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Der sinkende Ölpreis kann für US-Banken zum Problem werden.
Der sinkende Ölpreis kann für US-Banken zum Problem werden.(Foto: REUTERS)

Schlammige Aussichten: US-Banken droht Öldesaster

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Nach der jahrelangen Hausse sind die Aktien etlicher US-Banken tief gefallen. Die laufende Berichtssaison hat die Sorgen der Investoren zusätzlich geschürt. Bleiben die Papiere unter Druck?

Schwieriges Umfeld für die US-Banken: Im vierten Quartal bekamen die Institute die kräftigen Turbulenzen am Finanzmarkt zu spüren, weshalb das Geschäft beim Anleihen- und Aktienhandel unter Druck war. Gleichzeitig brach das Geschäft mit der Emission von Anleihen ein, nachdem die Zinsen für US-Ramschanleihen nach oben geschossen waren. Bei den Telefonkonferenzen der Managementteams mit den Analysten stand aber ein Thema ganz oben auf der Agenda: Wie sehr bekommen die Banken die dramatische Krise im Ölsektor zu spüren?

Dabei sorgte der Branchenprimus JPMorgan für Aufsehen. Der Konzern hat seine Rückstellungen für faule Kredite um 89 Millionen auf 13,5 Milliarden Dollar erhöht. Der Betrag ist zwar klein, allerdings ist das der erste Anstieg der Rückstellungen seit dem ersten Quartal 2010 und zeigt damit eine mögliche Trendwende an, nachdem jahrelang Rückstellungen aufgelöst worden waren und die Gewinne dadurch angeschoben wurden.

Von der Summe für das vierte Quartal entfielen 60 Millionen Dollar auf den Öl- und Gassektor. Vorstandschef Jamie Dimon betonte, etliche Geschäftsbereiche würden sich starken Kreditwachstums und einer guten Kreditqualität erfreuen, "mit Ausnahme von etwas Stress im Energie-Bereich."

Pleitewelle im Ölsektor steht bevor

Die Rückstellungen seien vor allem für Kredite von kleineren Unternehmen erhöht worden. Das Problem ist aber, dass die kleineren Unternehmen rund die Hälfte der Schulden aller Firmen aus dem Fracking-Sektor gemacht haben. Etliche Experten befürchten, dass bis zu einem Drittel aller Öl- und Gasfirmen Pleite gehen könnten, wenn sich der Ölpreis nicht bald deutlich erholen sollte. Das würde die finanzierenden US-Banken erheblich belasten.

Die Citigroup hat ebenfalls im vierten Quartal Rückstellungen von rund 300 Millionen Dollar für Risiken im Öl- und Gassektor gebildet. Finanzchef John Gerspach sagte, dass sich das Engagement in dem Sektor auf 20,5 Milliarden Dollar belaufe. Auf welchen Wert die Rückstellungen insgesamt angewachsen sind, wollte Gerspach aber nicht bekannt geben. Das hat Analysten und Investoren gleichermaßen verunsichert, zumal laut der Citigroup die Rückstellungen im ersten Halbjahr um weitere 600 Millionen Dollar steigen würden, falls der Ölpreis bei 30 Dollar je Barrel verharren sollte.

Mit Spannung warten daher viele Investoren auf die Zahlen von Goldman Sachs, die der Konzern am 20. Januar vorlegen wird. Da die Investmentbank aber nicht im Kreditgeschäft aktiv ist, dürften keine Rückstellungen für faule Kredite an Ölfirmen anfallen. Dennoch leidet auch Goldman unter der Krise in dem Sektor, weil die angeschlagenen Ölfirmen zum Beispiel weniger Anleihen emittieren oder die Anzahl der Fusionen und Übernahmen rückläufig ist. Entsprechend ist die Goldman Sachs-Aktie ebenso wie die etlicher anderer US-Banken auf Talfahrt.

Die Perspektiven für die US-Banken trüben sich durch das Engagement am Ölmarkt zusehends ein. Ein weiterer Verfall des Ölpreises würde nicht nur die Ölfirmen, sondern auch die US-Banken hart treffen.

Quelle: n-tv.de

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