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US-Aktien - mehr als nur Trump: Banken werden US-Bilanzsaison überstrahlen

Von Benjamin Feingold und Franz-Georg Wenner

Nach der Rekordfahrt am US-Aktienmarkt warten Investoren gespannt auf die Quartalsergebnisse. Die Gewinnkurve zeigt eine aufsteigende Tendenz, im Fokus der Investoren stehen vor allem die Banken.

Freudige Erwartung bei Besitzern von US-Aktien: Nach etlichen Quartalen mit schwachen Ergebnissen, sollen die Gewinne der Unternehmen des S&P 500 laut der Analysefirma FactSet im vierten Quartal 2016 um drei Prozent geklettert sein. Das wäre der zweite Quartalsanstieg in Folge, was es letztmalig im vierten Quartal 2014 und im ersten Quartal 2015 gegeben hatte. Das größte Plus sollen die Versorger abliefern, sagen die Analysten doch einen Gewinnsprung von 19,8 Prozent voraus. Die Unternehmen, wie NRG Energy oder Dominion stemmen sich mit kräftigen Kostensenkungen und Zukäufen gegen den Rückgang der Strompreise.

Den zweitgrößten Gewinnanstieg sagen die Analysten für den Finanzsektor voraus, also hauptsächlich für Versicherungen und Banken. Gerade letztere werden stark im Fokus der Investoren stehen, profitieren sie doch wie kaum ein anderer Sektor von den jüngsten Entwicklungen am Finanzmarkt und der Aussicht auf eine Deregulierung der Branche nach dem Amtsantritt von Donald Trump am 20. Januar. Eröffnet wird der Zahlenreigen bei den Banken morgen, wenn JP Morgan, Bank of America und Wells Fargo die Ergebnisse präsentieren werden. Der Branchenprimus JP Morgan hatte bereits Anfang Dezember für Zuversicht bei Investoren gesorgt, als Vorstandschef Jamie Dimon auf einer Konferenz gesagt hatte, die Erträge im wichtigen Handelsgeschäft würden um mindestens 15 Prozent über dem Vorjahresniveau liegen würden.

Auf der gleichen Veranstaltung übte sich sein Kollege Brian Moynihan von der Bank of America ebenfalls in Zuversicht und sagte, dass die Einnahmen im Anleihenhandel um rund 15 Prozent im Plus lägen. Angaben zum gesamten Handelsgeschäft machte er allerdings nicht. Tags darauf schloss sich die Citigroup den Wettbewerbern an und meldete, dass das Handelsgeschäft im vierten Quartal um rund 20 Prozent wachsen werde. Die Institute profitieren stark von den zwischenzeitlich kräftig gestiegenen US-Zinsen, weil dadurch die Volatilität am Markt und damit das Handelsvolumen in den USA deutlich zugenommen hatten. So lag das Handelsvolumen bei Anleihen im vierten Quartal an den US-Börsen laut dem Branchenverband Securities Industry and Financial Markets Association (SIFMA) um 19 Prozent über dem Vorjahresniveau. Zudem dürfte bei etlichen Instituten das Handelsgeschäft mit Aktien ebenfalls gut gelaufen sein.

Außerdem kommt den Finanzinstituten zugute, dass wegen der Hausse am Aktienmarkt das Geschäft mit Kapitalerhöhungen floriert. Da sehen Investoren darüber hinweg, dass das Geschäft mit Börsengängen gegen Jahresende deutlich geschwächelt hat. Das Interesse der Investoren gerade an Neulingen aus dem Technologiesektor war gering, hatten die Investoren die Sorge, dass die möglichen Börsendebütanten deutlich zu hoch bewertet sein könnten. Hingegen schwächelte das Geschäft mit der Emission von Unternehmensanleihen. In einem Umfeld, in dem die Zinsen für Staatsanleihen deutlich gestiegen waren, waren jene von Unternehmensanleihen noch stärker geklettert, wodurch sich der Zinsaufschlag ausweitet hatte.

