Die deutschen Exporte steuern auf einen neuen Rekord an.
Die deutschen Exporte steuern auf einen neuen Rekord an.(Foto: picture alliance / dpa)

Frühester Rekord: Exporte knacken Billionen-Grenze

Trotz der insgesamt lahmenden Konjunktur ist Made in Germany weltweit gefragt. Nie zuvor haben deutsche Unternehmen so viele Waren in den ersten elf Monaten eines Jahres verkauft. Darüber hinaus macht der Exportanstieg Hoffnungen auf eine Konjunkturbelebung.

Die deutschen Unternehmen haben in den ersten elf Monaten des vergangenen Jahres Waren im Wert von einer Billion Euro ausgeführt. Insgesamt verkauften sie Güter für 1,045 Billionen Euro in Auslauf, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Im Jahr 2011 hatten die deutschen Exporte erstmals diese magische Grenze durchbrochen. Allerdings hatte die größte Volkswirtschaft der Eurozone dafür zwölf Monate benötigt. 2012 hatten sich die Exporte auf knapp 1,1 Billionen Euro summiert. Im Jahr fiel die Gesamtsumme minimal geringer aus.

Im November haben die Ausfuhren den dritten Monat in Folge zuglegt. Allerdings verfehlten sie die 100-Milliarden-Marke. Im Vergleich zum Vormonat verringerten sie sich um 2,1 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahresmonat legten die Exporte allerdings um 1,4 Prozent zu. Insgesamt wurden Waren im Wert von 95,8 Milliarden Euro ausgeführt.

Einfuhren deuten auf anziehende Konjunktur

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Dagegen nahmen die Einfuhren sowohl im Vormonatsvergleich als auch im Vergleich zum November 2013 zu. Mit 78 Milliarden Euro waren sie 1,7 Prozent höher als im November 2013 und 1,5 Prozent höher als im Oktober.

Insgesamt war 2014 ein gutes Jahr für den deutschen Außenhandel, wie Christian Schulz von der Berenberg Bank betont. Denn die deutschen Exporteure haben in allen wichtigen Regionen zugelegt, vor allem in den EU-Ländern außerhalb der Eurozone (plus 9,7 Prozent) wie Polen oder Großbritannien.

Die Außenhandelsbilanz schloss damit im November mit einem Überschuss von 17,9 Milliarden Euro ab. Im Vorjahr hatte der Saldo in der Außenhandelsbilanz plus 17,8 Milliarden Euro betragen. Kalender- und saisonbereinigt lag der Außenhandelsbilanzüberschuss im November nun bei 17,7 Milliarden Euro.

Industrie stagniert

Eine negative Überraschung meldete derweil die Industrie. Deren Ausstoß verringerte sich im November im Vergleich zum Oktober preis-, saison- und arbeitstäglich minimal um 0,1 Prozent. Volkswirte hatten hingegen im Mittel einen Anstieg um 0,4 Prozent prognostiziert.

Hauptursachen für den Rückgang waren ein Durchhänger der Baubranche, die 0,6 Prozent weniger produzierte, und eine geringere Energieerzeugung. Der Ausstoß in der Industrie wurde dagegen um 0,3 Prozent ausgeweitet. Die Betriebe stellten mit 0,5 mehr Investitions- und 0,6 Prozent mehr Investitionsgüter her. Dagegen verließen 0,1 Prozent weniger Vorleistungsgüter die Fabrikhallen.

Besser als zunächst gemeldet war der Oktober gelaufen. Die Statistiker revidierten ihren Zahlen nach oben. Statt um 0,4 hatte die Erzeugung um 0,6 Prozent zugelegt. Das Wirtschaftsministerium ist trotz des leichten Dämpfers im November zuversichtlich. "Die Produktion im Produzierenden Gewerbe hat die Talsohle durchschritten", heißt es aus dem Hause Sigmar Gabriels. Im Baugewerbe sei zwar für das Schlussquartal noch einmal mit einem Produktionsrückgang zu rechnen, die Industrie dürfte hingegen mit dem dritten Anstieg in Folge wieder auf einen moderaten Aufwärtstrend eingeschwenkt sein.

"Zahlen, mit denen man leben kann"

In einer ersten Reaktion sprach Rainer Satoris von HSCB Trinkaus von Zahlen, mit denen man leben könne. "Zumal der Produktionsrückgang vor allem auf die geringere Energieerzeugung zurückzuführen ist, was wiederum mit dem ungewöhnlich milden Winter zusammenhängen könnte." Eine sprunghafte Erholung sei nicht in Sicht, "aber es dürfte Schritt für Schritt nach oben gehen". Der Import-Anstieg spreche zudem für einen anziehenden Konsum.

"Die geopolitische Lage lässt derzeit nicht mehr zu - vor allem der Russland-Konflikt und die damit einhergehende Verunsicherung in der Wirtschaft", sagte Alexander krüger vom Bankhaus Lampe. "Dennoch dürfte die Produktion das Wachstum im vierten Quartal angeschoben haben. Aber mehr als ein Plus von 0,2 Prozent beim Bruttoinlandsprodukt ist nicht drin."

Quelle: n-tv.de

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