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(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Zwei Schritte vor, ein Schritt zurück: US-Konjunktur erwacht zögerlich

Von Jan Gänger

Dank der aggressiven Geldpolitik der Fed geht es der US-Wirtschaft langsam besser, die Erholung verläuft allerdings ziemlich stockend. Angesichts der Rückschläge wird Notenbankchef Ben Bernanke unbeirrt an seinem Kurs fest – auf unbestimmte Zeit.

Während die Schuldenkrise Europa lähmt und Chinas Wirtschaft an Fahrt verliert, liegen die Konjunkturhoffnungen verstärkt auf den USA. Immerhin: Die weltgrößte Volkswirtschaft scheint auf dem Weg der Besserung. Das ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Regierung wegen des ungelösten Haushaltsstreits in diesem Jahr Ausgabenkürzungen in Höhe von 85 Milliarden Dollar umsetzen muss. Das bremst das Wachstum – bringt es aber nicht zum Erliegen.

Wie ist es um die US-Wirtschaft bestellt? Am Freitagnachmittag sind Analysten, Volkswirte und Investoren schlauer. Mit dem Bruttoinlandsprodukt des ersten Quartals und dem von der Universität Michigan ermittelten Verbrauchervertrauen für April stehen zwei wesentliche Veröffentlichungen an, die darüber Aufschluss geben.

Jüngste Daten sorgen für ein gemischtes Bild. Es sieht so aus, dass die US-Wirtschaft derzeit wächst – allerdings in einem sehr langsamen Tempo. Postbank-Experte Heinrich Bayer spricht von einem "leichten Schwächeanfall", den die Wirtschaft im März erlitten habe. Während es am Arbeitsmarkt zuletzt einen Dämpfer gab, zogen die Konsumausgaben an. Das macht Hoffnung, da der Konsum für etwa 70 Prozent der amerikanischen Wirtschaftsleistung steht.

Die US-Wirtschaft hatte zum Jahresende 2012 um 0,4 Prozent zugelegt – und damit so gering wie seit Anfang 2011 nicht mehr. Im dritten Quartal war die Wirtschaft noch um 3,1 Prozent gewachsen. Grund für die Flaute am Jahresende waren vor unter anderem geringere Rüstungsausgaben. Denn die unter Sparzwang stehende Regierung strich diese um etwa ein Fünftel zusammen. Zudem fielen wegen der Krise in Europa die Exporte um 2,8 Prozent. Dagegen stiegen die Konsumausgaben, und die Unternehmen investierten wieder mehr.

Fed kurbelt die Konjunktur an

Trotz der Rückschläge gibt es also Hinweise, dass die Konjunktur im ersten Quartal Fahrt aufgenommen hat. Die OECD geht davon aus, dass das Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal um 3,5 Prozent gewachsen ist. "Die lockere Geldpolitik scheint auf die Realwirtschaft durchzuschlagen, während der private Konsum an Schwung gewinnt", stellt die OECD fest. Die US-Notenbank Fed will ihren Leitzins nahe null Prozent halten und weiter Anleihen kaufen, solange die Arbeitslosenquote über 6,5 Prozent verharrt. Derzeit liegt sie bei 7,7 Prozent.

Die US-Zentralbank erwartet im laufenden Jahr schwächeres Wirtschaftswachstum als bisher bei gleichzeitig stärker sinkender Arbeitslosigkeit. Nach ihren jüngsten Projektionen wird die Wirtschaft zwischen 2,3 und 2,8 Prozent zulegen. Im kommenden Jahr soll die Konjunktur dann mehr Fahrt aufnehmen und zwischen 2,9 und 3,4 Prozent wachsen.

Das ist weniger als bislang angenommen. Doch trotz der etwas gebremsten Konjunktur könnte sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt deutlich verbessern. In diesem Jahr wird sich die Arbeitslosenquote der Fed zufolge zwischen 7,3 und 7,5 Prozent einpegeln. Bis Ende kommenden Jahres könnte sie auf 6,7 Prozent sinken.

Mühsame Erholung

Die Erholung verläuft allerdings stockend. Tobias Basse von der NordLB sagt mit Blick auf schwache Einzelhandelsumsätze und Verbrauchervertrauen, dass sich "eine Art Präludium für ein recht schwaches zweites Quartal" abzeichne. Vorläufigen Daten zufolge fiel das Verbrauchervertrauen im April von 78,6 auf 72,3 Punkte und damit so tief wie seit neun Monaten nicht mehr.

Auch andere Indikatoren deuten auf eine mühsame Erholung: Im März nahm die Zahl der Verkäufe bestehender Häuser unerwartet ab. Zugleich stiegen die Hauspreise aber kräftig, was auf eine Entspannung in dem für die US-Wirtschaft so wichtigen Bausektor spricht. Der Einkaufsmanagerindex für die Industrieregion Chicago fiel überraschend, die Aufträge der Unternehmen wuchsen langsamer.

Vor diesem Hintergrund hat die Fed erst kürzlich entschieden, die Aufkäufe von Immobilien- und Staatsanleihen im Volumen von 85 Mrd. Dollar im Monat fortzusetzen. Die OECD hält das für nachvollziehbar, mahnt aber zur Vorsicht: "Der Punkt, ab dem die Kosten einer weiteren quantitativen Lockerung ihren Nutzen übersteigen, ist wahrscheinlich in Sicht. Aber das Tempo, mit dem die Wertpapierkäufe zurückgefahren werden können, muss sorgfältig geprüft werden."

Doch nach einem Zurückfahren der lockeren Geldpolitik sieht es derzeit nicht aus. Fed-Chef Ben Bernanke betont immer wieder: Daran wird sich erst etwas ändern, wenn sich der  Arbeitsmarkt nachhaltig erholt hat.

Quelle: n-tv.de

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