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Krise bei Krediten: US-Automarkt sieht unerfreulich aus

Von Egmond Haidt und Nicolas Saurenz

Der US-Autosektor schwächelt. Eine Krise am amerikanischen Automarkt wäre auch eine schlechte Nachricht für deutsche Fahrzeughersteller.

US-Präsident Donald Trump hat eine Vision: Er will, dass die Amerikaner mehr von den Gütern, die sie konsumieren, selbst herstellen und damit das riesige US-Außenhandelsdefizit verringern. Dabei setzt Trump vor allem auf die Autoindustrie. Seine Hoffnung, dass die Branche schon bald verstärkt Jobs in die USA zurückverlagern könnte, dürfte sich aber in Luft auflösen.

Vielmehr könnte die Branche auf eine neue Krise zusteuern, wie die jüngsten Absatzzahlen zeigen. So war der US-Autoabsatz im März auf eine Jahresrate von 16,62 Millionen Fahrzeugen eingebrochen, während Volkswirte mit 17,5 Millionen Fahrzeugen einen Wert knapp unter dem Februar-Niveau vorhergesagt hatten. Der Absatz war kräftig zurückgegangen, obwohl in- und ausländischen Autohersteller mit massiven Preisnachlässen versuchen, gegen das zunehmend schwierige Umfeld anzusteuern. So lagen die Rabatte bei durchschnittlich 3768 Dollar pro Fahrzeug - das sind 10,4 Prozent des Listenpreises. Größer waren die Preisnachlässe nur im März 2009 auf dem Höhepunkt der damaligen Schuldenkrise, als die Rabatte 11,3 Prozent ausgemacht hatten.

Die Industrie hat mit einer Menge Gegenwind zu kämpfen. So beruhte der Boom der vergangenen Jahre vor allem auf den massiv gestiegenen Autokrediten. Das Volumen war zuletzt auf den Rekord von 1,11 Milliarden Dollar geklettert – das ist ein Anstieg um mehr als 400 Milliarden Dollar seit dem Frühjahr 2010. Möglich gemacht wurde das, weil die Banken die Kreditanforderungen für die Autokäufer immer weiter heruntergeschraubt haben, wodurch verstärkt Kunden mit schlechter Bonität, sogenannte "Subprime"-Kunden, Autokredite aufgenommen haben. Zwischen dem zweiten Quartal 2011 und dem zweiten Quartal 2016 hatten die Institute 21 Quartale in Folge die Kreditanforderungen gesenkt. Gleichzeitig wurden immer mehr Kredite als Anleihen verbrieft, wodurch sich deren Volumen seit 2010 auf knapp 200 Milliarden Dollar verdoppelt hat. Wegen der zwischenzeitlich gestiegenen Zinsen kommt es nun aber verstärkt zu Kreditausfällen, gerade im "Subprime"-Bereich, woraufhin die Banken seit drei Quartalen die Kreditanforderungen verschärfen, was für zusätzlichen Druck in dem Bereich sorgt.

Gebrauchtwagenpreise auf Talfahrt

Verschärft wird die Lage der Autoindustrie durch die kräftig sinkenden Preise für Gebrauchtwagen. So hatte der Branchenverband National Association of Auto Dealers (NADA) gemeldet, dass der saisonal bereinigte Preis für Gebrauchtfahrzeuge im Februar um 3,8 Prozent gegenüber Januar gesunken ist, was für Entsetzen bei Investoren gesorgt hat. Das war der stärkste Rückgang seit November 2008, als es auf dem Höhepunkt der damaligen Schuldenkrise zu einem Einbruch um 5,6 Prozent gekommen war. Die Gebrauchtwagenpreise liegen damit derzeit um 13 Prozent unter dem Höhepunkt aus dem Jahr 2014. Für den Preisverfall sorgt die Schwemme an Leasing-Fahrzeugen, die inzwischen rund ein Drittel des Absatzes ausmachen. Die Besitzer der Fahrzeuge geben sie üblicherweise nach drei Jahren an die Hersteller zurück, weshalb in diesem Jahr 3,36 Millionen Leasing-Fahrzeuge zurück auf den Markt kommen sollen. Die Analysten von Morgan Stanley prognostizieren, dass der Wert in den nächsten zwei Jahren um 25 Prozent nach oben schießen und damit für anhaltenden Preisdruck sorgen wird. Der zweitgrößte US-Autobauer Ford hat gewarnt, dass die Preise für Gebrauchtwagen noch auf Jahre hinaus sinken dürften. Die Talfahrt der Aktie auf das tiefste Niveau seit Dezember 2012 spricht Bände. Die Analysten von Morgan Stanley gehen davon aus, dass die Preise in den nächsten vier bis fünf Jahren um 20 Prozent sinken werden, um schlimmsten Fall sogar um 50 Prozent.

Der anhaltende Rückgang der Preise für Gebrauchtfahrzeuge ist eine enorme Belastung für die Autohersteller, werden doch Neufahrzeuge im Vergleich zu den gebrauchten weniger attraktiv, was auf den Absatz der Neufahrzeuge drückt. Daher besteht die Chance, dass der US-Automarkt entgegen den bisherigen Prognosen vieler Analysten im Jahr 2017 nicht etwa stabil bleiben, sondern deutlich schrumpfen könnte. Für zusätzlichen Druck sorgen die hohen Lagervorräte in der Branche. Sie liegen mit vier Millionen Fahrzeugen in der Nähe des höchsten Wertes seit 2004. Inzwischen stehen die Fahrzeuge im Schnitt 74 Tage auf dem Hof der Händler, ehe die Autos einen Käufer finden. Das ist der höchste Wert seit 2009. "Trotz der euphorischen Stimmung bei den US-Konsumenten sind diese in ihrer Kaufentscheidung doch eher zurückhaltend, was sich angesichts der zunehmenden Unsicherheit über die Umsetzung von Trumps Steuererleichterungen nicht verbessern sollte. Dies wiederum belastet den US-Konjunkturausblick, ist der Konsument doch entscheidender Treiber der Binnennachfrage", sagt Klaus Bauknecht, Chef-Volkswirt der IKB Deutsche Industriebank. Daher sorgen schlechte Daten aus dem Autobereich für Verunsicherung am gesamten Aktienmarkt.

Probleme für deutsche Autohersteller

Eine heraufziehende Krise in der US-Autoindustrie sind auch schlechte Nachrichten für die deutschen Autohersteller. Wenn die US-Autohersteller ihre Preisnachlässe auf dem Heimatmarkt erhöhen, wächst der Druck auf die deutschen Premiumhersteller wie Daimler oder BMW, bei der Rabattschlacht zumindest teilweise mitzumachen. So setzte die Daimler-Tochter Mercedes Benz-Pkw im vergangenen Jahr 15,8 Prozent der Fahrzeuge in den USA ab, womit die USA der zweitwichtigste Markt war, im Vergleich zu 22,2 Prozent für China. Die US-Autohersteller könnten zudem versuchen, den möglichen Absatzrückgang auf dem Heimatmarkt durch verstärke Verkäufe im Ausland zumindest teilweise wettzumachen und dabei dort die Preisnachlässe erhöhen. Das könnte wiederum Massenhersteller, wie Volkswagen, deutlich belasten. Die Krise im Autosektor könnte sich also noch verschärfen - das nicht nur Trump, sondern auch vielen Aktionären diesseits und jenseits des Atlantiks erhebliche Kopfschmerzen bereiten.

Quelle: n-tv.de

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