Stephan Sturm stellt in Bad Homburg die Bilanz vor.
Stephan Sturm stellt in Bad Homburg die Bilanz vor.(Foto: imago/sepp spiegl)

FMC kriegt die Kurve : Fresenius-Chef setzt auf Größe

Der Gesundheitskonzern Fresenius will umsatzmäßig neue Höhen erklimmen. Dazu soll laut Konzernchef Sturm das Produktangebot ausgebaut werden. 2016 fährt Fresenius den 13. Rekordgewinn in Folge ein. Auch bei der Tochter FMC läuft es gut.

Der neue Fresenius-Chef Stephan Sturm will mit dem hessischen Gesundheitskonzern in eine neue Größenordnung vorstoßen. Das Unternehmen werde seinen Umsatz bis 2020 um mehr als die Hälfte auf 43 bis 47 Milliarden Euro ausbauen, kündigte Sturm bei der Bilanzpressekonferenz in Bad Homburg an. Milliardenzukäufe sind dabei noch nicht eingerechnet, obwohl Sturm offen für solche Deals ist. "Wenn sich die richtige Gelegenheit ergäbe, wäre ich durchaus bereit, mir das sehr genau anzuschauen. Hinsichtlich der finanziellen Kapazität würde ich mir da keine Sorgen machen."

Sturm wechselte 2005 von Credit Suisse als Finanzchef zu Fresenius. Damals war er der erste Investmentbanker in Deutschland, der direkt in den Vorstand eines Großunternehmens aus der Realwirtschaft einzog. Im Juli trat der 53-Jährige dann die Nachfolge von Ulf Mark Schneider an, der das Ruder beim Schweizer Lebensmittelkonzern Nestle übernommen hat. Gut zwei Monate später tütete Sturm die Übernahme des spanischen Klinikbetreibers Quironsalud für 5,8 Milliarden Euro ein - der größte Zukauf in der Geschichte von Fresenius.

Einen grundlegenden Strategiewechsel plane er nicht, bekräftigte Sturm, aber er wolle eigene Akzente setzen und das Produktangebot von Fresenius ausbauen. Damit komme der Konzern auch den Wünschen großer Einkaufsorganisationen nach. "Was die wollen, ist ein immer breiteres und tieferes Produktangebot, um mit möglichst wenig Kontaktpunkten ein umfängliches Sortiment für ihre Kunden sehr preisgünstig auszuverhandeln."

Die auf Nachahmermedikamente spezialisierte Sparte Kabi soll deshalb in neue Marktsegmente vorstoßen, etwa ins Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten. Auch ein Einstieg in das Geschäft mit Nachahmermedikamenten für Biotech-Arzneimittel, so genannte Biosimilars, sei denkbar. Außerdem will Kabi sein weltweites Netzwerk ausbauen. "Es gibt einzelne Märkte, in denen wir noch nicht vertreten sind oder nur durch Distributeure."

Fresenius-Aktie erklimmt Rekordhoch

Im vergangenen Jahr fuhr Fresenius den 13. Rekordgewinn in Folge ein. Der um Sondereffekte bereinigte Überschuss kletterte um zwölf Prozent auf 1,6 Milliarden Euro. Die Erlöse stiegen um fünf Prozent auf gut 29 Milliarden Euro. Für den Ergebnisanstieg war vor allem die Dialysetochter FMC verantwortlich, die nach drei schwierigen Jahren die Trendwende schaffte. Die Fresenius-Aktionäre dürfen sich nun auf die 24. Dividendenerhöhung in Folge freuen: Sie sollen 0,62 Euro je Aktie erhalten nach 0,55 Euro vor Jahresfrist.

Im laufenden Jahr will das Dax-Unternehmen sein Ergebnis währungsbereinigt um 17 bis 20 Prozent ausbauen. Für 2020 peilt Sturm einen Gewinn von 2,4 bis 2,7 Milliarden Euro an. "Unsere Aussichten sind glänzend und so wollen wir in den nächsten Jahren mit hohem Tempo weiter wachsen." An der Börse kam das gut an. Fresenius-Aktien legten zweitweise rund zwei Prozent auf mehr als 77 Euro zu - damit waren sie so teuer wie nie zuvor.

FMC mit ordentlichem Gewinn

Der Fresenius-Tochter FMC machten Kürzungen im US-Gesundheitssystem lange zu schaffen. Der Chef des weltgrößten Dialysekonzerns, Rice Powell, hatte darauf unter anderem mit einem Sparprogramm reagiert. Zudem baute er das Versorgungsgeschäft rund um die Dialyse (Care Coordination) aus. Das zahlte sich 2016 aus. Der Überschuss stieg um gut ein Fünftel auf 1,24 Milliarden Dollar.

Die Krankenhaussparte Helios machte im vergangenen Jahr ebenfalls mehr Gewinn. Der erfolgsverwöhnte Geschäftsbereich Kabi verzeichnete im vierten Quartal dagegen einen Ergebnisrückgang - auch wegen Produktionsunterbrechungen in zwei US-Werken wegen Renovierungsarbeiten. Zudem profitierte Kabi in den Vereinigten Staaten 2016 nicht mehr so stark von Lieferengpässen der Konkurrenz wie in den Vorjahren.

Quelle: n-tv.de

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