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(Foto: picture alliance / dpa)

Das Schlimmste überstanden?: Deutsche Bank öffnet die Bücher

Von Benjamin Feingold

Deutschlands Geldinstitut Nummer eins mutet den Anlegern einiges zu: Während die Aktien der US-Konkurrenz ordentlich zulegen, kommt das Deutsche-Bank-Papier nicht in Fahrt. Und von den kommenden Quartalszahlen wird kaum Gutes erwartet.

Als er Co-Chef der Deutschen Bank wurde, war sein Markenzeichen ein Rucksack. Vor allem die Anleger in Deutschland sollten Anshu Jain als harten, aber fairen Jungen aus London wahrnehmen. Mittlerweile allerdings haben die Investoren selbst einen verdammt schweren Rucksack zu tragen - und einen völlig anderen Eindruck. Die Kursverluste erreichen inzwischen eine zweistelliger Höhe - egal, ob man auf eine Zeitspanne von wenigen Monaten oder mehreren Jahren blickt. Der Kursverlauf ist ein Trauerspiel. Und wenn morgen die Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt werden, wird kaum Gutes erwartet.

Doch genau darin liegt die Chance für Anleger. Denn nach Betrugsskandalen, Strafzahlungen und Gewinnwarnungen scheint die Deutsche Bank alles abgearbeitet zu haben, was schiefgegangen ist. Oder etwa doch nicht?

Kurs hängt im Keller fest

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Es ist schon verrückt: Die Kurse der US-Konkurrenten Goldman Sachs oder JP Morgen entwickeln sich wieder prächtig. Doch die Deutsche-Bank-Aktie hängt im Keller fest. Dabei müsste es eigentlich allen Banken allmählich besser gehen. Denn die Europäische Zentralbank lockert ihre Geldpolitik immer weiter. Zudem erholt sich die Konjunktur in Europa allmählich. Neben den Sorgen wegen drohender hoher Strafzahlungen in den USA leidet die Deutsche Bank aber unter hausgemachten Problemen.

Für zusätzlichen Druck auf die europäischen Bankaktien sorgten jüngst noch die Zahlungsprobleme bei der portugiesischen Bankiersfamilie Espirito Santo. Demnach ist die in Luxemburg ansässige Holding Espirito Santo international ihren Zahlungsverpflichtungen bei kurzlaufenden Anleihen zuletzt teilweise nicht nachgekommen. Nun will sich die Holding retten - mit Beratungshilfe der Deutschen Bank.

Solide Kapitalausstattung

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Außerdem besorgt der bevorstehende Bankenstresstest der EZB etliche Investoren. Sie befürchten, dass die Kapitalausstattung der Institute zu gering sein könnte und die Banken Kapitalerhöhungen durchführen müssen. Immerhin - die Deutsche Bank hat diese Kapitalerhöhung schon hinter sich. Wenn es denn die letzte gewesen sein sollte.

Mit der Kapitalerhöhung von 8,5 Milliarden Euro hat die Deutsche Bank die Kapitalausstattung im Vergleich zur Commerzbank spürbar verbessert. So steigt die harte Kernkapitalquote des Branchenprimus von 9,5 auf 12 Prozent. Damit gehört das Institut zumindest bei dieser Kennzahl zu den besten Instituten der Welt.

Verschuldungsquote im Blick

Doch Investoren schauen zusätzlich auf eine andere Kennzahl: die Leverage Ratio oder Verschuldungsquote. Sie setzt das Eigenkapital ins Verhältnis zur Bilanzsumme. Inklusive der jüngsten Emission von Hybridanleihen ist die Leverage Ratio gemäß Basel 3 von 2,5 Prozent auf 3,4 Prozent gestiegen. Etliche Analysten befürchten allerdings, dass die Ratio der Deutschen Bank zu niedrig sein könnte, wenngleich die Regeln einen Mindestwert von lediglich drei Prozent vorsehen.

Die Deutsche Bank leidet darunter, dass die Volatilität im Anleihenhandel, bei Währungen und Rohstoffen sehr niedrig ist. Deswegen handeln die Kunden wesentlich weniger als früher. Die Deutsche Bank ist wie kaum ein anderes Institut in Europa abhängig vom Investmentbanking. Genau diesen Bereich wollen die Co-Chefs Jürgen Fitschen und Anshu Jain mit dem Geld aus der Kapitalerhöhung ausbauen und mit der Vermögensverwaltung eng vernetzen - so wie es viele Konkurrenten schon länger tun.

Die Aktie arbeitet gerade an einem tragfähigen Boden, die nächsten Kursimpulse in die eine oder andere Richtung werden die Quartalszahlen morgen liefern. Es wird spannend, wie schwer der Rucksack danach sein wird.

Quelle: n-tv.de

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