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Warnzeichen an der New Yorker Börse: "Wir denken, dass positive Überraschungen nötig sein werden."
Warnzeichen an der New Yorker Börse: "Wir denken, dass positive Überraschungen nötig sein werden."(Foto: REUTERS)
Donnerstag, 25. Mai 2017

George Soros & Co.: Börsengurus wetten Milliarden auf den Crash

Von Daniel Saurenz und Benjamin Feingold

Investorenlegende George Soros ist einer der bekanntesten Trump-Gegner. Er wettet Milliarden gegen die sogenannte Trump-Rally. Geht seine Strategie bald auf?

Die Rekordfahrt am US-Aktienmarkt macht etliche Finanzprofis nervös: Immerhin ist der S&P 500 seit dem Tief vom März 2009 um 260 Prozent nach oben geschossen, woraufhin auch die Bewertung in Form des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) auf historisch hohe 17,6 gestiegen ist. Damit liegt es deutlich über dem langjährigen Schnitt von elf bis zwölf, der auch dem Gewinnwachstum der Unternehmen aus dem Index in etwa entsprach. Daher verwundert es nicht, dass zahlreiche Börsengurus immer skeptischer werden.

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Zuletzt verwies Mislav Matejka, Aktienstratege bei JP Morgan, auf sechs Warnhinweise, wie die schwachen US-Konjunkturdaten, den Leichtsinn der Investoren und die Saisonalität beim S&P 500, die zur Vorsicht mahnen sollten. Ins gleiche Horn wie die Analysten von JP Morgan stießen auch jene von Goldman Sachs. "Wir erwarten ab jetzt gedämpfte Renditen am Aktienmarkt und denken, dass es dem Markt schwer fallen wird, sich für eine längere Zeit von den Konjunkturdaten abzukoppeln", schrieben die Analysten von Goldman. "Wir denken, dass positive Überraschungen bei den Konjunkturdaten wahrscheinlich nötig sein werden, wenn der Markt weiterhin gut laufen soll", so die Finanzprofis.

Häufig überwiegt die Skepsis

Möglicherweise liegen die Analysten von Goldman und JP Morgan aber genauso falsch, wie viele Börsengurus in den vergangenen Jahren. So hatte sich der Milliardär und ehemalige Hedgefondsmanager Stan Druckenmiller Anfang Mai 2016 geradezu apokalyptisch gegeben und Investoren nahegelegt, ihre Aktien zu verkaufen und stattdessen auf Gold zu setzen, weil die US-Notenbank trotz ihrer sehr lockeren Geldpolitik den Aktienmarkt nicht für immer oben halten könne. Anleger, die Druckenmillers Rat damals gefolgt sind, haben allerdings viel verpasst. Der S&P 500 ist seit damals um etwa 15 Prozent gestiegen, von rund 2080 Punkten auf 2400 Punkte.

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Etliche andere Profis lagen mit ihren Vorhersagen über eine mögliche Kursentwicklung am US-Aktienmarkt nach einem Wahlsieg von Donald Trump ebenfalls falsch. David Stockman hatte am 6. November 2016, also zwei Tage vor Trumps Wahlsieg, Investoren geraten, ihre Aktien schnellstmöglich zu verkaufen, weil ein Kursrückschlag um bis zu 25 Prozent bevorstehen könne. Stockman war zwischen 1981 und 1985 Kabinettsmitglied unter dem damaligen Präsidenten Ronald Reagan. Der Stand am 6. November 2016 beim S&P 500: 2090 Punkte.

Der prominenteste Skeptiker einer sogenannten Trump-Rally ist aber George Soros, Investorenlegende mit einem geschätzten Vermögen von 25 Milliarden Dollar. Er warnte früh vor einem "Trump-Crash", verlor aber bisher wohl rund eine Milliarde Dollar mit dieser Strategie. Große institutionelle Investoren in den USA müssen ihre Positionen innerhalb von 45 Tagen nach dem jeweiligen Quartalsabschluss veröffentlichen.

Doch Soros hat auch von der Trump-Rally profitieren können, da er gleichzeitig in US-Finanzwerte investiert war, die einer der größten Gewinner seit der Trump-Wahl im November 2016 gewesen sind. Damit hat er mit einer anderen Investment-Legende einiges gemein, nämlich Warren Buffet, der aber für den Markt nicht so pessimistisch eingestellt ist wie Soros. Buffet ist vor allem an Goldman Sachs mit einer größeren Position beteiligt.

Schnell umschwenken

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Allerdings muss man einigen Finanzprofis bescheinigen, dass sie sich schnell an veränderte Bedingungen anpassen und umschwenken, wenn sie falsch liegen. So hatte Druckenmiller noch in der Wahlnacht des 8. November seine gesamten Goldbestände verkauft (Kurs damals: 1273 Dollar je Unze) und in der Hoffnung auf eine starke Konjunkturbelebung und eine steigende Inflation, die Trumps Steuerreform auslösen sollte, US-Aktien gekauft. Auch Carl Icahn, Investmentaktivist und einer von Trumps Kandidaten für den Posten des US-Finanzministers, soll Medienberichten zufolge noch während der Wahlparty der Republikaner Aktien gekauft haben. Richtig lag auch Anleihen-"König" Jeff Gundlach in den vergangenen Monaten, als er wiederholt europäische Aktien zum Kauf empfohlen hat mit der Begründung, sie seien nicht so hoch bewertet wie US-Aktien.

Hingegen blieb Bond-Guru Bill Gross - ebenso wie Gundlach - pessimistisch für Anleihen gestimmt. Erst im März dieses Jahres sagte Gross, dass ein Bärenmarkt am US-Anleihenmarkt bevorstünde, falls die Renditen für zehnjährige Anleihen die Marke von 2,6 Prozent durchbrechen würden. Damals lagen die Zinsen bei 2,57 Prozent. Ein Bärenmarkt bedeutet einen längeren Abwärtstrend bei Staatsanleihen, also steigende Zinsen. Davon ist bislang allerdings nichts zu sehen, die Renditen für zehnjährige Anleihen sind trotz der Leitzinserhöhungen der US-Notenbank auf 2,26 Prozent gesunken. Bei anhaltend schwachen US-Konjunkturdaten dürften die Zinsen für zehnjährige Anleihen niedrig bleiben, selbst wenn die Fed die Geldpolitik weiter verschärfen sollte.

Ob die Rekordfahrt am US-Aktienmarkt weitergeht, oder ob George Soros sowie die Analysten von JP Morgan und Goldman mit ihren Warnungen diesmal richtig liegen, werden die nächsten Monate zeigen. Wer sich ihnen anschließen und sich im aktuell nervösen Umfeld absichern will, kann diese Strategie mit Put-Optionsscheinen umsetzen. Die Papiere auf den S&P 500 (WKN HW2DJT), den Dow Jones (WKN GD26BV), den Nasdaq (WKN PR0R7G) oder den Dax (WKN DL6BQT) sind derzeit günstig bewertet und haben vergleichsweise lange Laufzeiten bis März und Juli 2018 – falls die Korrektur noch etwas Zeit braucht.

Disclaimer: Dieser Beitrag stellt keinerlei Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Aktien oder Anlageprodukten dar. Für die Richtigkeit der Daten wird keine Haftung übernommen.

Quelle: n-tv.de

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