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Wer die Wahl hat, muss sich entscheiden.
Wer die Wahl hat, muss sich entscheiden.(Foto: picture alliance / dpa)

Von wem profitieren Eon, RWE und Commerzbank?: Bundestagswahl stellt Weichen

Von Benjamin Feingold

Die Aktienmärkte reagieren unmittelbar vor der Bundestagswahl sehr zurückhaltend. Insbesondere für Banken und Versorger ist diese Wahl eine richtungsweisende. Politische Börsen haben in diesen Fällen keine kurzen Beine.

Die deutschen Versorger hoffen auf Schwarz-Gelb oder eine Große Koalition.
Die deutschen Versorger hoffen auf Schwarz-Gelb oder eine Große Koalition.(Foto: dpa)

Die jüngsten Meinungsumfragen zur Bundestagswahl zeigen, dass die beiden Blöcke aus CDU/FDP auf der einen und SPD/Grüne und Linke auf der anderen Seite fast gleichauf liegen. Eine klare Mehrheit zeichnet sich auf der Zielgeraden für keinen der beiden ab. Das lässt Raum für Koalitionsüberlegungen, wobei die Große Koalition die größte Wahrscheinlichkeit besitzt, zustande zu kommen. Unabhängig vom Ausgang der Wahlen dürften zwei Themen ganz oben auf der Agenda stehen, die für Energieunternehmen und Finanzinstitute von Bedeutung sind: Die Förderung erneuerbarer Energien und die Schließung von Krisenbanken. Außerdem bleibt die Frage spannend, wie schnell nach der Wahl der Bankenrettungsfonds Soffin seinen Anteil an der Commerzbank verkaufen wird.

Versorger schöpfen wieder Hoffnung

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Die Versorger Eon und RWE hoffen, dass nach der Bundestagswahl die Förderung für erneuerbare Energien deutlich gekürzt wird. Ansonsten würden die Gewinnperspektiven für die Versorger für die nächsten Jahre sehr trüb bleiben. "Die Subventionierung der erneuerbaren Energien und der Einspeisevorrang müssen begrenzt werden. Ich plädiere für einen Förderstopp für neue Windräder und Photovoltaik-Anlagen", sagte bereits Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt. Zudem sei eine Senkung der Stromsteuer ein möglicher Weg, um den Strompreis zu bremsen.

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Für Solar- und Windstrom gibt es nach dem bestehenden Erneuerbare- Energien-Gesetzes (EEG) garantierte Vergütungen für jede Kilowattstunde, die auch Privatkunden mittragen müssen. Dieser Öko-Strom wird immer teurer und ist daher zu einem großen Wahlkampfthema geworden. So soll die Ökostrom-Umlage 2014 von 5,28 Cent je Kilowattstunde um 1,5 Cent steigen. Entsprechend steigt dieser Kostenblock pro Durchschnittshaushalt um 40 Euro auf 225 Euro jährlich.

Der Kostenaspekt, aber auch die Versorgungssicherheit durch Strom aus konventionellen Kraftwerken, ist ein Thema, dass bei den großen Parteien CDU und SPD stärker in den Vordergrund gerückt ist. Eine Große Koalition oder der Fortbestand von schwarz-gelb dürften daher zu einer Reform des EEG führen und käme den Versorgern wie Eon und RWE zugute. Denn wenn der Ökostromanteil in Deutschland wie geplant von aktuell 25 Prozent bis 2020 auf 35 Prozent zunimmt, würde die Auslastung der herkömmlichen Kraftwerke und damit die Gewinne der Unternehmen immer weiter sinken. Zuletzt hatten die Aktien der Versorger sich deutlich erholt, weil der Strompreis-Future an der Energiederivatebörse EEX auf ein Vier-Monats-Hoch gestiegen war. Damit notiert er aber immer noch meilenweit unter dem Niveau von Mitte 2008. Eine Kürzung der Förderung für erneuerbare Energien dürfte diesen Großhandelspreis vermutlich weiter stützen. Sollten die Grünen wieder in die Regierungsverantwortung kommen, dürfte eine Reform des EEG schwer durchzusetzen sein, da sie sich einen kompletten Ausstieg aus der Kernenergie auf die Fahnen geschrieben haben. Allerdings stecken sie derzeit in einem Umfragetief.

Bleiben deutsche Banken geschützt?

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Nach der Bundestagswahl sollte zudem das Thema Schließung von Krisenbanken wieder auf die Tagesordnung kommen. So soll bis Jahresende eine Lösung stehen, die ab 2015 umgesetzt wird. Finanzminister Schäuble hatte sich zuletzt ebenso wie die Bundesbank und die Finanzaufsicht Bafin dagegen gewehrt, dass die EU-Kommission die Entscheidung über die Abwicklung von Banken bekommt. Zu den gefährdeten Banken gehört auch die Commerzbank, die zum Teil immer noch dem Bund gehört. So darf weiter spekuliert werden, wie schnell der Bankenrettungsfonds Soffin seinen Anteil an der Commerzbank verkaufen wird. Im Rahmen der Kapitalerhöhung vom Mai war der Anteil von 25 Prozent auf rund 17 Prozent gesunken. Einen Verkauf des Anteils an einen ausländischen Konkurrenten, wie die UBS, die französische BNP Paribas oder die spanische Santander, wie im August noch kolportiert worden war, dürfte allerdings unwahrscheinlich sein. Zudem gibt es keinen Grund, den Anteil schnell zu verkaufen, solange die Erholung der Aktie weitergeht.

Die Stimmung für die Commerzbank-Aktie hatte sich nach der Vorlage der Halbjahreszahlen merklich verbessert, weil die Kapitalausstattung nicht zuletzt aufgrund der Kapitalerhöhung wesentlich stabiler geworden ist. Vorstandschef Martin Blessing kommt zudem beim Abbau des Portfolios der hauseigenen "Bad Bank" gut voran. Seitdem hat die Aktie um mehr als 40 Prozent zugelegt. Blessing muss damit nicht mehr befürchten, schon bald nach der Bundestagswahl als Vorstandschef abgesetzt zu werden, wenngleich die Aktie trotz der jüngsten Rally noch um 95 Prozent unter dem Niveau von vor der Finanzkrise notiert. Auch bei den Banken dürfte der wahrscheinlichste Ausgang der Bundestagswahl, also entweder die Fortführung der aktuellen oder einer Großen Koalition, vorteilhaft sein, was die jüngste Rally in diesem Sektor bestätigt. Allerdings ist der Wahlausgang für die Versorger derzeit bedeutsamer. 

Quelle: n-tv.de

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