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Twitter an der Nyse statt an der Tech-Börse Nasdaq: Da zwitschern erste Marktexperten bereits von einer Wachablösung bei Börsengängen.
Twitter an der Nyse statt an der Tech-Börse Nasdaq: Da zwitschern erste Marktexperten bereits von einer Wachablösung bei Börsengängen.(Foto: REUTERS)
Montag, 11. November 2013

Verkehrte Welt bei Tech-Börsengängen: Nyse läuft Nasdaq den Rang ab

Die IPOs von Facebook und Twitter könnten unterschiedlicher nicht sein. Der Börsenplatz ist es auch: Während Facebook an die Nasdaq stolpert, feiert Twitter sein Debüt überaus erfolgreich an der Nyse. Ein Trend, wie Experten sagen.

In New York kämpfen traditionell zwei große Börsen um die Gunst der Unternehmen. Bislang hat die Nyse stets die Industrie und den Handel angezogen, während die Nasdaq die Plattform für aufstrebende Technologie-Firmen war. Das ändert sich gerade. Denn der von zahlreichen Pannen begleitete Börsengang von Facebook an die Nasdaq im Frühjahr 2012 hat für ein Umdenken gesorgt. Twitter zog deswegen die Nyse vor - und das Markt-Debüt ging hier technisch einwandfrei und begleitet von vielen positiven Schlagzeilen über die Bühne.

Nach Daten von Thomson Reuters konnte die Nasdaq seit 1999 die meisten Börsengänge im Technologie-Bereich für sich gewinnen. Apple, Microsoft, Google und Amazon sind alle hier gelistet. Vergangenes Jahr waren die beiden Börsen-Betreiber aber erstmals auf Augenhöhe. 2013 könnte die Nyse nun sogar die Nase vorne haben - dank Twitter. Inklusive des Kurznachrichtendiensts haben dieses Jahr bereits 19 Tech-Firmen die Nyse und erst 14 die Nasdaq ausgewählt. Das dabei bei Investoren eingesammelte Volumen summiert sich auf 4,6 Milliarden Dollar an der Nyse, während es an der Nasdaq nur 1,9 Milliarden sind.

Das Facebook-Fiasko

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Twitter hat mit der Ausgabe von Aktien 2,1 Milliarden Dollar erlöst. Und der Kurs der Anteilsscheine stieg am ersten Handelstag an der Nyse um satte 73 Prozent. "Ich würde nicht sagen, dass sie Twitter gewonnen haben, ich würde sagen, wir haben es verloren", sagt Bruce Aust, der bei der Nasdaq seit einem Jahrzehnt für neue Listings zuständig ist. Ähnlich äußert sich Jay Ritter, ein Experte für Börsengänge an der Universität von Florida: "Ganz eindeutig hat das Facebook-Fiasko der Nasdaq geschadet."

Bei der Emission, die dem weltgrößten Online-Netzwerk 16 Milliarden Dollar in die Kasse spülte, ging extrem viel schief. Der Preis für die Facebook-Aktien wurde vom Unternehmen und den organisierenden Banken im Vorfeld aggressiv in die Höhe getrieben und stürzte dann gleich nach der Aufnahme des Handels ab. Außerdem beklagten Marktteilnehmer, wegen technischer Pannen 500 Millionen Dollar verloren zu haben. Die Nasdaq erstattete knapp 42 Millionen Dollar und wurde zudem von der US-Wertpapieraufsicht zu einer 10-Millionen-Strafe verdonnert. 

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Allerdings hat die Nyse 2008 auch ihre Regeln - etwa zur Marktkapitalisierung - geändert und macht es Tech-Firmen damit leichter, hier ein Listing anzustreben. Seitdem sei jeder Deal hart umkämpft, räumt Nasdaq-Manager Aust ein.

Um nicht abgehängt zu werden, will die Nasdaq einen Markt schaffen, auf dem bereits Anteile nicht-börsennotierter Firmen gehandelt werden können - als Joint Venture mit SharesPost. Diese hat bereits mehr als 200 Unternehmen auf der eigenen Plattform, darunter bekannte Namen wie Foursquare, eHarmony oder Tumblr. Es gehe darum, so früh wie möglich in Kontakt zu kommen, erklärt Aust.

Pläne in der Schublade

Nach dem erfolgreichen Börsengang von Twitter könnten weitere Tech-Unternehmen den Sprung an die Börse wagen. Der Aktienmarkt läuft rund und wegen der anhaltend niedrigen Zinsen suchen Anleger verzweifelt nach lukrativen Investments. Nach Angaben von Wagniskapital-Gebern gibt es derzeit etwa ein Dutzend Firmen, die einen Marktwert von mehr als einer Milliarde Dollar haben. Viele davon hätten bereits mit Banken informelle Gespräche geführt. Nach Twitter könnten manche ihre Pläne beschleunigen, so die Experten.

Als aussichtsreiche Kandidaten zählen Airbnb, ein Online-Marktplatz für Apartments, der Datenspeicherdienst Dropbox und der Limousinen-Vermittler Uber. Auch Twitter-Chairman Jack Dorsey soll bereits den nächsten Börsengang im Auge haben. Das von ihm geführte Bezahl-Startup Square führt einem Medienbericht zufolge bereits Gespräche mit Banken. Gewinne werden hier nicht vor 2015 erwartet. Aber rote Zahlen bremsten auch Twitter nicht aus. Der Kurznachrichtendienst überzeugte vielmehr mit seinen 230 Millionen aktiven Nutzern und den damit verbundenen Möglichkeiten, durch Werbung Geld zu verdienen.

Quelle: n-tv.de

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