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Trotz der positiven Kursentwicklung im vergangenen Jahr haben sich einige Aktien doch wieder als große Wertvernichter entpuppt.
Trotz der positiven Kursentwicklung im vergangenen Jahr haben sich einige Aktien doch wieder als große Wertvernichter entpuppt.(Foto: imago/Christian Ohde)

Größte Kapitalvernichter 2016: Diese Aktien haben viel Geld verbrannt

Wer sein Geld an der Börse anlegt, hofft auf Gewinne. Doch nicht immer geht die Rechnung auf. Fehlinvestitionen gab es dieses Jahr nicht nur bei einer Bank und mehreren Modeunternehmen.

Anders als 2015, als vor allem Aktien aus dem Bankensektor und aus der Bekleidungsbranche die Liste der größten Wertvernichter anführten, gab es in diesem Jahr auch Titel aus anderen Branchen, die viel Geld vernichtet haben. Eine Sparte, die sich wegen steigender Zinsen seit August negativ hervorgetan hat, sind die Immobilienwerte am deutschen Aktienmarkt. Auf Jahressicht weist der Sektor allerdings immer noch ein Plus auf.

Profitiert haben von den steigenden Zinsen die Banken, weil dadurch das traditionelle Kreditgeschäft wieder rentabler wird. Für die Deutsche Bank kam diese Erholung allerdings zu spät. Und damit gehört sie wieder zu den Werten, die einem Depot in den vergangenen zwölf Monaten nicht gut getan haben.

Deutsche Bank - die Jahresendrally kam zu spät

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Bei der Deutschen Bank erwiesen sich vor allem die Kursschwankungen als ungesund. Anfang des Jahres notierten die Titel noch mit 22,10 Euro auf einem Jahreshoch. Hausinterne Probleme wie eine Flut von Rechtsstreitigkeiten sorgten danach jedoch für eine heftige Talfahrt, die sich nach dem Brexit-Votum der Briten Ende Juni weiter beschleunigte. Mitte September bekam die Bank Post vom US-Justizministerium, das wegen der Verbriefung zweifelhafter Immobiliendarlehen zunächst 14 Milliarden Dollar von den Frankfurtern forderte.

Am 30. September fielen die Aktien auf ein Jahrestief bei 9,90 Euro. Seitdem haben die Titel wieder um fast 75 Prozent zugelegt. Die Marktkapitalisierung ist inzwischen wieder auf über 24 Milliarden Euro gestiegen. Profitiert hat die Bank vor allem von der Entwicklung an den Zinsmärkten.

Kurz vor Jahresschluss einigte sich die Deutsche Bank zudem mit dem US-Justizministerium, der Vergleich fiel mit 7,2 Milliarden Dollar rund halb so hoch wie anfänglich befürchtet aus. Trotzdem bleiben Rechtsrisiken bestehen. Unterm Strich verlor das Papier des deutschen Branchenprimus seit Jahresbeginn 22 Prozent an Wert. Das Institut ist damit Schlusslicht im Dax.

Ströer wird Short-Attacke nicht los   

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2015 gehörte Ströer noch zu den gefeierten Stars am deutschen Aktienmarkt, die MDax-Aktie legte um 127 Prozent zu. Die kalte Dusche kam am 21. April 2016 in Form schwerer Anschuldigungen des US-Hedgefonds Muddy Waters. Die Aktie stürzte an jenem Tag in der Spitze um über 30 Prozent ab auf 36,10 Euro. Muddy Waters warf Ströer vor, falsche Angaben zu Wachstum und Cashflow gemacht zu haben. Die Einordnung der Vorwürfe fiel nicht leicht, auch weil dem Fonds ein Interessenkonflikt vorgeworfen wurde.

