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Nach Party sah das in den vergangenen Wochen in Frankfurt nicht gerade aus.
Nach Party sah das in den vergangenen Wochen in Frankfurt nicht gerade aus.(Foto: REUTERS)

Dax scheut vor 10.000: Liegt in der Ruhe die Kraft?

Von Daniel Saurenz

Börsenrallys werden in Zeiten von Angst und Skepsis geboren und sterben in der Euphorie, lautet eine Börsenregel. Doch von Euphorie kann derzeit beim Dax keine Rede sein. Ist das nun gut oder schlecht?

Wenn die starken Hände zugreifen, dann beginnt die Hausse am Aktienmarkt. Und sie endet, wenn schwache Hände die letzten sind, die kaufen. Erinnern wir uns zurück – im Frühjahr 2009 wurde man als Aktienkäufer für verrückt gehalten, die Weltwirtschaft stand am Abgrund, der Dax sah charttechnisch mies aus und fiel auf 3.600 Punkte. Vor fünf Jahren begann also der lange Weg nach oben Richtung 10.000 Punkte.

Ist die Dax-Rally beendet?

10.000 Punkte – ist das der Ausstiegszeitpunkt beim Dax? Würde man nach herkömmlichen Maßstäben urteilen und Bewertungsmaßstäbe wie das Shiller-KGV in den USA zu Rate ziehen, so müsste man bei der runden Marke zumindest zum vorübergehenden Ausstieg raten. Denn die Bewertung ist speziell in den USA nicht mehr günstig, der Optimismus am Markt gemessen an den Volatilitätsbarometern groß.

Eine extrem hohe Volatilität ist ein klassisches Merkmal von Einstiegsphasen, sie drückt Angst und damit Kaufgelegenheiten aus. Doch im Frühjahr 2014 ist die Volatilität auf extrem niedrigem Niveau, es werden kaum Angstprämien verlangt.

Gleichzeitig haben die Notenbanken jedoch seit dem Jahr 2009 eine Sondersituation geschaffen, in der viele Investoren neue Anhaltspunkte suchen. Was ist teuer, was ist günstig? So einfach lässt sich diese Frage nicht mehr beantworten. Natürlich, Hype-Aktien wie Facebook, Twitter oder Tesla waren im Frühjahr deutlich überbewertet und sind noch immer mit einer Menge Hoffnung gesegnet, keinesfalls günstig. Doch die sogenannte Old Economy wie Deutsche Post, BASF, Bayer, BMW oder Siemens notiert vielfach zu KGVs zwischen 14 und 17. Gleichzeitig sind in den USA jedoch die Gewinnmargen auf einen absoluten Top. Dass der Dow Jones ebenso wie S&P 500 und Dax Rekordhochs hinlegen, spricht für eine beginnende Überhitzung.

Der Joker im Aktienmarktspiel

Nach alter Betrachtungsweise wären das Dax-KGV also nicht mehr günstig, die USA zu ambitioniert bewertet und angesichts der Wachstumsraten auch Japan und Frankreich nicht billig. Mario Draghi und Janet Yellen haben das Zinsniveau mit ihrer Politik des exzessiven Gelddruckens – Tapering in den USA ändert daran wenig – auf ein neues Level gedrückt.

Waren früher in Zeiten wirtschaftlicher Stärke in den USA Zinsraten von sieben oder acht Prozent locker denkbar, so dürften in den nächsten Jahren auch im besten Umfeld kaum Niveaus über vier Prozent zu sehen sein. Wenn die Finanzmärkte aber stillschweigend eine grundlegende Veränderung am Anleihenmarkt einpreisen, so dürfte sich die Ansicht durchsetzen, dass man generell für qualitativ gute Aktien mit hoher Dividende höhere KGVs und Bewertungen akzeptiert, als dies früher der Fall war.

Volatilität Ausdruck von Ruhe, nicht von Euphorie

Aus diesem Grund und aufgrund der Beruhigungspolitik der Notenbanken ist auch die Volatilität niedrig, die direkte Ableitung Euphorie ist aber noch nicht zu sehen. Für ein Sterben der Rally bräuchte es daher eine von zwei Varianten: Entweder klettern die Aktienmärkte noch viel höher, es steigen die Investoren vom Seitenrand ein und bezahlen nochmals weit höhere Preise für Aktien oder das Spiel der Notenbanken funktioniert irgendwann nicht mehr und die Märkte verlieren das Vertrauen. Erst dann wäre ein Absturz an den Märkten und ein nachhaltiges Ende der Hausse die Folge.

Quelle: n-tv.de

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