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Bausparte verkauft: Bilfinger wird zerschlagen

Seit geraumer Zeit geht es beim Bau- und Dienstleistungskonzern Bilfinger drunter und drüber. Nun stößt das Unternehmen eine seiner lukrativsten Sparten ab. Bilfinger trennt sich damit von 40 Prozent seines Umsatzes.

Das als Baukonzern groß gewordene Mannheimer Unternehmen Bilfinger kappt die letzten Wurzeln zu seiner bis ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Tradition. Der seit zwei Jahren kriselnde MDax-Konzern verkauft sein Bau- und Immobiliengeschäft für 1,2 Milliarden Euro an den schwedischen Finanzinvestor EQT. Bilfinger trennt sich damit von 40 Prozent seines Umsatzes und wird zerschlagen. Übrig bleibt das Geschäft mit Industriediensten, das unter dem niedrigen Ölpreis und Investitionszurückhaltung in wichtigen Branchen leidet.

Bilfinger hatte seit Jahresbeginn einen Verkauf des Geschäftsfeldes geprüft. Mit einer operativen Rendite von 4,8 Prozent war das Geschäftsfeld im vergangenen Jahr die Stütze des Konzerns. Die Bilfinger-Aktien weiteten ihre Kursgewinne deutlich aus. Damit waren die Papiere größter Gewinner im MDax.

Bei Bilfinger geht es seit fast zwei Jahren drunter und drüber. Ausgangspunkt der Krise, die 2014 den früheren hessischen Ministerpräsident Roland Koch den Posten des Vorstandschefs kostete, war das verlustreiche Kraftwerksgeschäft. Die Energiewende und Managementfehler ließen die Aufträge zur Konstruktion und Wartung von Kraftwerken einbrechen. Koch musste nach mehreren Gewinnwarnungen seinen Hut nehmen.

Die Sparte Power steht seit dem vergangenen Jahr zum Verkauf. Der Vorstand habe nun entschieden, sie in Einzelteilen statt als Gesamtpaket zu verkaufen, erklärte Bilfinger.

Halbe Milliarde Euro Veräußerungsgewinn

Mitte April hatte nach nicht mal einem Jahr überraschend der Norweger Per Utnegaard seinen Rücktritt als Vorstandschef erklärt. Sein Nachfolger Thomas Blades ist noch nicht im Amt. Das Zepter bei Bilfinger hat schon länger Großaktionär Cevian, ein aktivistischer Finanzinvestor ebenfalls aus Schweden, übernommen. Insidern zufolge drängte Cevian, der mit Eckhard Cordes auch den Aufsichtsratsvorsitzenden stellt, auf einen Verkauf des Bau- und Immobiliengeschäfts. Auf der Hauptversammlung hatten Aktionärsvertreter kritisiert, dass der Konzern noch immer keine klare Strategie gegen die Krise hat. Dafür wurde Cevian mit verantwortlich gemacht.

Finanzchef Axel Salzmann, der zurzeit kommissarisch den Vorstand führt, erklärte, mit dem Geld aus dem Verkauf wolle das Unternehmen vorwiegend seine Position als Marktführer für Industriedienstleistungen ausbauen. Neben Investitionen seien auch Zukäufe geplant. Ein genauer Plan werde nach dem Antritt von Blades, der von Linde zu Bilfinger wechselt, festgelegt. Auf Konzernebene verbleibe ein Veräußerungsgewinn von voraussichtlich rund 500 Millionen Euro. Von dem vereinbarten Kaufpreis zahlt EQT 300 Millionen Euro erst in einigen Jahren, wenn er Investor die bisherige Bilfinger-Sparte wieder verkauft. Dann sollen Bilfinger unter anderem 49 Prozent des Erlöses aus dem Weiterverkauf zufließen.

Mit den beiden vorerst verbleibenden Sparten will Bilfinger in diesem Jahr operativ wieder schwarze Zahlen schreiben. Im künftigen Kerngeschäft mit Industriedienstleistungen werde die Leistung zwar deutlich niedriger ausfallen als die 3,65 Milliarden Euro im vergangenen Jahr. Der um Sondereffekte bereinigte operative Gewinn (Ebita) werde aber auf dem Vorjahresniveau von 128 Millionen Euro liegen. Im Kraftwerksgeschäft (Power) werde die Leistung ebenfalls den Vorjahreswert von 1,29 Milliarden Euro verfehlen, der Verlust (2015: 70 Millionen Euro) aber zurückgehen.

Quelle: n-tv.de

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