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Unruhige Zeiten für die hellenische Börse
Unruhige Zeiten für die hellenische Börse(Foto: AP)

EZB lässt Bankaktien einbrechen: Panik an Athener Börse

Die Entscheidung der EZB, künftig keine griechischen Staatspapiere als Sicherheiten zu akzeptieren, löst Hektik in Athen aus. Bankenaktien stürzen um bis zu 27 Prozent ab. Die neue Regierung reagiert trotzig: "Wir lassen uns nicht erpressen."

Schwarzer Tag an der Athener Börse: Der Aktienindex bricht um rund 11 Prozent ein, die Kurse der einzelnen Bankenaktien, beispielsweise der Piraeus Bank, stürzen um bis zu 27 Prozent ab. Bei den Renditen griechischer Anleihen geht es massiv nach oben beziehungsweise den Anleihekursen nach unten. Die Rendite 10-jähriger Bonds steigt um 92 Basispunkte auf 10,68 Prozent. Bei den zweijährigen Anleihen geht es sogar um 223 Basispunkte nach oben auf 18,27 Prozent.

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Die überraschend schnelle und scharfe Ankündigung der EZB, ab dem 11. Februar keine griechischen Staatsanleihen als Sicherheiten zu akzeptieren, sorgt für panikartige Züge. Die Analysten von IG warnen davor, dass die EZB-Ankündigung einen neuen Run auf die griechischen Banken auslösen könnte. Auch die Analysten der Societe Generale blicken nun genau auf das Ausmaß der Kapitalabzüge von griechischen Konten. Sollte es hier zu Panikreaktionen der Bevölkerung kommen, halten sie die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen oder sogar temporäre Bankenschließungen für möglich.

"Warnschuss an die neue Regierung"

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Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank, künftig keine griechischen Staatspapiere mehr als Sicherheiten für Repo-Geschäfte zu akzeptieren, sei "ein erster Warnschuss" an die griechische Regierung, urteilt die KBC Bank. Damit sei klar, dass sich Griechenland an die europäischen Regeln halten und sich möglichst rasch mit Europa einigen müsse. Die Analysten der Bank rechnen mit einem Abfluss von Kundengeldern in Griechenland, was die Gefahr einer Bankenpleite und damit eines griechischen Austritts aus der Eurozone erhöhe. Die Sorge vor einem Grexit werde die Unsicherheit und Volatilität an den internationalen Märkten hoch halten.

EZB-Chefvolkswirt Peter Praet machte Griechenland keine Hoffnungen, dass die Notenbank ihre Sicherheitsanforderungen für die Hereinnahme griechischer Staatsanleihen aufheben könnte. "Die Bedingungen für den Zugang zu Liquidität der Europäischen Zentralbank sind klar", sagte Praet der französischen Zeitung "Les Echos". "Wenn die Bedingungen nicht mehr erfüllt werden, muss die EZB daraus Konsequenzen ziehen".

Neue Regierung empört

Athen reagierte mit Empörung auf den Vorstoß der EZB. Regierungssprecher Gavriil Sakellaridis sagte im griechischen Fernsehen: "Wir lassen uns nicht erpressen. Wir haben ein Mandat vom griechischen Volk erhalten." Er fügte hinzu, es gebe "keinen Grund zur Beunruhigung". In einer Erklärung des Finanzministeriums wurde zugleich betont, Athen werde seine Politik fortsetzen, das harte Sparprogramm zu beenden. Mit der Maßnahme übe die EZB lediglich Druck aus, damit Athen und seine Partner sich bald einigen, wie es mit der griechischen Schuldenproblematik weitergehen soll, hieß es. Das Bankensystem Griechenlands sei durchfinanziert und durch die Möglichkeit von Notfallkrediten (ELA) gesichert.

Durch die EZB-Maßnahme erhält das heutige Treffen des griechischen Finanzministers Yanis Varoufakis mit seinem Kollegen Wolfgang Schäuble (CDU) in Berlin besondere Brisanz. In der Nacht hatte der griechische Regierungschef Alexis Tsipras Medienberichten zufolge mit EZB-Chef Mario Draghi telefonisch gesprochen. Tsipras habe Draghi gesagt, Griechenland werde weiterhin nach einer Lösung des Problemes mit den EU-Institutionen suchen. Das griechische Volk habe aber ihm bei den jüngsten Wahlen einen klaren Auftrag gegeben. Sein Finanzchef Varoufakis war am Mittwoch bei seinem Werben für die neue Schulden- und Sparpolitik Athens auf Widerstand gestoßen. Nach einem Gespräch mit EZB-Chef Draghi verlautete aus Notenbankkreisen, die EZB lehne die bisherigen Vorschläge Athens im Kampf gegen dessen Schuldenlast ab.

Quelle: n-tv.de

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