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Wird die Entfernung zwischen den Kontinenten bald kleiner?
Wird die Entfernung zwischen den Kontinenten bald kleiner?(Foto: picture alliance / dpa-tmn)

Transatlantische Lücke schließt sich: Europas Firmen holen auf

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Die Bilanzsaison in Europa läuft auf Hochtouren. Nicht immer ist das abgegebene Bild rosig. Besonders groß ist die Differenz in der Gewinnentwicklung zu US-Unternehmen. Doch es gibt einige europäische Titel, die die Anleger gut im Blick haben sollten.

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Keinen Rekord, aber ein frisches Fünf-Jahres-Hoch konnten Aktien des Stoxx Europe 600 zuletzt erklimmen. Hauptantriebsmotor bleibt weiterhin die Aussicht auf eine anhaltende Lockerung der Geldpolitik durch die Europäische Zentralbank, denn die Quartalssaison läuft bestenfalls gemischt. So glänzten Unternehmen wie Daimler, SAP oder Philips mit den Ergebnissen und dem Ausblick, während Unternehmen wie der Telekomkonzern Orange (ehemals France Telecom), STMicroelectronics oder der Brauereikonzern Heineken schwache Zahlen vorgelegt oder die Prognosen gesenkt haben. Zwar kommt den Unternehmen die allmähliche Konjunkturerholung in der Euro-Zone zugute. Im Gegenzug bekommen sie jedoch die Euro-Stärke zu spüren. Kostete ein Euro im dritten Quartal 2012 noch 1,25 Dollar, war es ein Jahr später 1,32 Dollar.

USA vor Europa

Wie weit die Gewinnentwicklung der europäischen Unternehmen, vor allem aufgrund der langen Rezession in Europa, noch hinter der der US-Unternehmen hinterherhinkt, zeigen ein paar Zahlen eindrucksvoll. So sind die Gewinnschätzungen für die Unternehmen aus dem Stoxx Europe 600 für die nächsten zwölf Monate gegenüber April 2012 von 24,1 Punkten auf nur mehr 23,5 Punkte gesunken. Damit liegen die Erwartungen für die nächsten zwölf Monate auf dem gleichen Niveau wie Mitte 2009. Derweil sind die Gewinnschätzungen für die nächsten zwölf Monate für den S&P 500 gegenüber April 2012 um 6,7 Prozent auf 119,1 Punkte und damit auf ein neues Allzeithoch gestiegen. "Die Gewinne der europäischen Unternehmen hinken denen der US-Firmen hinterher. Die Lücke ist die größte seit mehr als 25 Jahren und dreimal größer aus üblich", schlussfolgern die Analysten der UBS in einer Studie.

Klaffende Abstände in den Sektoren

Treffen die Erwartungen zu, wäre nicht nur die Rückstand gegenüber den US-Firmen bemerkenswert, sondern auch die stark unterschiedliche Gewinnentwicklung der einzelnen Sektoren in Europa. So würden die Gewinne der Banken, Finanzunternehmen und der Bergbaufirmen um mehr als 60 Prozent unter dem 2007er-Hoch liegen. Hingegen lägen die Gewinne der Autofirmen, der Konsumgüter- und Getränkehersteller um 40 bis 60 Prozent über dem 2007er-Niveau. Denn die Autofirmen würden demnach von dem Wachstum in den Emerging Markets und speziell in China profitiert. Entsprechend ist der Gewinnanteil der Autofirmen von drei auf 6,4 Prozent der europäischen Unternehmen geklettert. Hingegen ist der Gewinnanteil der Banken deutlich von 20,2 auf nur mehr 7,8 Prozent gesunken. Damit sind sie auf den zweiten Platz hinter dem Energiesektor zurückgefallen, der ein Gewicht von 15,5 Prozent hat.

In den nächsten Monaten sollten Anleger daher weiter Unternehmen im Blick haben, die zuletzt gute Ergebnisse vorgelegt haben. Denn deren Aktien dürften gute Aussichten haben, selbst wenn eine nachhaltige Konjunkturerholung in der Euro-Zone trotz der sinkenden Zinsen in Ländern wie Spanien und Italien weiterhin fraglich bleibt. So war der Einkaufsmanagerindex für die Euro-Zone im Oktober entgegen den Erwartungen von 52,2 Punkten auf 51,5 Punkte gesunken. Werte oberhalb der 50er-Marke deuten Wachstum an. Zudem sind die Kredite an den privaten Sektor, also an Privatleute und Unternehmen, im August in der Euro-Zone um zwei Prozent gesunken. Das war der 16. Monat in Folge mit einem Rückgang und das größte Minus seit der Einführung des Euro im Jahr 1999.

Philips und Novartis

Beispiele für die gute Aufnahme der Quartalszahlen im aktuellen Umfeld sind der niederländische Elektronikhersteller Philips und der Schweizer Pharmahersteller Novartis. Philips konnte mit einem Umsatz von 5,62 Milliarden Euro die Erwartungen der Analysten von 5,77 Milliarden Euro zwar nicht erfüllen, aber aufgrund der starken Nachfrage aus dem LED-Geschäft und starker Kostensenkungen stieg aber der bereinigte operative Gewinn um ein Drittel auf 634 Millionen Euro. Damit übertraf er die Schätzungen der Finanzprofis von 567 Millionen Euro deutlich. Größter Gewinnlieferant bleibt die Medizintechniksparte mit 330 Millionen Euro vor der Lichttechniksparte, die den Profit um 59 Prozent auf 213 Millionen Euro verbessert hat. Vorstandschef Frans Van Houten gab sich zuversichtlich und bestätigte die Ziele für dieses Jahr. Die Kosten sollen aber weiter gesenkt werden. Rückenwind bekommt die Aktie zudem von einem Aktienrückkaufprogramm in Höhe von 1,5 Milliarden Euro.

Defensive Anleger setzen weiter auf Novartis. Europas größter Pharmakonzern hat nach den Neun-Monats-Zahlen die Prognose für das Gesamtjahr zum zweiten Mal erhöht, weil ein Hersteller in den USA sein Mittel gegen Bluthochdruck wegen Qualitätskontrollen der Aufsichtsbehörde nicht auf den Markt bringen kann. Novartis geht für das Gesamtjahr von einem währungsbereinigten Umsatzplus im unteren bis mittleren einstelligen Prozentbereich aus. Der bereinigte operative Gewinn soll nun mindestens das Vorjahresniveau erreichen. Denn operativ läuft es gut bei Novartis. So ist die Pille Gilenya gegen Multiple Sklerose ebenso stark gefragt wie das Antikrebsmittel Afinitor. Der größte Umsatzträger ist die Pharmasparte gefolgt von der Augenheilkunde-Tochter Alcon und der Generikasparte Sandoz. Wegen der hohen Profitabilität ist das 2014er-KGV von 17,4 nicht zu teuer. Und die Dividendenrendite von rund 2,8 Prozent kann sich ebenfalls sehen lassen.

Quelle: n-tv.de

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