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(Foto: picture alliance / Geert Vanden )
Mittwoch, 21. Juni 2017

Zögern birgt Gefahren: Schäuble sieht Ende des Billiggeldes nahen

Die Wirtschaft in der Eurozone zieht an - und langsam auch die Konjunktur. In der Folge wird die EZB wohl wieder ein Preisschild ans Geld hängen. Aus Sicht von Finanzminister Schäuble rückt dieser Tag immer näher.

Angesichts der guten Konjunktur und der wieder gestiegenen Inflation ist für Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ein baldiger Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank wahrscheinlicher geworden. "Die positive Entwicklung, die nicht erwartet wurde, rückt diese Möglichkeiten näher", sagte der CDU-Politiker. Die Gefahr einer Deflation sei "unstreitig gebannt", hob er hervor. Die Inflationsrate im Euroraum nähere sich allmählich dem Zielwert.

Zugleich warnte der Finanzminister vor negativen Folgen, falls der Ausstieg aus der expansiven Geldpolitik zu lange hinausgezögert werde. "Je länger diese Phase dauert, um so größer ist die Gefahr unerwünschter Nebenwirkungen." So könne der Risikohunger von Investoren übermäßig wachsen, oder es könne zu Verzögerungen bei dringend nötigen Strukturreformen kommen. "Niedrigzinsen dürfen also nicht zu einer Hypothek auf unsere Zukunft werden", erklärte er.

Nicht jede Übertreibung ist eine Gefahr

Mit Blick auf die deutlich gestiegenen Immobilienpreise sagte Schäubles, dass es nach seiner Einschätzung keine Immobilienblase gebe. "Nicht jede Preisübertreibung an den Immobilienmärkten gefährdet automatisch die Finanzstabilität." Eine solche Gefahr bestehe erst dann, wenn steigende Immobilienpreise, eine übermäßige Kreditvergabe und nachlassende Standards für die Kreditvergabe zusammenkämen. "Aus dieser Gesamtschau ergibt sich, dass es in Deutschland derzeit keine kreditfinanzierte Immobilienblase gibt."

Allerdings hätten sich die Kreditvergabestandards leicht gelockert. "Das kann ein erstes Warnsignal sein", sagte Schäuble und kündigte an, die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Den Spielraum für Steuersenkungen bezifferte Schäuble erneut mit "irgendwo um die 15 Milliarden Euro pro Jahr" für den Gesamtstaat. "Den sollten wir auch nutzen", forderte der Finanzminister. Handlungsbedarf werde es künftig auch bei der Unternehmenssteuer geben, hob Schäuble angesichts der Pläne in anderen Ländern hervor, "von denen wir nicht einfach sagen können, die nehmen wir nicht zur Kenntnis".

Quelle: n-tv.de

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