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2015 wird "bullish" - meint Raimund Brichta.
2015 wird "bullish" - meint Raimund Brichta.(Foto: imago stock&people)

Was bringt das neue Börsenjahr? : Beim Dax sind 12.000 Punkte drin

Von Raimund Brichta

Das vergangene Jahr war für Anleger ein Nerventest mit vielen Wendungen. Zwischenzeitlich brach der Dax auf knapp 8000 Zähler ein - um schließlich ein neues Rekordhoch zu erreichen. 2015 könnte ein ähnlicher Test anstehen.

Das zurückliegende Börsenjahr lag voll im Plan - trotz aller Nervosität und Richtungswechsel, die in meinem Rückblick beschrieben sind, und trotz einer nur mageren Jahresperformance von 2,7 Prozent im Dax. Mit "im Plan liegen" meine ich das langfristige Umfeld, in das das vergangene Jahr eingebettet war. Konkret wird dieses Umfeld bestimmt durch den nachhaltigen Ausbruch aus der langfristigen Dax-Seitwärtsbewegung seit dem Jahr 2000, der bereits 2013 erfolgt war. Nach einem solchen Ausbruch kommt es darauf an, zunächst genügend Boden gut zu machen, um nicht bei der nächstbesten Korrektur schon wieder in die alte Zone zurückzufallen und damit den Ausbruch zunichte zu machen.

Genau dies ist geschehen: Im vergangenen Jahr konnte sich der Dax bis 10.000 Punkte vorarbeiten und damit ein ausreichendes Sicherheitspolster zulegen. Die unvermeidliche Korrektur, die danach auch kam, führte ihn folgerichtig nur fast bis auf das Ausbruchsniveau von gut 8000 Punkten zurück und nicht darunter. Von dort aus hob er Mitte Oktober wieder nach oben ab.

Raimund Brichta
Raimund Brichta

Im Prinzip ist ein solches Szenario sogar die perfekte Voraussetzung für ein erneutes Durchstarten nach oben. Und ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass der Dax im Lauf dieses Jahres genau diesen Start zeigen wird.  

Aber zuerst wird er noch eine harte Nuss zu knacken haben. Denn erst muss ihm der nachhaltige Durchbruch durch die 10.000er-Marke gelingen, die sich im letzten Jahr - wie erwartet - als hartnäckiger Widerstand erwies. Bevor dieser Durchbruch nicht gelingt, ist an weitere Avancen nicht zu denken.

12.000 Punkte möglich

Ich halte es sogar für möglich, dass der Dax im ersten Vierteljahr noch einmal nach unten abdreht, bevor er danach den Durchbruch durch die 10.000 schafft. Zumal das Tief vom vergangenen Oktober einen kleinen Schönheitsfehler hat: Es lag nicht genau auf der vorangegangenen langfristigen Ausbruchsmarke, sondern rund 200 Punkte darüber. Ein abermaliger Test der 8000er-Marke ist daher nicht auszuschließen, wenn auch nicht zwingend.

Sofern es zu diesem Test kommt, rechne ich damit, dass er erfolgreich verläuft - gerade auch weil in diesem Fall bei vielen Anlegern die Nerven schon wieder blank liegen dürften. Danach dürften die 10.000 Punkte nicht nur wieder schnell erreicht, sondern auch nachhaltig geknackt werden. Und je nachdem, wann dieser Durchbruch erfolgt, halte ich 12.000 Punkte noch in diesem Jahr für erreichbar. Über die Einzelheiten werde ich Sie dann zu gegebener Zeit auf dem Laufenden halten.

Unter Umständen sind sogar mehr als 12.000 Punkte drin, weil die 5er-Jahre in einem Jahrzehnt als sehr gute Börsenjahre gelten. Aber auch darüber reden wir erst, wenn es soweit ist.

Damit - und das ist interessant -  könnten wir erstmals seit mehr als einem Jahrzehnt wieder in eine Übertreibungsphase eintreten. Denn nach derzeitigen Gewinnschätzungen dürfte bei 12.000 Dax-Punkten ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von fast 17 erreicht sein, verglichen mit einem Wert von 15, der gemeinhin als neutral-faire Bewertung gilt.

Aber auch dies wäre nichts anderes als eine normale Börsenentwicklung, die seit Jahrzehnten immer wieder zu beobachten ist: Auf Phasen, in denen die Anleger übergroße Vorsicht walten lassen und die durchschnittlichen KGVs damit unter 10 drücken, wie das im vergangenen Jahrzehnt der Fall war, folgen Phasen des Überschwangs, in denen die  KGVs auf über 20 steigen. Genau eine solche Phase steht uns in den nächsten Jahren bevor, meint Ihr

Raimund Brichta

P.S.

Auf die fundamentalen Hintergründe möchte ich hier nicht näher eingehen, weil sie Ihnen hinlänglich bekannt sein dürften:

In Bezug auf den zu erwartenden Überschwang sind dies vor allem anhaltend niedrige Zinsen - einschließlich eines weiteren Ausbreitens des Negativzinses - sowie die lockere Geldpolitik der Notenbanken. Zudem dürften früher oder später weitere Notenbanken dem Beispiel der Bank von Japan folgen und ihrerseits Aktien direkt kaufen.

Und was die möglichen Anlässe für eine eventuell kurzfristig bevorstehende Schwächephase betrifft, stehen hierfür mit Griechenland und Russland ebenfalls bereits veritable Kandidaten in den Startlöchern.

Quelle: n-tv.de

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