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Es gibt signifikante Risiken, aber die Börsianer scheinen sie auszublenden.
Es gibt signifikante Risiken, aber die Börsianer scheinen sie auszublenden.(Foto: dpa)
Mittwoch, 10. Mai 2017

Die Börsen-Luft wird dünner: Aktien sind mittlerweile teuer

Ein Gastbeitrag von Thomas Buckard

Rekordlaune an den Finanzmärkten: Das Gros der Analysten ist optimistisch für Aktien und rechnet mit weiter steigenden Kursen. Zeit für Anleger, über die Absicherung ihrer Gewinne nachzudenken.

Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) für den MSCI Europe liegt aktuell bei 15,5. Wenn man bedenkt, dass das KGV für europäische Aktien im Juli 2007 kurz vor der Lehman-Pleite bei 13 notierte, ist das ambitioniert. Aktien wurden jedoch auch schon deutlich höher bewertet. Zum Beispiel im Jahr 2000 als die Unternehmen das 22-fache ihres Jahresgewinns kosteten. Danach crashten allerdings die Aktienmärkte fast drei Jahre lang und verloren bis zu 75 Prozent ihres Wertes.

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Gemessen an den erwarteten Gewinnen kommt der S&P 500, der die 500 größten in den USA gelisteten Unternehmen umfasst, sogar auf ein KGV von 18. Das ist sowohl im internationalen als auch im historischen Vergleich teuer - möglicherweise zu teuer. Im Jahr 2007, also vor der letzten großen Wirtschafts- und Finanzkrise, belief sich die Kennzahl auf 15. Im März 2000 kamen US-Werte jedoch wie europäische Aktien sogar auf ein KGV von 22. Wie erwähnt, setzte kurz danach eine massive Korrektur der Börsen ein.

Trotz der eher (zu) hohen Bewertungen ist das Gros der Unternehmensanalysten zuversichtlich, dass die Rally noch eine Zeit lang anhält. Die wesentlichen Argumente lauten, dass es selten so viel Liquidität und gleichzeitig so niedrige Zinsen gab. Da ist durchaus etwas dran. Dazu kommt, dass das konjunkturelle Umfeld stimmt und die Unternehmen wieder mehr Geld verdienen. Auf Basis der für 2018 laut Factset und IBES im Konsens geschätzten Gewinne könnte der Dax noch bis 13.500 Punkte steigen - vorausgesetzt, es ändert sich nichts an den KGV-Bewertungen. Das wäre ein Plus von sechs Prozent und entspricht in etwa dem, was Aktienmärkte im Durchschnitt auf Sicht von zwölf Monaten zulegen. Der EuroStoxx 50 könnte noch bis 4000 Zähler klettern, was einem Zugewinn sogar von neun Prozent entspräche.

Aktienkurse weitgehend ausgereizt

Es gibt jedoch eine Reihe von Argumenten, die dafür sprechen, dass der Rally die Luft ausgehen könnte - vielleicht auch schon bevor die genannten Zielmarken erreicht werden.

Thomas Buckard ist seit dem Jahr 2000 Gründungsmitglied und Aktionär der MPF AG. Als Vorstand ist er für die Kundenakquisition und -betreuung zuständig. Zuvor arbeitete der passionierte Bergsteiger im Private Banking der Deutsche Bank AG.
Thomas Buckard ist seit dem Jahr 2000 Gründungsmitglied und Aktionär der MPF AG. Als Vorstand ist er für die Kundenakquisition und -betreuung zuständig. Zuvor arbeitete der passionierte Bergsteiger im Private Banking der Deutsche Bank AG.

Erstens, könnte es demnächst mit der umfangreichen Liquidität vorbei sein. Die amerikanische Notenbank Fed hat bereits angekündigt, ihre Bilanz wieder verkürzen zu wollen. Im Klartext bedeutet dies den Verkauf von Anleihen gegen Cash, wodurch den Finanzmärkten Liquidität entzogen wird. Das könnte die Stimmung an der Wall Street empfindlich stören. Gerade die US-Börsen sind aufgrund ihrer hohen Bewertungen anfällig für Korrekturen. In Europa könnte zumindest die Diskussion starten, wann die EZB ihre Anleihekäufe endlich zurückfährt.

Eine restriktivere oder weniger lockere Geldpolitik sollte eigentlich - zweitens - zu steigenden Zinsen führen. Die Rendite von deutschen Bundesanleihen könnte sich wieder in Richtung von 0,8 bis 1 Prozent bewegen. In den USA übersteigen die Zinsen von langlaufenden Staatsanleihen bereits wieder die Dividendenrendite von Aktien. Dort sind Aktien schon heute nicht mehr "alternativlos". Das könnte sich in Europa ähnlich entwickeln.

Drittens, fallen die Zinsen und steigen die Aktienkurse schon seit mehr als acht Jahren. Das ist ungewöhnlich lang. Die Hausse ist zeitlich betrachtet einfach reif für eine Korrektur.

Das vierte Argument lautet: Die Volatilitäten, sprich die Risikoaversionen der Anleger, sind ungewöhnlich niedrig. Die sogenannten Angstbarometer wie der deutsche VDax New oder der amerikanische VIX bewegen sich am unteren Ende ihrer Bandbreite der zurückliegenden zehn Jahre.  Dies spricht für eine gewisse Sorglosigkeit der Anleger, die meist eine Korrektur der Kurse nach sich zieht. Tatsächlich bestehen signifikante Risiken, nur scheinen die Börsianer sie derzeit auszublenden: Die unkalkulierbare und bisher praktisch erfolglose Politik von Donald Trump in den USA, möglicherweise schwerwiegende Folgen des Brexit, eventuell deutliche Zugewinne europafeindlicher Parteien bei den Parlamentswahlen in Frankreich, Deutschland und Italien, der Krieg in Syrien oder der aggressive Diktator in Nordkorea, um nur einige zu nennen. Es gibt also genug Gründe, dass die Anleger sich wieder etwas mehr Sorgen machen und die Volatilitäten sich normalisieren sollten.

Noch herrscht an den Aktien keine Euphorie, was kurzfristig eher für weiter steigende Kurse spricht. Doch der weitsichtige, vorsichtige Anleger fängt an, sich so langsam Gedanken über eine schrittweise Reduzierung von Aktienengagements zu machen.

In einem ersten Schritt sollten schon einmal Stoppkurse gesetzt werden. Nach dem Motto: Beim Aufstieg zum Gipfel die Sauerstoffflaschen parat halten, wenn die Luft zu dünn wird.

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Quelle: n-tv.de

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