Hugo Boss ist wieder "hip".
Hugo Boss ist wieder "hip".(Foto: dpa)

Turnaround in China: Anleger feiern Hugo Boss

Weniger Marken, stärkere Ausrichtung auf Männermode: Die Neuorientierung von Hugo Boss zahlt sich langsam aus. In China kommt das Unternehmen besser voran als gedacht - und das honorieren auch die Börsianer.

Der im Umbau steckende Modekonzern Hugo Boss hat dank eines Schlussspurts 2016 besser abgeschnitten als befürchtet und damit auch an der Börse punkten können. Das operative Ergebnis werde im abgelaufenen Jahr nach ersten Berechnungen wohl am oberen Ende der Prognosespanne liegen und der Konzernumsatz nur um vier Prozent auf 2,69 Milliarden Euro schrumpfen, teilte Konzernchef Mark Langer mit. Gegenüber dem bisherigen Verlauf habe sich das Jahresendgeschäft rund um Anzüge, Hemden und Mäntel besser entwickelt. "Die Ergebnisse des vierten Quartals zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind", sagte Langer. "In China haben wir im zweiten Halbjahr den Turnaround geschafft. Auch in Europa haben wir uns in einem schwierigen Marktumfeld gut behauptet."

Konzernchef Langer hatte zuletzt für 2016 ein Umsatzminus von bis zu zehn Prozent und einen Rückgang des Betriebsergebnisses von 17 bis 23 Prozent befürchtet. 2015 verbuchte Boss ein bereinigtes Ebitda von 594 Millionen Euro. Mit weniger Marken und einer stärkeren Ausrichtung auf Herrenmode will Langer den kriselnden Modekonzern wieder zurück in die Erfolgsspur bringen.

Topgewinner im MDax

Anleger reagierten erleichtert und griffen zu. Die Aktien der Modefirma stiegen um knapp zehn Prozent auf 58,92 Euro und setzten sich damit an die Spitze im Nebenwerteindex MDax. Die Zahlen seien besser ausgefallen als befürchtet, sagte ein Börsianer. Daher müssten offenbar einige Anleger, die auf weitere Kursverluste gewettet hatten, sich wieder mit den Papieren der Modefirma eindecken.

Langer will am 9. März die vollständige Jahresbilanz präsentieren. Einen Tag zuvor wird der Aufsichtsrat über den Dividendenvorschlag entscheiden. Für 2015 erhielten die Anleger trotz Gewinnrückgangs eine stabile Dividende von 3,62 Euro je Aktie.

Geringe Einbußen im 4. Quartal

Im vierten Quartal schrumpften die Erlöse um drei Prozent auf 725 Millionen Euro, währungsbereinigt um ein Prozent. Während sie in Europa dank eines robusten Wachstums in Großbritannien währungsbereinigt um zwei Prozent stiegen, sanken sie in der Region Amerika in lokalen Währungen um 14 Prozent. Asien lag dagegen um fünf Prozent über dem Vorjahreswert. Auf dem chinesischen Festland erzielte Boss auf vergleichbarer Fläche und ohne Währungseffekte ein Umsatzplus von fast 20 Prozent.

Der schwäbische Modekonzern schlitterte nach jahrelangen Rekordwerten 2015 in die Krise. Neben negativen Währungseffekten machten Boss die Verschlechterung des Marktumfelds in Asien - vor allem in China - und schleppende Geschäfte in Amerika zu schaffen. Langer übernahm nach dem überraschenden Abgang von Firmenchef Claus-Dietrich Lahrs im Februar 2016 die Verantwortung. Der ehemalige McKinsey-Mann verordnete Boss ein Restrukturierungsprogramm, das neben der Schließung von Läden und dem Ausstieg aus dem Großhandel in den USA eine langsamere Expansion vorsieht. Zudem mussten die Schwaben in China die vergleichsweise hohen Preise senken, um die Kunden wieder anzulocken. Denn für einen Boss-Anzug, der in Deutschland 500 Euro kostet, mussten Käufer in China 900 Euro zahlen. Zuletzt brach Langer zudem mit der Strategie seines Vorgängers und verabschiedete sich vom Luxusmarkt.

Quelle: n-tv.de

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