Gewinnsteigerungen erwartet

Insgesamt hat sich das Geschäftsumfeld für die US-Banken aber deutlich verbessert. Das sollte sich deutlich in den Ergebnissen der Institute widerspiegeln, zumal die Vorstandschefs weiter energisch auf die Kostenbremse treten. So soll JP Morgan laut den Schätzungen der Analysten trotz eines Anstiegs der Erträge um lediglich 0,9 Prozent auf 23,95 Milliarden Dollar den Gewinn je Aktie um 8,3 Prozent auf 1,43 Dollar verbessert haben. Für die Citigroup, die am 18. Januar die Ergebnisse präsentieren wird, wird trotz eines deutlichen Umsatzrückgangs eine Verbesserung des Gewinns je Aktie um 5,7 Prozent auf 1,12 Dollar erwartet. Bei Goldman Sachs soll der Wert auf 4,74 Dollar nach oben schießen, nachdem im Vorjahreszeitraum Rückstellungen für die Einigung bei Hypothekenanleihen noch zu Belastungen von 1,8 Milliarden Dollar geführt hatten. Richtungsweisend wird der Zinsausblick der Banken sein. Einen Vorgeschmack hat Bank of America bereits abgegeben. Sie prognostiziert, dass ein Zinsanstieg um 100 Basispunkte (einen Prozentpunkt) zu einem Anstieg der Nettozinseinnahmen um 5,3 Milliarden Dollar innerhalb von zwölf Monaten führen würde.

Und was erwarten die Analysten bei den zuletzt so gut gelaufenen Technologieaktien? Für den iPhone-Hersteller sagen Analysten ein Umsatzplus von zwei Prozent auf 77,39 Milliarden Dollar voraus. Das wäre der erste Erlösanstieg nach drei Quartalen in Folge mit Rückgängen. Allerdings soll der Gewinn je Aktie leicht auf 3,22 Dollar sinken. Investoren werden einmal mehr stark auf die iPhone-Verkäufe, die durchschnittlichen Verkaufspreise für iPhones schauen, und ob das China-Geschäft weiter deutlich schrumpft. Von großer Bedeutung wird zudem der Ausblick auf das laufende Quartal sein. Apple wird seine Ergebnisse am 31. Januar präsentieren.

Facebook folgt am 1. Februar. Im vergangenen Quartal soll der Umsatz des sozialen Netzwerks um 45 Prozent auf 8,46 Milliarden Dollar nach oben geschossen sein und der Gewinn je Aktie auf 1,29 Dollar. Bei der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen hatte der Konzern gewarnt, dass sich das Erlöswachstum im vierten Quartal abschwächen werde, während die Investitionen 2017 deutlich steigen würden. Für das dritte Quartal hatte Facebook noch ein Umsatzplus von 56 Prozent gemeldet. Nach dem zwischenzeitlichen Kursrückgang ist die Aktie aber auf Erholungskurs und könnte schon bald die Rekordhochs in Angriff nehmen.

Und wie sieht es bei Amazon aus? Laut den Schätzungen ist der Umsatz im vierten Quartal um ein Viertel auf 44,67 Milliarden Dollar gehüpft, zumal das Cloud-Geschäft weiter gebrummt haben dürfte. Der Gewinn je Aktie soll ebenfalls kräftig gestiegen sein auf 1,36 Dollar. Nach der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen war die Aktien kurz eingebrochen, vor allem weil die Prognose für den operativen Gewinn für das vierte Quartal mit null bis 1,25 Milliarden Dollar weit unter den damaligen Schätzungen der Analysten von 1,7 Milliarden Dollar lag. Derzeit erscheint die Aktie aber ebenso wie jene von Facebook auf dem Weg zum Rekordhoch – obwohl Amazon mit einem 2017er-KGV von 90 sehr hoch bewertet ist, die Latte liegt also hoch. Die laufende Quartalssaison dürfte zeigen, dass die Ergebnisse vieler US-Unternehmen allmählich auf dem Weg nach oben sind. Gerade Banken dürften solide Zahlen abliefern. Wie die Entwicklung weitergeht, dürfte aber auch vom Umfeld und den Ankündigungen von Donald Trump nach seinem Amtsantritt am 20. Januar abhängen.

Quelle: n-tv.de

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