Die Analysten vom Bankhaus Lampe erkannten das Problem in einer ungewöhnlichen Bilanzierung und Zahlenpräsentation des Außenwerbers. Um Unsicherheiten unter Investoren zu vermeiden, empfahlen die Analysten damals, für mehr Transparenz in den Finanzberichten zu sorgen, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

Mitte November kaufte der CEO von Ströer, Udo Müller, Aktien seines Unternehmens im Wert von gut fünf Millionen Euro. Die Nachricht kam an der Börse gut an. Vom Tief im November erholte sich die Aktie um rund 18 Prozent. Andere Investoren scheinen der Aktie dagegen zu misstrauen, auch weil sie mit einem deutlichen Abschlag unter den Kurszielen vieler Analysten hindümpelt. Ströer haben verglichen mit dem Vorjahreschlusskurs um knapp 28 Prozent nachgegeben. 

Hugo Boss - noch keine Besserung in Sicht

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Über Jahre konnte sich Hugo Boss dem Abwärtstrend und dem Sterben in der Bekleidungsindustrie entziehen. Während die Aktien von Gerry Weber und Tom Tailor im Vorjahr schon um über 60 Prozent einbrachen, war das Minus bei Hugo Boss noch überschaubar. Im Februar 2016 überraschten die Metzinger dann aber viele Analysten mit einer laut Baader Helvea "harschen Gewinnwarnung".

An diesem Tag brachen die MDax-Titel um 20 Prozent ein und erholten sich davon auch nicht mehr. Selbst wenn sich das schwierige Marktumfeld in China und in den USA inzwischen deutlich verbessert hat, erwarten die Analysten des Bankhauses Lampe auch für 2017 allenfalls ein Jahr des Übergangs. Unterm Strich verloren Hugo Boss 2016 rund 20 Prozent an Wert. 

SMA Solar - nach kurzem Aufflackern wieder im Dunkeln

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Die 2016 im TecDax am tiefsten gefallene Aktie ist SMA Solar. Ihr Kurs halbierte sich seit Jahresbeginn, nachdem er 2015 noch um sage und schreibe 255 Prozent in die Höhe geschossen war. Die hohen Erwartungen der Investoren erfüllten sich nicht. Die erste Enttäuschung lieferten im Sommer die Zahlen zum ersten Halbjahr. Der Preiskampf am Solarmarkt lastete schwerer als erwartet auf der Marge. Im Oktober folgte dann mit der Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal eine Umsatz- und Gewinnwarnung.

Die Analysten von Warburg erwarten eine Konsolidierungswelle in der Solarindustrie, die zum Marktausstieg von einigen Herstellers von Solarwechselrichtern führen dürfte. Auch wenn SMA Solar auf Grund der guten Bilanzstruktur und einer guten geographischen Aufstellung davon nicht betroffen sein sollte, empfehlen die Analysten, eine abwartende Haltung einzunehmen. Auf Grund der hohen Schwankung in den vergangenen 24 Monaten sei die Aktie nur etwas für risikofreudige Investoren. 

Totalausfälle: KTG Agrar und Steilmann

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Zu den Unternehmen, bei denen sich innerhalb kürzester Zeit die Marktkapitalisierung in Luft auflöste und es in die Insolvenz ging, gehörten 2016 Steilmann und KTG Agrar.

Schon der Börsengang 2015 von Steilmann verlief nicht nach Plan und hätte zur Vorsicht mahnen sollen. Nur einen Bruchteil der eigentlich erwünschten Summe hatte der Bekleidungshersteller bei den Investoren einsammeln können. Nur 139 Tage nach dem Börsendebüt im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse war Steilmann zahlungsunfähig. Seit Jahresbeginn hat die Aktie 93 Prozent an Wert verloren.

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Die Börsenstory von KTG Agrar begann dagegen schon 2007. Außerdem besorgte sich das Unternehmen über Anleihen Geld bei den Anlegern. Mit dem Motto "Vom Feld auf den Teller" gehörte die Aktie in Depots, die auf den Megatrend Ernährung setzen - bis das Unheil im Juni seinen Anfang nahm mit der Nachricht, dass das Unternehmen mit der Zahlung von Anleihezinsen im Verzug ist.

Die Story ist damit schnell zu Ende, am 29. Dezember wird die Aktie den letzten Tag in diesem Jahr an der Börse gehandelt.

Quelle: n-tv.de

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