255 Banken aus den Euro-Ländern sicherten sich insgesamt 82,6 Milliarden Euro, wie die EZB mitteilte.
255 Banken aus den Euro-Ländern sicherten sich insgesamt 82,6 Milliarden Euro, wie die EZB mitteilte.(Foto: dpa)

255 Banken greifen zu: Geringe Nachfrage nach EZB-Geldspritzen

Europas Zentralbank pumpt Geld ins europäische Finanzsystem, um die Wirtschaft zu stimulieren. Doch so viel wollen die Banken gar nicht haben - sie rufen weit weniger EZB-Langfristkredite ab als gedacht. Der Euro reagiert unentschlossen.

Die Nachfrage der Banken bei der ersten von mehreren neuen EZB-Geldspritzen war nach Angaben der Notenbank verhalten. 255 Banken aus den Euro-Ländern sicherten sich insgesamt 82,6 Milliarden Euro, wie die der Europäischen Zentralbank (EZB) mitteilte. Ökonomen hatten dagegen mit dem Abruf von gut 130 Milliarden Euro gerechnet. Die EZB hatte im Juni beschlossen, das Finanzsystem bis Mitte 2016 mehrmals zu fluten. Der Euro präsentierte sich nach Veröffentlichung des Ergebnisses nahezu unverändert bei 1,2877 US-Dollar.

Die ersten zweckgebundenen Langfristkredite (TLTRO) haben eine Laufzeit von etwas über vier Jahren und einen Festzins von 0,15 Prozent. Das Geschäft ist daran geknüpft, dass die Banken das Geld an Unternehmen als Kredite weiterreichen.

Nun bleibt abzuwarten, wie sich die Nachfrage beim zweiten Geschäft entwickelt. Die nächste Geldspritze will die EZB im Dezember setzen. Sie will so die stockende Kreditvergabe in weiten Teilen der Währungsunion ankurbeln. Die Notenbank hatten 2011/12 auf dem Höhepunkt der Euro-Schuldenkrise schon einmal die gigantische Summe von rund einer Billion Euro in das Bankensystem gepumpt. Einen Großteil dieses Geldes haben die Institute inzwischen an die EZB zurückgezahlt.

Will EZB den Kauf von Staatsanleihen vorbereiten?

Präsident Mario Draghi hat das Ziel ausgegeben, die EZB-Bilanzsumme wieder in Richtung des Volumens zu bewegen, das sie Anfang 2012 hatte. Wenn er damit das Volumen nach Zuteilung der beiden dreijährigen Refinanzierungsgeschäfte meint, müsste er die Bilanz von derzeit zwei Billionen auf etwa 3 Billionen Euro ausweiten.

DekaBank-Ökonom Kristian Tödtmann hat berechnet, dass die EZB mit ihren geplanten TLTROs und den im Oktober beginnenden Wertpapierkäufen rund 1,5 Billionen Euro schaffen muss, da in nächster Zeit auch die alten Dreijahrestender fällig werden.
Je weniger Liquidität die Banken bei den neuen Repo-Tendern nachfragen, desto unwahrscheinlicher wird es aus Tödtmanns Sicht, dass die EZB den Rest der 1,5 Billionen Euro tatsächlich über den Kauf von Kreditverbriefungen und Pfandbriefen bewerkstelligt. Marktteilnehmer könnten vor diesem Hintergrund verstärkt darauf setzen, dass die EZB den Kauf von Staatsanleihen vorbereitet.

Quelle: n-tv.de

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