Aktien
(Foto: REUTERS)

In der Krise : Europas Banken bekommen Probleme

Von Egmond Haidt und Benjamin Feingold

Viele europäische Bankaktien sind auf das Niveau von Frühjahr 2009 eingebrochen. Das ist nicht nur für den Sektor, sondern für die gesamte Wirtschaft ein starkes Warnsignal. Bleiben die Aktien der Geldhäuser unter Druck?

"Die Maßnahmen der Europäischen Zentralbank haben zu einer Stärkung der Banken in der Eurozone beigetragen", sagte EZB-Chef Mario Draghi bei der Pressekonferenz nach der Sitzung am 21. Januar. Investoren, die auf die Aktienkurse schauen, bietet sich ein ganz anderes Bild - sind doch viele Bankaktien in den vergangenen Monaten ähnlich nach unten gerauscht wie im Krisenjahr 2008. Neben der Eintrübung der Perspektiven für die Weltwirtschaft bekommen die Institute auch die Turbulenzen am Finanzmarkt zu spüren, weshalb das Geschäft im Aktien- und Anleihenhandel unter Druck geraten ist. Jüngstes Beispiel ist die Deutsche Bank, die einen Rekordverlust für 2015 in Höhe von fast sieben Milliarden Euro eingefahren hat.

Kräftig unter die Räder gekommen sind aber nicht zuletzt die italienischen und die spanischen Banken. Die faulen Kredite der italienischen Institute waren im November auf 201 Milliarden Euro gestiegen, ein 20-Jahreshoch. Das war eine Verfünffachung gegenüber Anfang 2009. Die Geldhäuser leiden seit Jahren unter der schwachen Konjunktur auf dem Heimatmarkt und der Niedrigzinspolitik der EZB, die den Zinsüberschuss drückt. Dabei sitzt die Banca Monte dei Paschi di Sienna auf einem Berg fauler Kredite in Höhe von 47 Milliarden Euro.

Ein erster Schritt

Die Gründung einer "Bad Bank", in die die Institute ihre faulen Kredite und Papiere auslagern könnten, hatte sich monatelang verzögert, weil sich der italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan nicht mit der EU-Kommission auf einen Plan einigen konnte, wie die "Bad Bank" ausgestaltet werden soll.

In dieser Woche nun die Einigung, aber es gelang nur eine kleine Lösung. Um unerlaubte staatliche Beihilfen zu vermeiden, werden nur Anleihen mit guter Bonität, also "Investment Grade" in die Bad Bank aufgenommen, die jedes Institut mit notleidenden Krediten gründen kann. Italien kann diese Darlehen in den jeweiligen Bad Banks absichern, aber nur zu Marktkonditionen, um die unerlaubten Beihilfen zu vermeiden. Damit kann aber nur ein Teil der notleidenden Kredite von italienischen Banken abgesichert werden.

Investoren befürchten außerdem, dass Banken bei der Auslagerung der Kredite zusätzliche Abschreibungen vornehmen müssen, weil der Wertansatz in der Bilanz höher sein dürfte, als der Preis, der derzeit am Markt erzielt werden kann. Entsprechend flüchten Investoren teilweise aus den Anleihen der italienischen Banken wie zum Beispiel der Banca Monte dei Paschi di Siena, weshalb deren Kurse kräftig gefallen sind.

Spanische Banken in der Krise

Stark gesunken sind auch die Aktien vieler spanischer Banken. Investoren machen sich Sorgen, dass in Spanien keine neue Regierung gebildet werden kann und Neuwahlen drohen. Das erhöht die politische Unsicherheit. Die Banco Santander, die gemessen am Börsenwert von 56,7 Milliarden Euro der Branchenprimus in der Eurozone ist, bekommt zusätzlich den Verfall des brasilianischen Real und anderer lateinamerikanischer Währungen zu spüren.

Denn Santander erzielt rund 20 Prozent des Gewinns in Brasilien, aber das Land ist in der schwersten Rezession seit fast drei Jahrzehnten. Investoren befürchten zudem, dass die Bank erneut ein Übernahmeangebot für das britische Institut Williams & Glyn abgibt und dazu im Erfolgsfall eine Kapitalerhöhung durchführen muss.

Die aktuellen Probleme der europäischen Banken können sich zu einer neuen Bankenkrise ausweiten. Dann dürfte wohl auch der gesamte Aktienmarkt betroffen sein, denn in der Vergangenheit konnte sich der Gesamtmarkt nur selten ohne die Unterstützung der Banken positiv entwickeln.

Quelle: n-tv.de

Empfehlungen