergleich zu anderen Ländern wenig in Aktien - und lieber in ihr Eigenheim.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Bausparen statt Börsen-Boom: Warum Deutsche immer noch Aktien scheuen

Von Sonja Gurris

Der Dax ist auf Rekordniveau. Dennoch legen hierzulande immer noch wenige Menschen ihr Geld in Aktien an - im Vergleich zu anderen westlichen Nationen. Das Misstrauen der Deutschen ist trotz durchstartender Kurse groß. Wieso eigentlich?

In Deutschland hat es einen Aktionärsschwund gegeben: Anfang des Jahrtausends gab es hierzulande noch mehr als 12,8 Millionen Aktionäre. Im vergangenen Jahr waren es nur noch 8,4 Millionen. Im Vergleich zu den Boomjahren ist da noch viel Luft nach oben. Auch im internationalen Vergleich hinken die Deutschen hinterher: In den USA besitzt laut dem Deutschen Aktieninstitut jeder zweite Bürger Aktien, in Großbritannien und der Schweiz etwa jeder fünfte. Jedoch kann sich nur knapp jeder zehnte Bundesbürger als Aktionär bezeichnen.

In seinem Herzen ist der deutsche Anleger konservativ. Das zeigt eine aktuelle Studie: Aus dem Investmentbarometer 2015 des GfK-Vereins geht hervor, dass nur 17 Prozent der Privatanleger Aktien für eine attraktive Wertanlage halten. Aber: Dieser Wert lag 2011 noch niedriger, nämlich bei 8 Prozent. Immerhin haben die Aktien mittlerweile das früher beliebtere Sparbuch überholt, das mittlerweile nur noch 10 Prozent der befragten Anleger attraktiv finden. Die beliebtesten Geldanlagen sind jedoch das eigene Haus, betriebliche Altersvorsorge und Bausparverträge.

Weltkriege und Währungsturbulenzen

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Aber was sind die Gründe für die deutsche Zurückhaltung am Aktienmarkt? "Die Deutschen sind traditionell Risiko-avers und das liegt auch an zwei Weltkriegen und Währungsturbulenzen", sagt Oliver Roth, Chefhändler von Close Brothers Seydler. Es habe sich daher keine wirkliche Aktienkultur etabliert. "Das hängt auch ein bisschen mit dem Bild zusammen, wie Aktien in der Öffentlichkeit dargestellt werden." Natürlich würden auch geplatzte Aktien-Blasen - wie die am Neuen Markt im Jahr 2000 - damit zusammenhängen: "Damals sind einige Aktionäre hinters Licht geführt worden", so Roth. Außerdem müssten Aktienbesitzer ein bisschen strapazierfähiger sein - jeden Tag das Geld zu zählen, sei da nicht drin.

Nach dem Dotcom-Crash haben viele deutsche Anleger ihre Aktien schließlich verkauft. Christine Bortenlänger vom Deutschen Aktieninstitut sieht diese Entwicklung pessimistisch: "Hätten die Anleger seit 2001 beispielsweise nur jeden vierten Euro, den sie Jahr für Jahr in Bankeinlagen gesteckt haben, in Aktien investiert, wäre das Geldvermögen aller Deutschen heute grob geschätzte 106 Milliarden Euro höher." Pro Haushalt seien das 2600 Euro mehr an Vermögen.

"Es gibt zu Aktien keine Alternativen"

Aktuell sind die Anteilspapiere auf einem hohen Niveau, die Aktionäre müssen derzeit viel Geld pro Einzelaktie hinlegen. Sicherlich spielt dabei auch die Angst eine Rolle, bei einem möglichen Crash viel Geld zu verlieren. Denn natürlich gibt es auch immer ein gewisses Risiko, wenn man in Aktien investiert ist.

Experten halten aber Aktien gerade in der jetzigen Phase der Niedrigzinspolitik für eine sinnvolle Investition: "Aktien sind bei den aktuellen Bewertungen eigentlich die einzige Anlageform, bei welcher der Anleger noch einen vernünftigen Ertrag erzielen kann", glaubt Aktienexperte Achim Stranz. Die einzige brauchbare Alternative sei der Konsum. "Aber so lange man investiert ist und investiert bleiben muss, gibt es zu Aktien keine Alternativen", meint Stranz.

Angesichts der anhaltenden Zurückhaltung der Deutschen vor Aktienkäufen haben scheinbar auch die Banken etwas Sorge, dass ihnen die Privatanleger als Aktionäre ausgehen könnten. Die Deutsche Börse hat daher für den 16. März den Tag der Aktie angekündigt – einige Banken an der Frankfurter Börse erlassen dann Anlegern Transaktionskosten, wenn ihr Order 1000 Euro übersteigt. Es ist ein kleines Promotion-Programm für Wertpapiere. Mal sehen, ob es hilft.

Quelle: n-tv.de

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