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(Foto: dpa)

Warten auf Elbvertiefung: Hängepartie setzt HHLA zu

Der Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA hat zunehmend mit logistischen Problemen zu kämpfen. Das MDax-Unternehmen leidet unter den Verzögerungen bei der geplanten Elbvertiefung. Wegen des Verzugs fällt die Geschäftsprognose der HHLA vorsichtig aus.

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Die Verzögerungen bei der Elbvertiefung belasten den Hamburger Hafen- und Logistikkonzern HHLA. Wegen des größeren Tiefgangs der Containerriesen, die die Reedereien auf der wichtigen Route zwischen Asien und Europa einsetzen, werden die Zeitfenster immer kürzer, in denen die Schiffe während der Flut die Elbe hinauf in den Hafen fahren können. Damit müssen die Schiffe mit Stellplätzen von teilweise über 10.000 Standardcontainern schneller be- und entladen werden, wodurch die Kosten steigen.

Die ganz großen Schiffe können zudem nicht ohne weiteres aneinander vorbeifahren, weshalb die Fahrpläne abgestimmt werden müssen. In Stoßzeiten müsse die HHLA mehr Personal und zusätzliches Gerät einsetzen, um die Schiffe abzufertigen, erläuterte der für das Containergeschäft zuständige HHLA-Vorstand Stefan Behn bei der Präsentation der Bilanz 2011.      

Zudem kann der MDax-Konzern nicht so viele Schiffe abfertigen, wie es die Reeder gerne hätten. In einigen Fällen müsse sogar Ladung stehen gelassen werden, sagte Behn. "Wir haben genug Probleme damit." Die Mehrkosten durch den Zeitverzug bei der Elbvertiefung bezifferte er nicht. 

Eigentlich hatten die Bagger bereits Ende vergangenen Jahres mit der Arbeit beginnen sollen. Das Planungsverfahren zieht sich jedoch hin. Eine Entscheidung der niedersächsischen Landesregierung steht noch aus. HHLA-Chef Klaus-Dieter Peters sagte, er rechne im April mit einem Schritt Niedersachsens "in diese Richtung". In dem Bundesland wehren sich Gemeinden, Umweltverbände und Anwohner bisher vehement gegen das Großvorhaben.    

Druck auf die Erlöse

Wegen des Verzugs fällt die Geschäftsprognose der HHLA vorsichtig aus. Für das börsennotierte Kerngeschäft der Hafenlogistik rechnet der Konzern 2012 mit einem Umsatzplus von fünf Prozent. Der Vorstand nennt in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Verzögerungen bei der Elbvertiefung. Er führt allerdings nicht aus, wie hoch das Wachstum hätte ausfallen können, wenn bereits mit den Arbeiten begonnen worden wäre.

Als weiteren Grund für den Druck auf die Erlöse nennt das Management den Ausbau der Hafenkapazitäten in Rotterdam und Antwerpen, durch den die Preise purzeln. Im August soll zudem der Tiefwasserhafen in Wilhelmshaven eröffnet werden, wodurch der Druck auf Hamburg als Umschlaghafen für den Asien-Europa-Verkehr nach Einschätzung von Experten weiter zunehmen wird.  

Hinzu kommt die Konjunkturabkühlung, wegen der das Transportaufkommen auf den Weltmeeren in diesem Jahr langsamer steigen dürfte. Kompensieren will die HHLA all dies durch zusätzliche Liniendienste aus der neuen Kooperation der Containerreedereien CMA CGM, MSC und UASC sowie der G6 Allianz, an der auch Hamburgs Reederei Hapag-Lloyd beteiligt ist. Gleichzeitig hat HHLA die Fernostlinie von Maersk und CGM CMA (FAL5/AE8) verloren, weil beide Großreedereien sich neu aufgestellt haben. Die weltgrößte Containerlinie Maersk steuert seit kurzem den Containerterminal des Konkurrenten Eurogate in Hamburg an.        

Höherer Marktanteil

Im abgelaufenen Jahr steigerte die HHLA den Containerumschlag um mehr als ein Fünftel auf 7,1 Millionen Einheiten und erreichte damit wieder das Niveau von vor der Finanzkrise 2008. Der Marktanteil der HHLA am Gesamtumschlag der Nordseehäfen erhöhte sich damit um knapp zwei Prozentpunkte auf 19,3 Prozent. Dadurch zog der Hamburger Hafen insgesamt wieder an Antwerpen vorbei auf Rang zwei hinter Rotterdam. Die HHLA ist der größte Hafenlogistikkonzern in der Hansestadt.   

Der Betriebsgewinn (Ebit) im Segment Container kletterte bei einem um 18 Prozent auf 713 Millionen Euro gestiegenen Umsatz um mehr als ein Viertel auf 195,5 Millionen Euro. Im Konzern fiel der operative Gewinnzuwachs mit sieben Prozent deutlich geringer aus, da Abschreibungen in den Sparten Intermodal und Logistik zu Buche schlugen. Die Ebit-Marge sank dadurch um einen Punkt auf 17 Prozent. Die Anteilseigner des Teilkonzerns Hafenlogistik, darunter als größter die Stadt Hamburg, sollen eine um zehn Cent auf 65 Cent erhöhte Dividende erhalten.

Quelle: n-tv.de

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