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Anshu Jain: Von 1995 bis 2015 angestellt bei der Deutschen Bank.
Anshu Jain: Von 1995 bis 2015 angestellt bei der Deutschen Bank.(Foto: imago/Hans-Günther Oed)

Neuer Job für Anshu Jain: Hierhin wechselt der Ex-Deutschbanker

Von Carlo Sporkmann

Der ehemalige Co-Chef von Deutschlands größtem Geldhaus, Anshu Jain, hat einen neuen Arbeitgeber gefunden: Cantor Fitzgerald – eine New Yorker Finanzfirma, die nur auf den ersten Blick sozial wirkt.

Als am Morgen des 11. September 2001 um 8.46 Uhr ein Flugzeug in den Nordturm des New Yorker World-Trade-Centers fliegt, wird keine Firma so stark getroffen wie das US-Wertpapierhaus Cantor Fitzgerald. 658 der 1500 Mitarbeiter sitzen in ihren Büros mit bester Aussicht über Manhattan: Stockwerk 101 bis 105. Genau das wird ihnen jedoch zum Verhängnis – kein einziger von ihnen überlebt. Ein Viertel der Menschen, die bei dem Anschlag ums Leben kommen, sind Mitarbeiter der relativ unbekannten Bank.

15 Jahre später nimmt eben jene Firma den umstrittenen Ex-Co-Chef der Deutschen Bank, Anshu Jain, auf. Wie Cantor Fitzgerald mitteilt, soll Jain als "President" die Expansion Richtung Asien vorantreiben. Vorstandschef Howard Lutnick sagte, Jain wird nur beratend an seiner Seite tätig und keine aktive Rolle im Tagesgeschäft übernehmen.

Bei genauerem Hinsehen überrascht der neue Job nicht: Jain pflegt schon seit Jahren engen Kontakt zu Lutnick. Bevor er zur Deutschen Bank kam, baute er die branchenweit erste Abteilung für spezielles Hedgefonds-Management bei Merrill Lynch in New York auf. Er arbeitete in derselben Stadt und derselben Finanzsparte wie Lutnick – ehemalige Kollegen von beiden Bankern sprechen von einer engen Freundschaft.

Cantor Fitzgerald ist auf Anleihen spezialisiert. Die tiefste Krise der Firmengeschichte zeichnet vordergründig das Bild einer sozialen Firmenkultur. Denn nach 9/11 zahlt die Bank an die Hinterbliebenen der getöteten Mitarbeiter rund 180 Millionen Dollar aus. Doch: Zu diesem Schritt ringt sich Lutnick erst durch, nachdem US-Medien berichten, dass die Familien der Opfer keinerlei Ansprüche auf Renten haben – denn Lutnick kappte am Tag nach dem Anschlag die Bezüge aller gestorbenen Mitarbeiter.

Fed adelt Cantor Fitzgerald 2012

Nach dem PR-Desaster verordnet Lutnick den verbliebenen Mitarbeitern einen harten Sparkurs. Cantor Fitzgerald erholt sich von dem schweren Schicksalsschlag, stellt wieder massenhaft Mitarbeiter ein und kehrt in den Wahrnehmungsdunst der Finanzwelt zurück. 2012 wird sie von der US-Notenbank Fed zu einem von 18 Primärhändlern geadelt, die bei staatlichen Anleiheauktionen mitbieten dürfen.

Ortswechsel. Beinahe zeitgleich gelingt Jain der Sprung an die Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus. Der heute 53-jährige Inder arbeitet seit 1995 bei der Deutschen Bank, rückt 2009 auf Wirken seines Ziehvaters und damaligen Chefs Josef Ackermann in den Vorstand auf und bildet von 2012 bis 2015 zusammen mit Jürgen Fitschen die Doppelspitze der Deutschen Bank. In Finanzkreisen gilt er heute als Verursacher der desolaten Lage des Instituts. Die Aktionäre kritisierten immer wieder, dass die Bank unter seiner Führung keinen der milliardenschweren Justizskandale bewältigen konnte und der oft proklamierte "Kulturwandel" ausblieb. Im Juni 2015 zieht der Vorstand das Duo Jain und Fitschen von der Spitze ab.

Doch Jain prägte das Geldhaus: Die Milliardengewinne der Ära Ackermann werden zu einem großen Teil dem Inder zugerechnet; Jain etablierte mit Billigung Ackermanns das Investmentbanking in Frankfurt. 2005 war er aufgrund üppiger Boni der bestverdienende Angestellte einer deutschen Aktiengesellschaft. Zu seinem Abschied 2012 bugsierte Ackermann seinen Zögling Jain an die Spitze.

Als Jain die Frankfurter Taunusanlage verlässt, schreibt Cantor Fitzgerald gut 6000 Kilometer entfernt schon wieder stattliche Gewinne – auch dank der Deutschen Bank. Die investierte mit Jain massiv in ihr Investmentbanking und somit auch in die New Yorker Finanzfirma Cantor Fitzgerald. Es zeigt sich: Man sieht sich immer zweimal im Leben.

Quelle: n-tv.de

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