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(Foto: REUTERS)

Hunderte Aktien im freien Fall: China stoppt Börsenhandel nach 30 Minuten

Zum zweiten Mal in dieser Woche schließt China vorzeitig seine wichtigsten Börsen. Die neuerliche Abwertung der Landeswährung lässt Anlieger aus den Papieren fliehen. Die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt wankt. Für den europäischen Handel sind dies rabenschwarze Vorzeichen. Für Experten ist das erst der Anfang.

Nach massiven Kursverlusten ist in China der Börsenhandel erneut ausgesetzt worden. Innerhalb einer halben Stunde nach Handelsbeginn lagen die Märkte in Schanghai und Shenzen um jeweils mehr als sieben Prozent im Minus. Daraufhin wurde der Handel für den Rest des Tages entsprechend einer neu in Kraft getretenen Regelung vorzeitig ausgesetzt. Es war damit der kürzeste Handelstag in der 25-jährigen Geschichte der Aktienmärkte Chinas. Die Schockwelle erreicht auch die Märkte in den Nachbarländern.

Zuvor hatte Peking seine Währung Yuan weiter abgewertet. Dies fachte die Angst vor Kapitalflucht und um eine womöglich stärker als befürchtete Konjunkturschwäche der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt weiter an. "Der Absturz bei Aktien wurde überwiegend von der Erwartung ausgelöst, dass der Yuan weiter abwerten dürfte", sagte Analyst Qian Qimin von Shenyin Wanguo Securities. Zwar war zu Jahresbeginn mit einer Schwäche der Währung gerechnet worden, doch der massive Absturz überraschte die Märkte. "Sie haben die Anleger genug verwirrt in dieser Woche", sagt Ashley Perrott von UBS Global Asset Management zum immer tieferen Fixing des Yuan: "Das Sentiment ist unglaublich fragil." Schon vor der Handelssaussetzung war das Geschäft stark erschwert, da Einzelaktien den Regeln folgend nur um maximal 10 Prozent fallen dürfen an einem Börsentag. Über 1600 Titel erreichten am Donnerstag diese Schwelle.

Bereits am Montag hatte China seine Währung abgewertet und den Börsenhandel nach massiven Kursverlusten ausgesetzt. Die Messlatte für diese Art Notbremse ist der China Securities Index (CSI) mit 300 führenden Werten an beiden Börsen. Dies Aktion hatte weltweit Börsenturbulenzen ausgelöst. Am Folgetag pumpte die chinesische Zentralbank eine Milliarden-Finanzspritze in den Markt, die eigentlich den Kursverfall stoppen sollte. Nach einem spekulativen und häufig auch kreditfinanzierten Boom an den chinesischen Aktienmärkten seit 2014 waren die Kurse im vergangenen Sommer eingebrochen. Seitdem gibt es eine Berg- und Talfahrt, während die Regierung mit massiven Interventionen verzweifelt versucht, die Märkte zu stabilisieren.

Experte: Vertrauen ist weg - Vorbereitungen auf Ausverkauf

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Die chinesische Zentralbank versuchte, die Anleger zu beruhigen und ihre Position darzulegen. In einer Stellungnahme sagte sie unter anderem, dass einige spekulative Kräfte versuchten, Gewinn aus den Bewegungen des Yuan zu erzielen. Diese Handelsaktiviäten hätten nichts mit der Realwirtschaft in China zu tun und sorgten für abnorme Bewegungen in der Währung. Am Markt wird indes mit weiterer Yuan-Schwäche gerechnet.

Die generelle Kritik an der Vorgehensweise der chinesischen Führung wird immer lauter. "China hat eine Tendenz, sich durchzuwursteln, ein bisschen Reform, ein bisschen Wachstum", sagt Oliver Barron von North Square Blue Oak. Der zweimalige Crash des Aktienmarkts in einer Woche belege, dass es kein Vertrauen gebe. Die Anleger seien pessimistisch und bereiteten sich auf einen weltweiten Ausverkauf an den Aktienmärkten vor, sagt Mohit Bajaj von WallachBeth Capital LLC.

Die Notenbank (PBOC) legte den Mittelwert des Yuan zum Dollar auf 6,5646 Yuan fest. Zum Mittwoch ist das eine Abwertung von 0,5 Prozent. Es war zudem der achte Tag in Folge, an dem die Notenbank den Yuan schwächte. Grund ist die schwache Konjunktur. Chinas Wirtschaft ist 2015 mutmaßlich "nur" um etwa sieben Prozent gewachsen. Für Industrieländer wie Deutschland wäre das ein gigantisches Plus, für China indes wird es wohl der geringste Zuwachs seit einem Vierteljahrhundert.

Japan leichter, Öl billiger

Im Gefolge des Absturzes laufen auch die anderen asiatischen Märkte abwärts. In Tokio geht es für den Nikkei um 2,3 Prozent auf 17.767 Punkte hinab. Der Hang-Seng-Index in Hongkong gibt 2,5 Prozent auf 20.462 Zähler nach.

Der Yen legt als Fluchtwährung in diesem Umfeld weiter zu. Der Dollar kostet nur noch 117,95 Yen, verglichen mit Ständen über 118,50 zur gleichen Vortageszeit und mehr als 120 Yen zu Beginn des Jahres.

Markante Bewegungen gibt es auch den Rohstoffmärkten: Die Ölpreise brechen weiter ein, belastet von Konjunktursorgen bei einem gleichzeitigen vorherrschenden Überangebot. Brent-Öl fällt um weitere 2,3 Prozent, nachdem es am Vortag um sechs Prozent eingebrochen war. Nur noch 33,43 Dollar je Fass müssen bezahlt werden. Das neue Elfjahrestief liegt nur noch bei 33,09 Dollar. Neben der Angst um die weltweite Konjunktur drückt auch der Nakostkonflikt den Preis, der eine Verständigung auf ein Drosseln der Ölproduktion erschwert.

Dagegen ist Gold momentan ein großer Profiteur der weltweiten Unsicherheit. Die Feinunze kostet 1.099 Dollar und legt damit um weitere 0,6 Prozent zu. Zu Beginn des Jahres lag der Preis noch unter 1.070 Dollar.

Quelle: n-tv.de

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