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In Frankfurt muss man sich wohl allein bei der Commerzbank Sorgen um den Stresstest des EZB machen.
In Frankfurt muss man sich wohl allein bei der Commerzbank Sorgen um den Stresstest des EZB machen.(Foto: picture alliance / dpa)

Coba ist Stresstest-Wackelkandidat: Überstehen Europas Banken eine Krise?

Wie stabil das europäische Finanzsystem bei einer dramatischen Wirtschaftskrise wäre, wird wohl bald offenbar: Die EZB wird demnächst die Ergebnisse ihres Banken-Stresstests präsentieren. Neun Geldhäuser könnten dabei durchfallen - auch ein deutsches.

Die Stunde der Wahrheit für die Banken des Euroraums rückt näher. Vertreter der Europäischen Zentralbank (EZB) wollen sich in den kommenden Wochen mit Bankmanagern treffen, um in Teilen die Ergebnisse der sogenannten Stresstests zu besprechen, sagten mit den Vorgängen vertraute Personen. Analysten erwarten, dass die meisten Institute gute Nachrichten zu erwarten haben.

"Die größten Aufgaben wurden erledigt, der Prozess läuft nun schon seit einiger Zeit", sagte Bankanalyst Kinner Lakhani von der Citigroup. "Es könnte nur sein, dass einige wenige Banken noch nacharbeiten müssen."

Die EZB nimmt die Bilanzen von 120 Banken der Eurozone unter die Lupe, um versteckte Risiken aufzudecken und zu prüfen, ob sie einen weiteren konjunkturellen Einbruch überstehen würden. Die Tests haben zwei Hauptziele: Erstens, die Bankbilanzen zu entrümpeln, bevor die EZB im November die Aufsicht über die Institute übernimmt. Und zweitens, die Investoren zu überzeugen, dass das europäische Bankensystem sechs Jahre nach dem Ausbruch der globalen Finanzkrise auf einem soliden Fundament steht und Europa bei der Erholung unterstützt.

Neun Banken fallen möglicherweise durch

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Indem sie den Banken einen teilweisen Einblick in die Stresstest-Ergebnisse gewährt, gibt die EZB den Instituten die Gelegenheit, Kapitallücken zu füllen oder Fehlkalkulationen zu korrigieren, bevor die endgültigen Ergebnisse Ende Oktober veröffentlicht werden.

Obwohl die Tests die Zahlen des Jahres 2013 heranziehen, wird auch das bis zum 30. September zugeflossene Kapital mit einbezogen.
Kleinere Banken in Ländern wie Italien, Deutschland, Österreich und Griechenland sind am ehesten gefährdet, beim Test durchzufallen. Aber nur wenige Analysten und Investoren erwarten größere Schocks. Denn im vergangenen Jahr haben viele Institute ihr Kapital erhöht und ihre Bilanzen verkürzt.

Eine Umfrage der US-Investmentbank Goldman Sachs unter 125 institutionellen Investoren kam zu dem Ergebnis, dass voraussichtlich neun Banken durchfallen werden, was Kapitalerhöhungen im Gesamtvolumen von 51 Milliarden Euro nach sich ziehen wird.

Mit einiger Wahrscheinlichkeit wird es laut Umfrage die Commerzbank AG, die italienische Banca Monte dei Paschi di Siena SpA und die Banco Comercial Português SA treffen. Sprecher der Banken aus Italien und Portugal lehnten einen Kommentar ab. Ein Commerzbank-Sprecher verwies auf die Aussage von Finanzchef Stephan Engels aus dem August, wonach sich die Bank gut aufgestellt sieht, den Test zu bestehen.

Auch Großbritanniens Banken unter der Lupe

Nicht nur die Banken der Eurozone haben das Risiko, den Anforderungen des Tests nicht zu entsprechen, der auch große europäische Banken außerhalb der Währungsunion mit einschließt. Eine Stresstest-Simulation von Mediobanca Securities von 34 Instituten kam zu dem Schluss, dass sieben Banken durchfallen könnten. Darunter sind die beiden britischen Banken Royal Bank of Scotland und Lloyds Banking sowie die nordeuropäischen Institute Skandinaviska Enskilda Banken AB und Danske Bank A/S.

Die RBS lehnte einen Kommentar ab. Ein Sprecher der Danske Bank sagte, die Bank sehe sich als gut kapitalisiert. Ein Lloyds-Sprecher sagte, die Mediobanca-Studie enthalte Mängel wie die Anwendung unterschiedlicher Kapitaldefinitionen in unterschiedlichen Ländern. Ein Sprecher der SEB lehnte einen Kommentar ab.

Die europäischen Aufseher haben eng mit den Landesbehörden und Bankmanagern zusammengearbeitet, damit die Institute Vorsorgemaßnahmen treffen. Dieses Jahr haben die Banken der Eurozone bereits Kapitalerhöhungen im Gesamtvolumen von rund 36,9 Milliarden Euro durchgeführt, wie SNL Financial herausgefunden hat. Sie haben sich außerdem von faulen Krediten und nicht mehr benötigten Geschäftsbereichen getrennt. Laut PricewaterhouseCoopers werden die Banken der Europäischen Union dieses Jahr insgesamt Vermögensgegenstände in Höhe von 100 Milliarden Euro aus den Bilanzen entfernen.

Glaubwürdigkeit soll erhöht werden

Die Behörden hoffen, dass die diesjährigen Stresstests glaubwürdiger werden als in der Vergangenheit. Die in den Jahren 2010 und 2011 durchgeführten Tests wurden allgemein als zu lasch angesehen. Banken wie der belgischen Dexia SA wurde eine gute Gesundheit bescheinigt - kurz darauf kollabierte sie. Bei diesen Tests hatten es die Behörden den Banken gestattet, ihre Bilanzzahlen direkt in die Stresstest-Modelle einzugeben. Teil des Problems: Die Zahlen der Banken waren manchmal höchst ungenau.

Dieses Mal arbeitet die EZB mit den nationalen Aufsichtsbehörden zusammen, um ihre eigene Analyse der Bankbilanzen durchzuführen. Die vor dem Abschluss stehende Prüfung der Asset-Qualität - bekannt unter dem Kürzel AQR - soll sicherstellen, dass die für den Stresstest verwendeten Zahlen eine realistischere Bewertung der Kreditinstitute zulassen.

Hpothetische Szenarien werden durchgespielt

Der Stresstest selbst verwendet die Zahlen des Jahres 2013 und unterwirft sie hypothetischen Szenarien wie einem massiven wirtschaftlichen Abschwung. Banken, die mit dieser Situation nicht zurechtkommen würden, müssen ihr Kapital aufstocken oder ihre Bilanz verkleinern.

Um sich vorbereiten zu können, bekämen die Banken die vollständigen Ergebnisse 48 Stunden vor der Veröffentlichung, sagte eine informierte Person.
Die Behörden wollten einen harten Test, aber auch keine Panik im Markt verursachen, indem eine Menge Banken durchfallen, sagte Alvaro Benzo, Partner bei PricewaterhouseCoopers.
Analysten werten die präventiven Maßnahmen der Geldhäuser als Zeichen, dass der Test ernstgenommen wird. Von den von Goldman Sachs befragten Investoren sagten 89 Prozent, dass der Stresstest glaubwürdig sei.

Quelle: n-tv.de

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